Salonkultur bei Kunst & Bühne
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CELLE. Es ist schon eine liebgewonnene Tradition, dass der Wortsalon, die seit 2019 bestehende Schreibwerkstatt des Ernestinums unter der Leitung von Dr. Nathalie Groß, einmal im Jahr die Ergebnisse ihres kreativen Schaffens bei Kunst & Bühne präsentiert. Am 10. Februar war es wieder soweit, zum vierten Mal lud der literarische Nachwuchs zu einem bunten Abend mit Texten und Musik ein.
Die vorgelesenen Texte zeigten sich in Inhalt und Form außerordentlich vielfältig.
Die Bandbreite reichte von Marmeladenglasmomenten über Supermarktbesuche, das Finden einer Lieblingsfarbe, welches sich über die Verbindung mit besonderen Ereignissen ergibt, Kindheitserinnerungen auf dunkeln Dachböden, der Angst vor dem Tod, der übrigens nicht mit dem Fahrrad kommt, bis hin zu wahrhaft philosophischen Überlegungen darüber, wie man wohl ein guter Mensch sein könne.
Den Autor:innen gelang es in erfrischend abwechslungsreicher Art, eine alltägliche Situation, ein gewöhnliches Setting oder gar eine scheinbare Belanglosigkeit in ein wahrhaft poetisches Erlebnis zu verwandeln. Dass junge Menschen sich nicht nur für sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse interessieren, bewies ein ganzer Lesungsblock sehr eindrücklich. Mit poetischen Bildern wie beispielsweise dem von Klavieren und Flügeln, wurde Kritik an Politikern und deren unzulänglichen Aktivitäten im Amt geübt. Zugleich waren die Texte geistreich und witzig. Hier war gut zu bemerken, dass auch politische Themen durchaus zur Unterhaltung geeignet sind.
Für eine weitere Besonderheit dieses Abends im Salon sorgte My Le mit ihrem kurzen szenischen Spiel. Eine Premiere im Wortsalon, sowohl, was die literarische Form der szenischen Lesung angeht, als auch, dass an der Umsetzung die ganze Gruppe beteiligt war. Die beiden Szenen führten die Zuhörerschaft in den Zweiten Weltkrieg sowie in eine viele Jahre später stattfindende Gedenkfeier. Das Thema war „nie wieder ist jetzt“ und somit hochaktuell. Zwischen den „alten Hasen“, die schon mehrmals auf der Bühne standen, traten auch dieses Mal wieder einige zum ersten Mal auf. Souverän überwanden sie die Nervosität vor ihrem allerersten Auftritt und konnten so auch auf persönlicher Ebene einen Erfolg verbuchen.
Wie gewohnt wurde der Wortsalon vom Salonorchester des Ernestinums begleitet, wobei sich Text und Musik perfekt ergänzten. Dabei gab es eine weitere Premiere, denn von den sechs gespielten Songs stammen inzwischen vier aus eigener Feder. Waren ja bereits für den allerersten Wortsalon ein speziell auf das Format abgestimmtes Intro und Outro komponiert worden, so folgten nun weitere eigene Songtexte von Sophia Hoffmann und Nathalie Groß, die Christoph Stelljes in gewohnt zauberhafter Weise vertonte. Sophia sang den von ihr verfassten Text „Kinder“ sogar selbst, wodurch der Song nochmal eine besondere Note bekam.
Für alle, die den grandiosen Abend verpasst haben, gibt es einen Trost: Viele Texte des Wortsalons sind in zwei Bänden unter dem gleichnamigen Titel bereits bei Thalia erhältlich. Im kommenden Jahr soll, wieder passend zur Celler Jugendbuchwoche, der nächste Wortsalonband erscheinen.
Text: Gymnasium Ernestinum













