Vom Förderschüler zur abgeschlossenen Berufsausbildung

Aktualisiert: 11. Aug.



ADELHEIDSDORF. Mit dieser Erfolgsgeschichte möchte der "Kudammhof" Förderschülern Mut machen. JanisRienass hat die Paul-Klee-Schule (PKS) - eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung - in Celle besucht. Durch die unterschiedlichen Einschränkungen liegt der schulische Schwerpunkt nicht z.B. auf Schreiben, Rechnen usw., sondern u. a. dem Ausbau von praktischen Fähigkeiten.


Im Rahmen eines Praxistages konnte Janis ein Schuljahr (2017/18) lang einmal die Woche einen Bio-Bauernhof besuchen. Dort zeigte er großes Interesse an der Landwirtschaft und durfte über den Praxistag hinaus einige Schulpraktika absolvieren. Zum Ende seiner Schulzeit taten sich für ihn nicht viele berufliche Möglichkeiten auf dem sogenannten "ersten Arbeitsmarkt" auf. Der übliche Weg sei der „Eignungstest“ beim Arbeitsamt, ob eine Ausbildung zum Fachpraktiker/-werker erfolgversprechend sein könne und so unterstützenswert sei.


Üblich sind Fachpraktiker in der Hauswirtschaft/Gärtner und Garten – und Landschaftsbauer. Für Janis stand fest, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Im Schuljahr 2018/2019 absolvierte er dazu zunächst eine Berufsvorbereitung Tischler in Hermannsburg. Parallel erhielt er eine sonderpädagogische Zusatzausbildung, um neben den „normalen Azubis" in der Landwirtschaft Werker ausbilden zu dürfen.


Janis startete dann seine Ausbildung zum Werker in der Landwirtschaft, nachdem alle bürokratischen Hürden überwunden waren. Die Werker in der Landwirtschaft müssen, wie sonst üblich, nicht den Betrieb wechseln. Besonders in der Theorie sei es eine große Herausforderung gewesen. "Janis hat mehr Blätter beschrieben und Fachrechenaufgaben gerechnet als in seiner gesamten Schulzeit", so der Betrieb. Tages- und Erfahrungsberichte, Leittexte und betriebliche Daten sollten handgeschrieben ins Berichtsheft. Er hatte vorher noch nie einen Aufsatz geschrieben, etwas vom Dreisatz gehört, geschweige denn die chemische Formel der Fotosynthese kennengelernt. Politik-, Sozial- und Wirtschaftskunde waren Fächer in der Berufsschule, die nicht gerade zu seinem Interessensgebiet zählten und mit denen er vorher auch wenig Berührung hatte.


In seinen drei Lehrjahren, neben der praktischen Arbeit, war das eine große Herausforderung für Azubi und Ausbilder. "Es hat Janis und uns gelehrt, dass alles möglich ist, wenn die Motivation stimmt. Man kann alles schaffen, wenn man es wirklich will", so der Betrieb. Mit viel Leistungsbereitschaft, unterstützt durch seine Eltern und einer guten Berufsschulklasse für Werker in der Landwirtschaft in Rotenburg/Wümme hat Janis mit der Note 2,0 seine Prüfung bestanden - übrigens als einzige Schüler einer Förderschule - alle anderen hatten bereits einen Hauptschulabschluss und: Janis nun auch.

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