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"Lasst die Schule im Dorf" - Offener Brief zur Grundschule Eversen

EVERSEN. Zur Schuldiskussion in Eversen wendet sich der ehemalige Everser Ortsbürgermeister Gerd Friedrch in einem "Offenen Brief an die Ratsmitglieder des Stadtrates Bergen. Wir geben ihn unzensiert und unkommentiert wieder:


Elternschaft u. Einwohner der Ortschaft Eversen fragen sich, warum eine funktionierend Schule ohne Not geschlossen werden soll, wo doch finanzielle Einsparungen vergleichsweise sehr gering sind und die Vorteile ganz augenscheinlich überwiegen. Was spricht für die Everser Grundschule?

  1. 1 Engagierte und motivierte Lehrerinnen (keine Abordnungen) und aufgrund dessen auch starke Schüler (auch Inklusionskinder werden in der GS Eversen optimal beschult!) Ergebnis: überdurchschnittliche Gymnasialquote + Auszeichnung als Leuchtturmprojekt bei der letzten Schulinspektion!

  2. 2 Kurze Beine, kurze Wege. Die Dorfschule ist fußläufig bzw. mit dem Fahrrad erreichbar. = keine kostenträchtige Schülerbeförderung, keine Elterntaxis!

  3. 3 Einzige zertifizierte plattdeutsche Schule im Landkreis Celle!

  4. 4 Enge Vernetzung mit KiTa + KiGa (Brückenfüchse) + Everser Vereinen / Seniorenkreis

  5. 5 Das Baugebiet „Steinweg“ steht in den Startlöchern und die Zahl von jetzt noch 56 Bauwilligen beruht auch darauf, dass jungen Familien noch sehr gute Bedingungen für ihre Kinder (Betreuung von der KiTa über KiGa zur GS bis zum Wechsel auf weiterführende Schulen) vorfinden. Die Ausweisung eines neuen Baugebietes und eine einhergehende Schulschließung passen nicht zusammen! Die Stadt Bergen, hier die stadteigene SEB, würde sich selbst schaden, weil zu befürchten ist, dass ohne Schule im Ort etliche Bauwillige abspringen, die SEB somit auf Grundstücke sitzen bleibt und die vorgestreckten Kosten des Erwerbs und der Erschließung nicht erstattet bekommt.

6. Der positive Ausblick: 17 Neu-Einschulungen im Jahre 2022 = deutlich über den Durchschnitt (das lässt auch die Durststrecke von 2 mageren Jahren überstehen), plus Festigung dieses positiven Trends durch Familien-Zuzug im Neubaugebiet!

Was spricht gegen die Everser Grundschule? Wirtschaftliche Gründe = Jährliche Einsparungen. Vor Jahren wurden diese noch mit ca. 60 T€ beziffert, jetzt stehen noch ca. 40 T€ im Haushalt. Letztgenannte Summe verringert sich nach Berechnungen von OB Björn Frieling auf mehr als die Hälfte, auf rund 15 T€, wenn man die Beträge, die auch bei einer Zusammenlegung mit Sülze anfallen, also keine Kosten einsparen, heraus rechnet.

Diese Ersparnis reduziert sich weiter, wenn man dazu noch die Kosten der dann anfallenden Schülerbeförderung berücksichtigt. Hierauf hätten nahezu alle Everser Schüler*innen Anspruch. Diese trägt zwar der Landkreis Celle, es sind aber auch Steuermittel. Auf einen Schüler gerechnet, ist Eversen aktuell die kostengünstigste aller vier Grundschulen in Bergen ( Ergebnis von 2020 = veröffentlicht im HH-Plan 2022). Im Vergleich zum Gesamthaushalt der Stadt Bergen i.H.v. ca. 25 Mio € sind die Aufwendungen von ca. 15 T€ vergleichsweise gering, betragen weniger als 1/1000 des Stadtetats.

Im Ergebnis ist eine nur sehr geringe jährliche Einsparung, die mit einer Vielzahl von gravierenden Nachteilen einhergeht, festzustellen!


Wenn man im weiteren Vergleich dann noch berücksichtigt, dass in Bergen eine neue GS für einen 2-stelligen Mio-Betrag gebaut werden soll, ggf. kombiniert mit einem Umzug des Rathauses (projektiert mit ca. 47 Mio €!) versteht man die Diskussionen, den regelrechten Hype um den Fortbestand der Everser Grundschule schon gar nicht mehr.

Bei einer Schließung der Everser Schule stellt sich auch die Frage, was dann mit dem Gebäude passiert: Verkaufen? Schwierig bei dem speziellen Gebäudezuschnitt. Alternativ: Nutzung als DGH / für die örtlichen Vereine? Antwort: Will keiner! Ergebnis: Die Stadt hat ein weiteres leerstehendes Gebäude im Bestand, was zumindest Minimal-Unterhalt, gleich Kosten, bedeutet. Statt Kostenersparnis hat man sich ein weiteres Problem selbst geschaffen.

Als weiteres Argument für die Zusammenlegung wird angeführt, dass damit die derzeit nicht optimale Situation an der Grundschule in Sülze verbessert werden kann. In Sülze unterrichten zur Zeit ausschließlich abgeordnete Lehrkräfte. Dies wird sich aber auch bei einer Zusammenlegung nicht ändern, weil nach aktuellen Kenntnisstand derzeit keine Everser Lehrerin bereit ist, einen möglichen Umzug nach Sülze mitzumachen.

Die von der Verwaltung initiierte anonymisierte Elternbefragung wird aufgrund ihrer Wahlmöglichkeiten kritisiert, weil der Wunsch und Wille der hiesigen Elternschaft, dass die Schule in Eversen wie bisher bestehen bleibt, in den Antwortmöglichkeiten überhaupt nicht aufgenommen worden ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wille, wie auch alle anderen Pro-Argumente, bei der Entscheidungsfindung Berücksichtigung findet.

Die Idee, eine (neue) Grundschule für alle Berger Ortsteile, halte ich für keine gute, allein schon aus der Tatsache, dass aufgrund der räumlichen Gegebenheiten immense Schüler-Beförderungskosten die Folge sind. Einmal Eversen nach Bergen und zurück sind ca. 20 km. Das bei unterschiedlichen Unterrichts- und Sportzeiten ggf. mehrmals am Tag vervielfacht sich, das kann bei den heutigen Kosten keiner ernsthaft wollen.

Auch keine gute Idee ist meines Erachtens der Umzug des Berger Rathauses in eine dann kostenträchtig umzubauende Hinrich-Wolff-Schule.

Mein Appell: Lasst die Schule im Dorf und das Rathaus in der Stadt am jetzigen Platz! Gerd Friedrich

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