Verwaltung bügelt Kritik an "Fahrrad-Schutzstreifen" ab


CELLE. Nicht nur die Verkehrsplanung der Stadt ist "kreativ", auch die Argumente sind es. "Fahrradschutzstreifen sofort stoppen - Stadt gefährdet Geschäfte hieß es gestern auf CELLEHEUTE. Erwartungsgemäß reagiert die Verwaltung auf Kritik mit Abwehr und Spekulationen und bleibt bei ihrer gänzlich anderen Sicht in Sachen Verkehrsplanung. Obwohl beispielsweise aus polizeilicher Sicht der betroffene Bereich in der Wittinger Straße kein Unfallschwerpunkt sei, heißt der Erklärungsversuch der Stadt tatsächlich: "Diese Unfälle werden häufig nicht polizeilich erfasst."

CELLEHEUTE fragte nach:

  1. Warum möchte die Stadt überhaupt die Schutzstreifen? Was macht sie ausgerechnet an dieser Stelle nötig? (Unfallschwerpunkt laut Polizei nicht bekannt.)

  2. Ist an den Handel überhaupt gedacht worden, wenn ja, wie?

  3. Wie wird mit der AfD-Anfrage umgegangen?


Die Antwort der Stadt, unzensiert und unkommentiert: "Bekanntlich ist die Förderung des Radverkehrs seit fünf Jahren erklärtes Ziel der Politik in Bund, Land und Kommunen. Aktuell ist angesichts der Energiekrise ein Mobilitätswandel nötiger denn je. Auf Grundlage des vor zwei Jahren erstellten städtischen Fahrradaktionsplans, der im Vorfeld auch mit den jeweiligen Ortsräten abgestimmt wurde, befindet sich derzeit die dort definierte Haupt-/Basisroute im Bereich Wittinger Straße zwischen Mertensstraße und Robert-Koch-Straße in der Umsetzung. In diesem Zusammenhang wird hier zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer auf der Fahrbahnsüdseite ein Fahrradschutzstreifen markiert. Das Abstellen von Fahrzeugen auf der Fahrbahn – es handelte sich nicht um regulär markierte Parkbuchten - ist dann in diesem Bereich nicht mehr möglich.

Wenn Radfahrende im Mischverkehr ungeschützt auf der Fahrbahn unterwegs sind, besteht ein höheres Gefährdungspotential als auf Schutzstreifen. Hier werden sie besser wahrgenommen, das erhöht die Verkehrssicherheit insbesondere auch für fahrradfahrende Schülerinnen und Schüler auf diesem Streckenabschnitt. Zudem werden durch das Reduzieren der Längsparkstände sogenannte Dooring-Unfälle mit aufgehenden Autotüren vermieden. Diese Unfälle werden häufig nicht polizeilich erfasst.


Nach Beobachtungen zu verschiedenen Zeiten wurde festgestellt, dass hier zum Beispiel auf der Nordseite der Wittinger Straße noch freie Kapazitäten vorhanden sind. Gerade auch in den Abendstunden, wenn sich die meisten Anwohnerinnen und Anwohner zuhause befinden. Gleichwohl ist bekannt, dass ein Bedarf auch für öffentliche Stellplätze besteht. Die Parksituation wird deshalb nach Abschluss der Arbeiten beobachtet. Bei Bedarf kann gegebenenfalls die Einrichtung von Anwohnerparkzonen erfolgen.


Für Gewerbebetreibende sind nach den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend Parkflächen eingeplant. Da ist sicher so mancher Innenstadthändler schlechter dran, denn dort bestehen solche Möglichkeiten in der Regel nicht in unmittelbarer Ladennähe. Eine schriftliche Anfrage der AfD ist bei der Stadtverwaltung bislang nicht eingegangen."


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