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Nach 19 Jahren in Vorwerk: Abschied von Pastorin Antje Seelemeyer

  • Extern
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Antje Seelemeyer vor Kirche
 Antje Seelemeyer

CELLE. Nach 34 Jahren als Pastorin, davon ganze 19 in der Ev.-luth. Matthäus-Kirchengemeinde in Vorwerk – wie fühlt es sich da an, wenn der Ruhestand immer näher rückt?


„Zu gehen macht mich wehmütig und traurig, gerade, wenn ich an die vielen tollen Menschen denke, die ich kennenlernen durfte.“

Da muss Antje Seelemeyer, die am Sonntag um 14 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst in der Vorwerker Kirche verabschiedet wird, kurz nachdenken. „Zu gehen macht mich wehmütig und traurig, gerade, wenn ich an die vielen tollen Menschen denke, die ich kennenlernen durfte. Und gleichzeitig freue ich mich auch, von der Pflicht als Pastorin ganz offiziell entbunden zu werden. Alles, was jetzt noch kommt, ist nur die Kür.“


Erste weibliche Pastorin seit Luther


1992 begann diese Verpflichtung mit einer Pastorinnenstelle im 1400-Einwohner-Dorf Barver im Kreis Diepholz. „Als alleinstehende Frau auf dem Dorf, dazu noch als erste weibliche Pastorin seit Martin Luther, wurde ich auch kritisch beobachtet“, erinnert sich Seelemeyer. „Wenn da ein Auto mit fremden Kennzeichen vor dem Pfarrhaus parkte, wurde ich beim nächsten Geburtstagsbesuch gleich darauf angesprochen.“


„Als alleinstehende Frau auf dem Dorf, dazu noch als erste weibliche Pastorin seit Martin Luther, wurde ich auch kritisch beobachtet.“

Eine intensive Lehrzeit, an der am Ende eine traurige Gemeinde in Barver die längst hoch angesehene Pastorin verabschiedete, weil die sich 2007 dazu entschied, mit ihrem Mann Andreas und den Zwillingskindern nach Celle zu ziehen, um dort das frisch geschaffene verbundene Pfarramt von Garßen und Vorwerk zu übernehmen. Auch Andreas Seelemeyer hatte als Pastor in Barver seine Spuren hinterlassen und wagte nun in Garßen einen Neuanfang.


Leuchtturmprojekt: Gründung des Familienzentrums


Antje Seelemeyer entschied sich auch deshalb für Vorwerk, weil hier schon damals „die Arbeit im Gemeinwesen im Vordergrund stand“, wie es die Pastorin erzählt. Eines der vielen Leuchtturmprojekte aus den Jahren 2007 bis 2026: Die 2008 umgesetzte Gründung des Familienzentrums im ehemaligen Pfarrhaus und damit ein wichtiger Meilenstein im Sozialleben des Stadtteils. Der inzwischen neben der katholischen St. Johannes der Täufer-Kirche angesiedelte Second-Hand-Laden für Baby- und Kinderkleidung, unzählige Projekte und Gesprächskreise und kurz nach der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 ein großes Angebot an Sprachkursen – das Familienzentrum machte seinem Namen alle Ehre.


Wie die Zeit fliegt: Die letzten Monate ihrer Dienstzeit musste sich Antje Seelemeyer mit dem Verkauf des nun ehemaligen Familienzentrums beschäftigen. Die Angebote wurden nun ins Gemeindezentrum integriert. Eine kräftezehrende Neustrukturierung – aber auch ein passender Schlussstrich für 19 Jahre als Gemeindepastorin.


Gottesdienst am Güterbahnhof


Nicht nur im Kirchenkreis Celle wird Seelemeyer vor allem für ihr Engagement bei der Andachtsreihe „Wunde Punkte“ während der Passionszeit in Erinnerung bleiben. 17-mal war sie für die Organisation der jeweiligen Andachtsorte mitverantwortlich und sprach dann selbst an Orten, die sonst eher nicht mit einem Gottesdienst in Verbindung gebracht werden. So wie damals am Güterbahnhof, in Sichtweite eines stadtbekannten Amüsierbetriebs, um den Lebensumständen von Sexarbeiterinnen eine Plattform zu bieten.


Acht Jahre lang hat sie Konfirmationsunterricht an der Paul-Klee-Schule gegeben, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Intensiv hat sie mit der evangelischen KiTa der Gemeinde zusammengearbeitet, biblische Geschichten erzählt, Gottesdienste und Jahresfeste gefeiert. Im Team der Notfallseelsorge hat sie Situationen erlebt, die auch ihr, dem Profi, sehr zu Herzen gingen. Tischtennis half der Pastorin, den Kopf mal wieder frei zu kriegen. Beim TTC Fanfarenzug Garßen spielte sie jahrelang in der Herrenmannschaft – „für unsere Damenmannschaft spielte ich nicht gut genug“.


Viele Erinnerungen, viele Fußabdrücke, viel Einsatz mit und an Menschen. Auch ihr selbst ging das Abschiednehmen zu Herzen, als sie den beruflich Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen bei einer Feier einen persönlichen Dank aussprach.


Halbes Jahr Auszeit, dann Ehrenamt


Niemals geht man so ganz. Gerade als Pastorin, diesen Titel behält man nicht nur auf dem Papier ein Leben lang. Ein halbes Jahr will sich Antje Seelemeyer komplett ausklinken und sich auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren. Zum Beispiel die im kommenden Jahr anstehende Hochzeit ihrer Tochter. „Das Brautkleid kaufen wir in diesem Sommer.“


„Ich werde mich irgendwo ehrenamtlich engagieren, gerne im diakonischen Bereich.“

Doch spätestens nach der Auszeit wird sich Antje Seelemeyer sehr wahrscheinlich um ihre Kür kümmern. „Ich werde mich irgendwo ehrenamtlich engagieren, gerne im diakonischen Bereich.“

„Kirchengemeinden“, sagt Antje Seelemeyer, „sind immer noch großartige Orte, die jeden willkommen heißen, ohne ihn abzuwerten.“


Text: Alex Raack, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Ev.-luth. Kirchenkreis Celle

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