Irish Folk und Sicherheit: Axel Flader möchte als Celler Landrat weitermachen
- Stefan Kübler
- vor 1 Tag
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CELLE. Als Axel Flader am 3. Juni 1998 Sirenen hört und Hubschrauber am Himmel entdeckt, fragt er sich noch, wer denn jetzt hier um 11 Uhr eine Übung machen würde. Doch es war keine Übung, es war das ICE-Unglück in Eschede. Axel Flader ist damals Feuerwehrmann und macht sich mit seinen Kameraden sofort auf den Weg an die Unfallstelle. „Wir wollten über die Rebberlaher Brücke fahren. Aber die war weg und wir standen vor den Trümmerteilen“, erinnert er sich. Zwei Tage lang saß er in der Technischen Einsatzleitung der Feuerwehr und koordinierte die An- und Abflüge der Rettungshubschrauber. „Das war herausfordernd“, sagt er. „Wenn man so etwas erlebt hat, dann weiß man, wie wichtig die Themen Zivilschutz, Katastrophenschutz und Sicherheit sind.“
Wegen Eschede-Unglück steht Sicherheit ganz oben
Bei der Feuerwehr blieb Axel Flader 20 Jahre lang. Später war er Geschäftsführer des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Seit 2021 ist er Landrat und möchte das auch weiterhin bleiben. Nicht zuletzt wegen seiner Eschede-Erfahrung steht das Thema Sicherheit bei dem CDU-Politiker ganz oben auf der Liste. Seine Amtszeit habe während der Coronapandemie begonnen, dann sei der Ukraine-Krieg ausgebrochen und schließlich kam das Hochwasser. „Ich habe in den letzten fünf Jahren relativ herausfordernde Zeiten bewältigen müssen“, sagt er. Aus seiner Zeit bei Feuerwehr und Rotem Kreuz sieht er sich für das Thema Sicherheit gut aufgestellt. „Man muss gut vorbereitet sein, damit die Krise hoffentlich nicht eintritt.“
„Es ist mir wichtig, dass ich den Menschen nichts vormache.“
Zum Zivilschutz gehört für Axel Flader auch der Klimaschutz. Doch der Landkreis hat sein Klimaschutzkonzept kürzlich von 2035 auf 2040 verschoben. Wie passt das zusammen? „Wir haben die Zielsetzung realistisch angepasst“, erklärt der amtierende Landrat. „Unsere Klimaziele sind bis 2035 faktisch nicht zu erreichen und es ist mir wichtig, dass ich den Menschen nichts vormache.“ Der Landkreis Celle habe nun das gleiche Klimaziel wie das Land Niedersachsen.
Als Beispiele für die vielen Klimaschutzprojekte des Landkreises nennt Axel Flader Photovoltaikanlagen auf allen neuen Baumaßnahmen, die kommunale Wärmeplanung sowie den Bereich Geothermie. In Ahnsbeck sei ein 2500 Meter tiefes Loch gebohrt worden, durch das 113 Grad heißes Wasser für die Wärmeversorgung gefördert werden könne. „Das ist das einzige Bohrloch in ganz Norddeutschland, das auf diese Tiefe runtergebracht wurde“, so Axel Flader. Die Umsetzbarkeit sei sehr wahrscheinlich, allein an Fördergeldern fehle es noch.

ÖPNV: Stadteigener Verbund wäre aufwendig und teuer
Beim Thema ÖPNV hält der Landrat es weiterhin für eine schlechte Idee, wenn die Stadt Celle den Busverkehr im Stadtgebiet in die eigene Hand nimmt. Er verweist auf jahrelang gewachsene Synergien zwischen Schüler- und Stadtverkehr, die dann wegfallen und die Planung für beide Seiten erheblich aufwendiger und teurer machen würde. Zudem habe der Landkreis bereits Anpassungen vorgenommen, sodass seit kurzem alle Linien über den Bahnhof fahren und einige durchgebunden wurden. „Eine Trennung der Strukturen löst Probleme nicht – sie verlagert und vervielfacht sie“, sagt Axel Flader, der es auch befürworten würde, wenn sich Celle einem größeren Verkehrsverbund anschließen würde.
