Von "Schlag in die Fresse" zum Kulturort: Mutz macht Red Anchor-Halle fit für Kunst
- Sheenara Wiebke
- vor 17 Stunden
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Aktualisiert: vor 4 Stunden

CELLE. Die Stimmung ist munter in der Itagstraße 20. In der etwa 300 Quadratmeter großen Halle werkeln Männer in Wacken-Crew-Shirts an der Bühne. Obwohl (oder gerade weil) es noch früh am Morgen ist, fällt der ein oder andere flapsige Spruch. Vor der Halle schlendert ein Crew-Mitglied über den Hof und pfeift "Down by the River" von The New Roses. Wie passend: Am Samstag wird New Roses-Frontmann Timmy Rough genau hier einen Gastauftritt im "Hotel Residenz" haben.
Das Musik-Theaterstück "Rendezvous im Residenz" ist eine Weiterentwicklung des Erfolgsformats "Mutz und Gäste". Bereits im Februar spielte Moritz "Mutz" Hempel samt starbesetztem Cast im Celler Schlosstheater. Die Resonanz: überwältigend. Beide Shows waren ausverkauft. Darum nun die Neuauflage. "Mutz und Gäste: Rendezvous im Residenz" ist die erste öffentliche Veranstaltung in der Red Anchor-Halle – und vielleicht die Geburtsstunde einer neuen Kulturstätte in Celle.
Foto: Sheenara Wiebke Foto: Sheenara Wiebke
Hier soll es "immer ein bisschen drüber" sein
Denn Mutz hat große Pläne: Mit Red Anchor will er "Kultur, die woanders schwer umzusetzen ist" nach Celle bringen. Was das konkret heißt? "Makabere Kunst, Oldtimer-Treffs, Kinky Kram. Immer mit ein bisschen extra. So wie wir es immer machen – immer ein bisschen drüber", erklärt der Celler Musiker.
Bei Red Anchor liegen Requisiten direkt neben Kletterausrüstung. (Foto: Sheenara Wiebke) Foto: Sheenara Wiebke Foto: Sheenara Wiebke
Apropos "ein bisschen drüber": Mutz zeigt auf zwei Stahlpfeiler, die die Auffahrt zum Gelände zieren. Sie ragen einige Meter in die Höhe und enden in eine Art Feuerschale. "Wenn ich auf meinem Handy auf den Knopf drücke, kommen da Flammen raus", freut er sich. Für Besucherinnen und Besucher ist der Eingang dann jedenfalls nicht zu übersehen.
10 Kubikmeter Müll und jede Menge Arbeit
Bis hierher sei es jedoch ein langer Weg gewesen. Im Februar 2025 kaufte er das Gebäude samt Grundstück. "Die Halle sah aus wie ein Schlag in die Fresse", erinnert er sich. "Hier auf dem Gelände haben wir 10 Kubikmeter Müll rausgeholt." Leute hätten zuvor allerlei Hausrat über den Zaun auf das leerstehende Gelände geworfen. Außerdem wucherten auf dem gesamten Platz dornige Büsche.
"Die Halle sah aus wie ein Schlag in die Fresse."
Heute ist davon nichts mehr zu sehen. 1600 Quadratmeter der knapp 4000 Quadratmeter großen Grundfläche sind gepflastert. Rechts der Auffahrt befindet sich ein Hühnerstall. Gegenüber eine Feuerstelle. Container sorgen für zusätzlichen Stauraum. Das Gelände ist eine Mischung aus gut sortierter Industriehalle und Basecamp für die Red Anchor-Crew.
Auch Hühner leben auf dem Hof (Foto: Sheenara Wiebke) Walfi Walfred ist Red Anchors Feel Good Manager (Foto: Sheenara Wiebke)
Was hinter Red Anchor steckt
Mutz und sein Bruder Florian haben Red Anchor als Rigging-Firma gegründet. Mittlerweile macht die knapp zwanzigköpfige Crew weit mehr als reine Industriekletterei. Spezielle Schreinerarbeiten wie ausgefallene Bartresen gehören mittlerweile auch zum Portfolio. Und dann ist da noch die Veranstaltungstechnik: Seit einigen Jahren ist das Team um Mutz auf Festivals wie dem Wacken Open Air oder dem Rockharz für den reibungslosen Ablauf auf der Bühne verantwortlich.
Foto: Sheenara Wiebke Foto: Sheenara Wiebke
Erstes Rendezvous in der neuen Halle
Wer sich selbst ein Bild von der neuen Kulturstätte machen will, hat dazu in den kommenden Tagen Gelegenheit. Am Samstag (29. August), Sonntag (30. August) und Montag (31. August) findet das "Rendezvous im Residenz" jeweils um 19 Uhr statt. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.














