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„Kommt ein Syrer nach Celle und liest“


Gerd Hachmöller (links) und Samer Tannous in "Wandliebe" Foto: Marianne Stumpf

CELLE. Der Leseabend begann mit passender Musik aus dem mittleren Osten Syriens, vorgetragen von Hevy und Adnan Horo.


Viele neugierige Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung von Marianne und Heiner Stumpf ins Museum „Wandliebe“ nachgekommen, um zu erfahren, wie ein „Syrer in Rotenburg/Wümme lebt“. Denn das ist das Thema des zweiten Buches von Samer Tannous, der 2015 in die Bundesrepublik kam und nichts wusste von den kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und Syrien. Er verarbeitete seine Eindrücke, Erfahrungen und Erkenntnisse in dem Buch „Kommt ein Syrer nach Rotenburg/Wümme“, das ein großer Erfolg wurde, und legte nun mit „Lebt ein Syrer in Rotenburg/Wümme“ sozusagen den zweiten Teil vor. Schon seit Sommer 2016 ist er als Französischlehrer in verschiedenen Schulen in Rotenburg tätig. Doch selbst nach einigen Jahren in Deutschland hält das Leben immer noch jede Menge Überraschungen bereit.


Diese auf Deutsch in eine Buchform zu kleiden, hat der gebürtige Celler Gerd Hachmöller übernommen, der den Abend im Museum „Wandliebe“ gemeinsam mit Tannous gestaltete. Im Jahr 2016 trafen sich die beiden beim gemeinsamen Basketball-Spiel, im Frühjahr 2018 wurden die ersten Texte entworfen, im März 2020 erschien der erste Band. Gerd Hachmöller verbrachte seine Schulzeit und Jugend in Celle, seit langem lebt er in Rotenburg/Wümme und ist als Coach und Dozent für das Thema Migration tätig.

„Die Texte sind aus Samers Perspektive geschrieben, ich habe sie inhaltlich ein wenig ergänzt und überarbeitet“, erläuterte Hachmöller. Eine kleine „Schickimicki-Anekdote“ vermittelte einen Eindruck von den Widrigkeiten, denen sich ein „Zugezogener“ erwehren muss: Immer wieder begegnete Samer Tannous der Begriff „Schickimicki“, er schaute im Wörterbuch nach und fand die Übersetzung „elegant“. Anlässlich einer Abendeinladung sah er den Moment gekommen, das Wort nun einmal selber zu benutzen: „Du siehst heute Schickimicki aus“, sagte er zu einer Freundin und traf natürlich nicht auf Freude über ein Kompliment, sondern auf ein nachsichtiges Lächeln, denn sie wusste, dass Tannous gerade dabei war, Deutsch zu lernen. Für die nächste Geschichte „Steige Sie in meinen Servis!“ war wichtig zu wissen, dass es in Damaskus weder eine U- noch eine Straßenbahn gibt, dafür aber viele hundert, vielleicht auch tausend weiße Servis-Minibusse gibt, aber keine dazugehörigen Haltestellen gibt. Dennoch sind die für neun Personen ausgelegten Fahrzeuge fast immer vollbesetzt mit elf Personen. Wer an derartigen ÖPNV gewöhnt ist, tut sich schon mal schwer mit dessen deutscher Variante und kann dieses mit gebührendem Abstand im Nachhinein zu Papier bringen.


Die sowohl von Samer Tannous als auch von Gerd Hachmöller vorgetragenen Storys waren ebenso hörenswert und oft heiter wie die Zwischenmoderationen informativ. So berichtete Tannous über arabische Musik, in der es darum gehe, die eigene Tragik, ob individuell oder gemeinsam durchlitten, möglichst ausdrucksstark zu beschreiben. Die dominante Tonart ist Moll, was den Autor zur Kapitelüberschrift „Dur oder Moll mit Udo Lindenberg“ veranlasste.


Am Ende dieses sehr gelungenen, wunderbaren Leseabends sagte Samer Tannous einen vielsagenden Satz über den Zugang zu anderen Kulturen: „Das Lied ‚Durch die schweren Zeiten‘ von Udo Lindenberg hat mir die Gefühlswelt der Deutschen nähergebracht.“

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