Krankenhaus und landärztliche Versorgung fördern
In einer zweiten Amtszeit als Landrat möchte Axel Flader den Landkreis Celle als Gesundheitsregion weiter stärken. Das Allgemeine Krankenhaus Celle ist dabei für ihn der wesentliche Baustein. „Als Landkreis sind wir für die medizinisch stationäre Versorgung der Bevölkerung verantwortlich“, sagt er. „Und deswegen müssen wir dieses Krankenhaus haben. Aber auch aus meiner festen Überzeugung heraus, die Menschen hier vernünftig versorgen zu wollen.“ Dass sich die Stadt Celle finanziell aus dem Krankenhaus zurückgezogen habe, sei vor seiner Zeit gewesen und das würde er erstmal als gegeben betrachten. Bei der landärztlichen Versorgung sieht er mehr die Gemeinden vor Ort in der Verantwortung, würde als Landkreis aber mit unterschiedlichen Projekten unterstützen.
„Es ist ein ganz wichtiges und entscheidendes Thema, dass wir die Lernbedingungen für unsere Kinder so optimal wie möglich aufstellen.“
Den Ausbau der Schulinfrastruktur möchte Axel Flader ebenfalls fortführen. In jüngster Zeit seien beispielsweise die Oberschule in Bergen, die BBS II am Lönsweg in Celle und das Hölty-Gymnasium in Hambühren modernisiert beziehungsweise neugebaut worden. Aktuell werde das Schulzentrum Burgstraße auf den neuesten Stand gebracht, unter anderem mit dem Neubau des Gymnasiums Ernestinum. „Es ist ein ganz wichtiges und entscheidendes Thema, dass wir die Lernbedingungen für unsere Kinder so optimal wie möglich aufstellen“, so der amtierende CDU-Landrat. Mit der Stadt Celle, die sich um die Modernisierung der Kindergärten und Grundschulen kümmere, gehe man bei diesem Thema Hand in Hand.

Streit mit Wildpark rechtlich einwandfrei und sauber gelöst
Ein großes Thema in den vergangenen Monaten war der Streit zwischen dem Landkreis Celle und dem Wildpark Müden über eine Zoogenehmigung, die nach 13 Jahren schließlich erteilt wurde. Axel Flader nimmt dabei vor allem seine Mitarbeitenden in Schutz, die sich an baurechtliche Vorgaben halten müssten. Die Sache sei einwandfrei und sauber gelöst worden.
Flader ist Gründungsmitglied der Keltics
Auf die Frage, warum er als Landrat weitermachen möchte, sagt Axel Flader: „Weil das mein Beruf ist.“ Er ist fest im Landkreis Celle verwurzelt und blickt mit seinen früheren Tätigkeiten als DRK-Kreisgeschäftsführer, Gemeindebürgermeister und Kreisrat auf 25 Jahre Führungsverantwortung zurück. Zu seinen Facetten gehört aber auch die Musik. So ist er Gründungsmitglied der Faßberger Irish-Folk-Band „The Keltics“, mit der er als Akkordeonspieler Mitte der 80er-Jahre unter anderem bei Fußballspielen des FC St. Pauli auftrat. Mit wie viel Rock’n’Roll der Landkreis in Zukunft geführt wird, entscheidet sich bei der Wahl am 13. September.
Zur Person Axel Flader
Axel Flader wurde 1967 in Celle geboren, wuchs in Dohnsen bei Bergen auf und machte 1986 sein Abitur am Christian-Gymnasium in Hermannsburg. Nach einer Ausbildung in der Verwaltung der Stadt Bergen und einem BWL-Fernstudium wurde er 2001 Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Gleichzeitig saß er sechs Jahre lang im Gemeinderat Hermannsburg und drei Jahre lang im Kreistag. Von 2009 bis 2014 war er Gemeindebürgermeister in Hermannsburg und nach der Fusion mit Unterlüß ab 2015 Gemeindebürgermeister der Südheide. 2021 wurde er zum Landrat des Landkreises Celle gewählt. Mit seiner Familie sowie Hund und Katze lebt er in der Südheide. In seiner Freizeit geht er gerne auf Rockkonzerte, beispielsweise von Iron Maiden oder Amy McDonald.














