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Dixi-Klo-Initiative: Politik kritisiert Stadt Celle

CELLE. Der Zustand der Toiletten in Celle ist seit langem ein Ärgernis. In der vergangenen Woche hatte der Seniorenbeirat nach einer "Toilettentour durch die Altstadt" kritisiert, das die Situation "einfach nur erbärmlich" sei. Als dann auch noch Jörg Reinstorf, Geschäftsführer der Firma Holzwerk, kurz vor der Veranstaltung "Oldtimer+Fachwerk" zwei Dixi-Klos unter dem Säulengang seines Hauses aufstellte, um die Situation zu entspannen, schlugen die Wellen hoch. Während es auf den CelleHeute-Seiten bei Facebook und Instagram viel Zuspruch für die Aktion gab, forderte die Stadtverwaltung Reinstorf auf, die mobilen Klos umgehend wieder zu entfernen. In diesem Zusammenhang war unter anderem von "PR in eigener Sache" und einer "Werbestrategie" des Unternehmers die Rede.

Wir wollten von der Celler Politik wissen, wie sie die Toiletten-Situation im Allgemeinen und die Aktion mit den Dixi-Klos im Speziellen beurteilt. Unsere Frage lautete: War es wirklich ein Werbegag oder - nach der Kritik des Seniorenbeirats in der vergangenen Woche - ein weiterer Hilferuf an die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung? Hier Auszüge aus den Stellungnahmen der Parteien, die uns dazu erreichten.


Patrick Brammer, SPD-Fraktionsvorsitzender: "Wir haben 1. eine katastrophale Situation hinsichtlich des WC-Angebotes in der Celle Altstadt. Dieses wird 2. von fast allen Bürgerinnen und Bürgern so gesehen und 3. auch von allen Ratsfraktionen. Selbst die Fraktionen, die die OB-Mehrheit tragen, widersprechen hier nicht. Nun gibt es 4. eine Privatperson, die 5. die Möglichkeit hat durch das Aufstellen zweier Dixi-Klos hier ein wenig Abhilfe zu leisten. Was ist dagegen zu sagen??? Nichts, außer Lob für die Person, die hier durch Eigeninitiative etwas Sinnvolles macht. Natürlich ist das ein unorthodoxes Vorgehen, aber muss immer alles geahndet werden, was nicht 100 Prozent den gängigen Gepflogenheiten entspricht? Wo ist der Mut, innovative Dinge auch einmal möglich zu machen?


Das Argument der Verwaltung, dass diese Person den Denkmalschutz missachtet, erschließt sich mir nicht. Wir haben 1. zwei mobile WCs vor einem Privatbesitz, die 2. unentgeltlich und 3. vor allem temporär der Allgemeinheit zur Benutzung zur Verfügung gestellt werden. Bedeutet der Verstoß gegen den Denkmalschutz, dass die Fassade des Hauses für eine gewisse Zeit nicht sichtbar ist? Ich erinnere mich an die Sondergenehmigung für den Abriss der alten Wachsfabrik in der Speicherstraße. Dort wurde der Denkmalschutz großzügig zugunsten des Abrisses ausgelegt. Der Otto-Haesler-Bau wurde hier nicht zeitweise durch zwei Dixi-Klos „verdeckt“, sondern für immer aufgegeben. Die Reaktion der Stadt ist daher zu kritisieren. Ich hätte mir von der Verwaltung ein wenig mehr Fingerspitzengefühl sowie Mut, Dinge pragmatischer zu sehen, gewünscht."


Udo Hörstmann, Die Unabhängigen: "Die Situation ist insgesamt misslich. Soweit mir bekannt ist die Verwaltung an dem Thema dran und zwar nicht erst seit heute. Die finanzielle Ausstattung ist gegeben, sodass gleichzeitig auch das geplante „Örtchen“ im Schloßpark in Angriff genommen werden sollte. Die Gesamtproblematik muss so schnell wie irgend möglich gelöst werden. Wenn alle WC eingerichtet sind, stellt sich erneut die Frage, wie werden diese WC`s in Ordnung gehalten. Die UNABHÄNGIGEN sind der Auffassung, dass ein Betrag von 50 Cent erhoben werden sollte. Die guten Erfahrungen, die in anderen Städten gemacht worden sind, sollten uns genug Vorbild sein. Was auch dringend erforderlich ist, sind die Wegweiser zu den WC`s. Fremde haben sicher Probleme diese zu finden. Da muss den Gästen dieser Stadt geholfen werden.


Zu der Aktion von Herrn Reinstorf hätte ich mir eine etwas entspanntere Vorgehensweise gewünscht. Die Reaktion auf den gesendeten Fingerzeig ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass man sich von Seiten der Verwaltung seit geraumer Zeit mit dem Thema beschäftigt, man aber nicht so schnell vorankommt, wie man gern möchte."


Björn Espe, FDP-Fraktion: „Erstmal finde ich es sehr gut, dass jemand eine pragmatische Lösung für ein großes Problem in der Altstadt finde wollte, dass die Verwaltung seit Ewigkeiten nicht gelöst bekommt. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass Herr Reinstorf Werbung nötig hat. Mit einem hat die Verwaltung natürlich Recht: Besonders schön sehen die Dixie-Klos wahrlich nicht aus. Es muss sich nun dringend etwas in der Neuen Straße sowie bei den geplanten Toilettenhäuschen am Schloß tun. Vielleicht trägt die Aktion von Herrn Reinstorf dazu bei, dass endlich etwas passiert.“


Torsten Schoeps, Wählergemeinschaft: "Die Situation ist genauso unerträglich, wie dies vom Seniorenbeirat empfunden wurde. Öffentliche und dazu am besten kostenlose Toiletten sind das A und O einer einladenden funktionierenden Innenstadt, für Celle als Touristenstadt, aber auch für alle Celler Bürgerinnen und Bürger. Öffentliche Toiletten sind ein Aushängeschild und gut für das städtische Image. Unsere Fraktion wird sich dafür einsetzen und spätestens für den neuen Haushalt die notwendigen Mittel beantragen, so fehlt zum Beispiel ein öffentliches WC im Bereich Bergstraße. Wenn 1,8 Mio. für eine nicht unbedingt nötige zusätzliche Radfahrerbrücke übrig sind wird es auch hierfür eine finanzielle Lösung geben können.


Die Aktion von Herrn Reinstorf finde ich sehr gelungen und hätte mir gewünscht, die Stadtverwaltung hätte diese Idee als Ersatz für die geschlossenen Toiletten Neue Straße gehabt."

Anatoli Trenkenschu, AfD: "Die Situation mit den Toilettenanlagen im Stadtgebiet ist seit vielen Jahren zum Teil sehr angespannt, insbesondere prekär ist die Lage an und um Bahnhof/ZOB. Daher unterstützt die AfD-Fraktion ausdrücklich die vorgesehene Lösung – eine neue sich noch in der Planung befindliche Toilettenanlage auf dem Bahnhofsvorplatz – und verlangt gleichzeitig  auch zügige Sanierung der anderen Anlagen. Am Geld darf es nicht scheitern.

 

Herr Reinstorf hätte die Aktion im Vorfeld mit der Stadtverwaltung abstimmen müssen, hat das anscheinend nicht gemacht und damit auf eigene Faust willkürlich gehandelt. Die Reaktion der Stadtverwaltung ist daher an dieser Stelle vollkommen nachvollzierbar."

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