Niedersächsische Landjugend (NLJ) gegen ein allgemeines Social-Media-Verbot
- Extern
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

CELLE/HANNOVER. Die Niedersächsische Landjugend spricht sich gegen die Einführung eines pauschalen Social-Media-Verbots für Jugendliche aus. Statt pauschaler Verbote braucht es wirksame Maßnahmen für einen besseren Schutz junger Menschen im digitalen Raum sowie eine konsequente Umsetzung bestehender Regelungen.
Dabei sehen wir insbesondere die Stärkung der Medienbildung als zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Jugendliche müssen befähigt werden, digitale Räume selbstbestimmt, kritisch und sicher zu nutzen. Gleichzeitig darf sich die Förderung von Medienkompetenz nicht ausschließlich an junge Menschen richten. Viele Erwachsene bewegen sich unsicher im digitalen Raum, unterschätzen Risiken oder verbreiten unwissentlich Desinformation (z. B KI generierte Inhalte).
Eltern, Schulen, Politik, Plattformbetreiber und Gesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung für einen sicheren und reflektierten Umgang mit digitalen Medien. „Medienkompetenz muss deshalb verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden“, so Marten Knust, stellvertretender Landesvorsitzender der NLJ. Gerade bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren halten wir zudem eine enge Begleitung durch Eltern und Bildungseinrichtungen für notwendig: Altersgerechte Nutzung, klare Schutzmechanismen und ein bewusster Umgang mit Bildschirmzeit müssen stärker gefördert werden, anstatt digitale Räume pauschal zu verbieten.
Besonders besorgniserregend ist die zunehmende sexualisierte digitale Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Dazu zählen unter anderem Deepfake-Pornos, KI-generierte sexualisierte Inhalte sowie digitale Formen von Belästigung und Gewalt. Kinder und Jugendliche können dabei nicht nur selbst Betroffene werden, sondern kommen häufig auch ungefiltert mit solchen Inhalten in Kontakt. Gerade Mädchen und junge Frauen sind hiervon in besonderem Maße betroffen. Hier braucht es klare gesetzliche Konsequenzen, einen besseren Gewaltschutz im digitalen Raum sowie eine stärkere Verantwortung der Plattformen beim Entfernen entsprechender Inhalte. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte, der eigenen Privatsphäre und das individuelle Sicherheitsgefühl junger Menschen muss deutlich gestärkt werden.
Gleichzeitig dürfen die positiven Seiten sozialer Medien nicht ausgeblendet werden. Viele Jugendliche nutzen soziale Medien zum Informationsaustausch, zur politischen Bildung sowie zur Weiter- und Fortbildung. Gerrit Ruschmeyer, Landesvorsitzender der NLJ stellt klar: „Gerade im ländlichen Raum ermöglichen digitale Angebote gesellschaftliche Teilhabe, einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen und sozialer Vernetzung. Insbesondere junge Menschen aus queeren Communities und/oder Minderheiten finden über digitale Räume Austausch, Unterstützung und soziale Einbindung“.
Auch für ehrenamtliches Engagement, Jugendverbandsarbeit und Bildungsangebote spielen digitale Plattformen mittlerweile eine wichtige Rolle. Ein allgemeines Verbot würde diese Möglichkeiten erheblich einschränken und an der Lebensrealität junger Menschen vorbeigehen.
Gleichzeitig sehen wir die Risiken intensiver Social-Media-Nutzung: Übermäßiger Konsum kann sich negativ auf Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeitsspanne und psychisches Wohlbefinden auswirken. Deshalb braucht es einen bewussten Umgang mit der täglichen Nutzungsdauer von digitalen Reizen sowie eine gezieltere Unterstützung in Form von Beratungsstellen für Jugendliche und Familien.
Mit dem europäischen Digital Services Act (DSA), dem Jugendschutzgesetz (JuSchG) sowie dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) bestehen bereits umfangreiche rechtliche Grundlagen zum Schutz Minderjähriger im Netz. Entscheidend ist aus unserer Sicht daher nicht die Einführung weiterer Verbote, sondern die konsequente Durchsetzung bestehender Vorgaben gegenüber den Plattformbetreibern. Sollten Anbieter ihrer Verantwortung nicht nachkommen, müssen die vorgesehenen rechtlichen Maßnahmen auf europäischer Ebene konsequent angewendet werden.
Dazu gehören insbesondere funktionierende Altersverifikationen, wirksame Schutzmechanismen für Minderjährige sowie verständliche und leicht zugängliche Kontrollmöglichkeiten für Eltern.
Gleichzeitig müssen Jugendliche besser davor geschützt werden, ungefragt Gruppen hinzugefügt, durch Algorithmen beeinflusst oder mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert zu werden.
Die Niedersächsische Landjugend begrüßt die Diskussion über besseren Jugendmedienschutz sowie die Einrichtung entsprechender Kommissionen und Beteiligungsformate. Gerade weil von möglichen Verboten oder Einschränkungen vor allem junge Menschen betroffen sind, ist es wichtig,
Jugendverbände und Jugendliche frühzeitig in die Diskussionen und Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Nur so können Lösungen entstehen, die sowohl den Schutz junger Menschen gewährleisten, als auch ihre Teilhabe und Interessen angemessen berücksichtigen.
Verbote allein lösen die bestehenden Probleme nicht. Notwendig sind Bildung, Schutzmechanismen, klare Regeln für Plattformen und die konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze.
Text: NLJ














