Ortsrat: "Schutzstreifen-Überfall" der Verwaltung nicht abgesprochen




CELLE. "Im Vorfeld mit den jeweiligen Ortsräten abgestimmt", sagt die Stadtverwaltung. "Zu keinen Zeitpunkt wurde der zuständige Ortsrat angehört oder informiert", sagen Politiker des Ortsrats Hehlentor. Nach der Aufforderung der AfD-Fraktion, die Maßnahme "sofort zu stoppen", kritisieren auch die Grünen die andauernde Fehlplanung der Behörde.

Mit mindestens 55 Euro Bußgeld wäre der Kleintransporter im Bild ab heute in Celles Wittinger Straße dabei, wenn er erwischt worden wäre - oder mit 70 Euro und einem Punkt, wenn er andere behindert und bis zu 100 Euro, wenn er dadurch einen Unfall verursacht (obwohl der bekanntlich aus Sicht der Celler Verwaltung i.d.R. nicht polizeibekannt wird).


„Paukenschlag der Fahrradoffensive“

"Es ist absolut richtig und wichtig, den wertvollen Verkehrsraum gerade im Bestand umzuverteilen. Vor allem damit auch Radfahrende und zu Fuß Gehende sich sicher fühlen. Der Ortsrat des Hehlentors hat mit großer Mehrheit dafür eine Prüfung einer Fahrradzone für das südöstliche Hehlentor bei der Stadtverwaltung beauftragt"; teilt der grüne stellvertretender Ortsbürgermeister, Andreas Lechner, mit. Erst vorgestern jedoch erfahre er erst durch unsere Berichterstattung und dem Erklärungsversuch der Stadt vom nächsten „Paukenschlag der Fahrradoffensive“. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge und dem Verkehrsplaner habe Lechner "spontan und konstruktiv" Möglichkeiten aufgezeigt, Betroffene mitzunehmen, z.B. mit Quartiersparkplätzen an der Ecke zur Spangenbergstraße für den Hotelier, zwingend notwendigem Kurzzeitparken und einem Schutz des Gebiets durch ein Anwohnerparken.


"Die Aussage, es stünde alles in dem sehr schwer zugänglichen 'Fahrradaktionsplan der Stadt Celle', dem die Ortsräte zugestimmt hätten, ist schlichtweg falsch."

"Zu keinen Zeitpunkt wurde der zuständige Ortsrat zur aktuellen Maßnahme angehört oder informiert. Die Aussage, es stünde alles in dem sehr schwer zugänglichen 'Fahrradaktionsplan der Stadt Celle', dem die Ortsräte zugestimmt hätten, ist schlichtweg falsch. Richtig ist: selbst den leichter zugänglichen Dokumenten ist zu entnehmen, dass die Wittinger Straße eine sogenannte 'Basisroute' des Netzwerkes wird. Der wesentlich umfassendere Expertenbericht legt für Basisrouten nur allgemeine Vorgaben fest: Basisrouten sind bei bis zu 3.000 Kfz/24h in Mischverkehr nur mit durchgängigem Tempo 30 und ggf. als Fahrradstraße, Fahrradzone oder kombinierte Geh- Radwege umzusetzen. Die Grünen verstehen daraus, dass beschlossen wurde die Basisroute als Fahrradstraße umzusetzen und nicht als Schutzstreifen", ist Lechner überzeugt. „Wäre ich Händler vor Ort, würde auch ich sehr panisch die Forderung stellen, dass Radfahrende woanders fahren sollen oder sie einfach mal auf ihren rechtlich verankerten Sicherheitsanspruch verzichten müssen - zum Wohle der Autofahrenden bzw. Parkenden. Das ist eine ganz normale Reaktion, die man durch Partizipation und Einbindung vermeiden kann", so Lechner weiter.



Quelle: Bugeld-Info.de

"Konstruktiv und lösungsorientiert", so die Grünen, möchten sie erneut den zu prüfenden Ansatz zusammenfassen. Dort heißt es, unzensiert und unkommentiert:

  • Eine Fahrradzone mit „Anlieger Kfz frei“ wird für mehr Sicherheit und Lebensqualität im Quartier genutzt, da Durchgangsverkehr mit neuer Ortsumgehung entfallen soll. Effektiv wird die maximale Geschwindigkeit nur auf den letzten drei verbliebenen Straßenabschnitten im Zielgebiet reduziert. Die geltenden Verkehrsregeln werden an nur 10 Zufahrten einmalig kommuniziert. Hunderte Schilder werden einfach demontiert.

  • Es gibt ein ausreichendes Parkraumangebot für Bewohner und Kundinnen, sobald das Parken nur in markierten Bereichen, mit Anwohnerparkausweisen plus Kurzzeitparken erlaubt wird. Damit kann Be- /Entladen werden, Paketwagen halten, Hotelgäste checken ein, der Blumenfreund holt den Strauß ab und die Weinfreundin sucht gute Tropfen – alles ohne Schutzstreifen, die dann eh zugestellt werden!

  • Wie auch Autofahrende, dürfen auch Radfahrende sich nebeneinander fortbewegen und miteinander den Tag genießen. Da nun ausreichend Raum vorhanden ist, können sogar Autofahrende deutlich langsamere Fahrräder gefahrlos überholen und kommen voran! Niemand muss Sicherheitsabstände ignorieren oder entlang dunkler Wiesen durch den Matsch radeln – denn es ist genug Platz für uns alle da. Die Grünen im Hehlentor empfehlen folgende konkrete Maßnahmen:

  • Es werden die Ortsräte zu Verkehrsmaßnahmen aktiv einbezogen. Sie werden weder „nur angehört“ wie aktuell zur Harburger Straßenkreuzung, noch komplett übergangen, wie zur Wittinger Straße.

  • Die AG Fahr Rad wird eingestellt. Aktuell sind (oder werden) Schlüsselstellen neu besetzt. Ein Nachfolgeorgan wird geschaffen und nun auch befähigt – für echte Partizipation der Bevölkerung und Anhörung von Expert*innen. Das hochmotivierten „Fahrradbüro“ aus der Stadtverwaltung Münster hat uns bereits „Amtshilfe“ angeboten.

  • Insgesamt mehr Transparenz und Teilhabe. Wir werden Menschen nicht mitnehmen können, wenn wichtige Vorhaben immer nur auf Nachdruck eingesehen werden dürfen. Reines „zur Kenntnisnahme“ entkoppelt Menschen und schafft Opposition – von Fahrradaktionsplan bis zur Gestaltung des Straßenraums. Egal wo – ob im Hehlentor, an Schuhstraße, Großen Plan oder Breite Straße. Und es ist an der Politik und Stadtverwaltung dies einzufordern und vor allem auch selbst vorzuleben.


"Die Grünen, die sowohl Auto fahren, Kurzstrecken möglichst auf dem Rad zurücklegen und auch zu Fuß gehen, möchten alle Menschen einladen, mehr Verständnis für die Nachbarin oder den Kollegen aufzubringen. Wir alle wollen gemeinsam besser mobil werden. Und meine Nachbarin muss vielleicht Autofahren, auch wenn sie gar nicht möchte. Oder mein Kollege wartet nur darauf, dass ich ihm vorlebe, wie es auch anders gehen könnte. Ganz nebenbei steigt unsere Lebensqualität, und sogar das Klima wird etwas weniger überlastet. Die Grünen wünschen einen konstruktiven Start in die Europäische Mobilitätswoche", so Lechner.

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