Landschaftspflege auf vier Beinen: Heidschnucken pflegen die Winser Heide
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WINSEN. In diesen Tagen endet der Einsatz der Heidschnucken in der Winser Heide. Etwa zwei Wochen lang hat eine Herde aus Amelinghausen die Heidefläche im Nordosten von Winsen (Aller) beweidet. Seit nun schon sechs Jahren sorgt sie im Auftrag der Gemeindeverwaltung dafür, dass die beliebte Heidelandschaft erhalten bleibt. Die Tiere halten die Flächen offen, drängen junge Kiefern und andere Gehölze zurück und schaffen damit die Voraussetzungen für eine langfristige Entwicklung und Blüte der Heide.
Herde mit rund 150 Tieren
Die eingesetzte Herde umfasst rund 110 erwachsene Heidschnucken, 34 Lämmer sowie etwa 15 Ziegen. Geführt wird sie von einem Schäfereibetrieb, der sich auf die Pflege von Heideflächen spezialisiert hat. Im Laufe ihres Einsatzes haben die Tiere die gesamte Fläche beweidet. Nahezu täglich erhielt die Herde einen neuen Abschnitt, der mithilfe mobiler Elektrozäune abgesteckt wurde.
„Wir versuchen, die Beweidung an die jeweiligen Pflegeziele anzupassen.“
So konnten die Tiere gezielt dort eingesetzt werden, wo ihre Arbeit besonders benötigt wurde. „Wir versuchen, die Beweidung an die jeweiligen Pflegeziele anzupassen“, erklärt Schäfer Michael Kaufmann. Bereiche mit stärkerem Gehölzaufwuchs würden intensiver beweidet, während andere Flächen im Frühjahr bewusst etwas geschont würden, damit die Heide ausreichend Kraft für die spätere Blüte entwickeln könne. Da die Beweidung allein nicht ausreicht, wird sie regelmäßig durch weitere Pflegemaßnahmen ergänzt. Im vergangenen Jahr wurde die Fläche „entkusselt“: Gehölze, die von den Heidschnucken nicht zurückgedrängt werden konnten, wurden per Hand oder mit maschineller Unterstützung entfernt. „Erst das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen ermöglicht eine nachhaltige Heidepflege“, so Kaufmann.

Hoher Aufwand im Hintergrund
Für Besucherinnen und Besucher wirken die Tiere oft wie ein natürlicher Bestandteil der Landschaft. Tatsächlich steckt hinter ihrem Einsatz ein erheblicher organisatorischer Aufwand. Die Zäune müssen regelmäßig versetzt werden, damit die Herde neue Flächen erreicht. Der Ab- und Aufbau kann bis zu drei Stunden dauern. Gleichzeitig muss der Schäfer darauf achten, dass die Tiere jederzeit ausreichend Futter und Wasser vorfinden.
Mobile Elektrozäune schützen vor dem Wolf
Eine zusätzliche Herausforderung stellt der Wolf dar. In der Region und auf dem nahegelegenen Truppenübungsplatz leben mehrere Rudel. Die mobilen Elektrozäune schützen die Herde: Berührt ein Wolf den Zaun mit der Schnauze, erhält er einen starken Stromimpuls, der eine deutliche Abschreckung bewirkt. Da die Zäune lückenlos mit dem Boden abschließen, verhindern sie zudem in der Regel ein Untergraben. Nach Einschätzung des Schäfers sind solche Schutzmaßnahmen unverzichtbar, um die Tiere sicher auf den Flächen halten zu können. Auf Herdenschutzhunde verzichtet Kaufmann in Winsen (Aller) bewusst. „Die Heide wird von vielen Spaziergängern besucht. Die typischen Alarmreaktionen der Hunde könnten schnell zu Konflikten führen.“ Stattdessen unterstützt ein Hütehund beim Treiben und Zusammenhalten der Herde.
Landschaftspflege als Hauptaufgabe
Zwar wird ein Teil der Lämmer später verkauft, doch die Fleischproduktion steht nicht im Mittelpunkt des Betriebs. Die Schäferei konzentriert sich auf die Landschaftspflege. Ohne regelmäßige Beweidung und ergänzende Maßnahmen würde die Heide nach und nach verbuschen und ihren typischen Charakter verlieren. Die Beweidung der Winser Heide weist zudem eine Besonderheit auf: Der Schäfereibetrieb arbeitet hier unmittelbar für die Kommune. Anders als auf vielen anderen Heideflächen, die über Pachtverhältnisse und Förderprogramme bewirtschaftet werden, erfolgt die Pflege in Winsen direkt im Auftrag der Gemeindeverwaltung. Dieses Modell zeigt das kommunale Engagement für den Erhalt der Heide und verdeutlicht, wie traditionelle Weidewirtschaft und moderner Naturschutz zusammenwirken.
Text: Gemeinde Winsen














