Wenn Technik Fehler macht: Vortragsreihe des OLG
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CELLE. Technologische Fehler begleiten auch unseren Alltag. Sind wir daher „Experten des Nichtfunktionierens“? Das fragte sich die Historikerin Prof. Dr. Martina Heßler bei der Vortragsreihe des Oberlandesgerichts Celle
Hunderte Mitarbeitende britischer Postfilialen werden zwischen 1999 und 2015 wegen Betrugs verurteilt – zu Unrecht, wie sich später herausstellen wird. Die Abrechnungsfehler haben die Mitarbeitenden nicht selbst produziert, es war die Software.
Ein technischer Fehler kann wie im „Post Office Scandal“ Existenzen zerstören, er begleitet uns aber auch im Alltag. Die Historikerin Prof. Dr. Martina Heßler führt ein Tagebuch des Nichtfunktionierens und kann es offenbar gut füllen: Die Website lädt zu lang oder der Kühlschrank fällt aus. Sie selbst hat sich angewöhnt, beim Schreiben von Texten immer wieder die Tastenkombination zum Speichern des Texts zu drücken, falls der Computer abstürzt. „Wir haben viele solcher kleinen Präventionsakte erlernt“, sagt sie. Sind wir also „Experten des Nichtfunktionierens“?
Diese Frage hat sich Prof. Dr. Martina Heßler bei der Vortragsreihe des Oberlandesgerichts Celle gestellt. „Softwarefehler sind nichts Ungewöhnliches und werden seit den 1970ern diskutiert“, sagt die Professorin für Technikgeschichte. Neben der Unvermeidbarkeit der Fehler und dem Glauben an die technische Vollkommenheit stehe häufig das Unwissen der Nutzerinnen und Nutzer – so auch beim „Post Office Scandal“. In der Regel suchten die Nutzerinnen und Nutzer den Fehler bei sich selbst. Ohnehin hätten sie keinen Einblick in die Software, um diese zu überprüfen, und auch nicht das Wissen dafür. „Niemand versteht diese Systeme gänzlich“, sagt die Historikerin.
„Experten des Nichtfunktionierens“? Historikerin bei der Vortragsreihe des OLG Celle
Das trifft auch auf die Künstliche Intelligenz zu, mit einem wichtigen Unterschied: „Es geht nicht mehr nur um Ausfälle und Unfälle, sondern um richtig und falsch.“ Der Preis: „Ewige Wachsamkeit“. Doch sollen wir nun alle zu „Experten des Nichtfunktionierens“ werden?
Es sei wichtig, mit der Fehlerhaftigkeit der Technologie einen Umgang zu finden, sagt Prof. Dr. Martina Heßler. Das passiere im Alltag, wie auch bei der Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Es sei jedoch ein Mythos, dass Technik alles effizienter und billiger mache. „Man unterschätzt den Aufwand, die Technologie aufrechtzuerhalten.“
Die Technologie jedenfalls betreffe heute jedermann, sagt die Historikerin. Auch in die juristische Arbeit hat die Künstliche Intelligenz längst Einzug gehalten. Doch wie kann die Technologie die Arbeit von Richterinnen und Richtern sinnvoll unterstützen? Oder werden irgendwann gar richterliche Entscheidungen von Künstlicher Intelligenz ersetzt? Diese Aspekte bewegen auch das Publikum der Vortragsreihe. Weil die Antworten darauf vielfältig und für die Frage eines funktionierenden Rechtsstaats bedeutsam sind, kündigte die Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle Stefanie Otte einen eigenen Vortragsabend zu dem Thema im Herbst 2026 an.
Text: OLG













