Es war einmal … Wenn Rapunzel die Zöpfe einzieht: Inklusives Theaterprojekt begeistert im Landkreis Celle
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CELLE. Dass Inklusion kein theoretisches Konzept sein muss, sondern voller Humor, Kreativität und Eigensinn stecken kann, bewies das Theaterstück „Märchen, Märchen“ bei seiner jüngsten Aufführung.
Am vergangenen Dienstag, den 23. Juni, verwandelte sich die Altenceller Flora der Lebenshilfe Celle in eine lebendige Bühne. Das Besondere: Hier standen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam im Scheinwerferlicht und zeigten eindrucksvoll, was passiert, wenn man starre Muster aufbricht.
Das rund einstündige Stück ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Kooperation unter dem Titel: „Vielfalt spielt eine Rolle“, die das kulturelle und soziale Leben in der Region Celle eng vernetzt. Das Albert-Schweitzer-Familienwerk, das Celler Schlosstheater, die Lebenshilfe Celle sowie theaterbegeisterte Privatpersonen haben sich für dieses inklusive Projekt zusammengeschlossen.
Wenn Märchenfiguren ihren eigenen Kopf haben
Die Handlung von „Märchen, Märchen“ nimmt das Publikum mit hinter die Kulissen: Gezeigt wird eine Theatergruppe mitten in den Proben zu verschiedenen bekannten Märchen. Doch die klassischen Erzählungen der Gebrüder Grimm wollen nicht so recht nach Plan verlaufen – denn die Protagonisten entwickeln im Laufe des Stücks einen ganz eigenen Willen.
So entscheidet sich Rapunzel kurzerhand spontan um: Warum eigentlich den verliebten Prinzen sofort und ohne Weiteres in den Turm hinauflassen? Die Schauspielerinnen und Schauspieler wirbelten die bekannten Geschichten gehörig durcheinander und bewiesen dabei eine enorme Spielfreude. Nahezu jedes vertraute Märchen nahm eine überraschende Wendung, die das Publikum immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Eine persönliche Wendung hinter den Kulissen
Neben den märchenhaften Rebellionen überzeugte das Stück auch durch eine feinsinnige Zwischenmenschlichkeit auf der Meta-Ebene: Die Regisseurin des fiktiven Ensembles würdigt die Arbeit ihrer Assistentin zunächst kaum und nennt sie im Laufe der Proben beharrlich bei falschen Namen. Erst im großen Finale erkennt sie, wie fleißig, umsichtig und unverzichtbar die Arbeit ihrer Mitarbeiterin eigentlich ist. Es folgt eine ehrliche Entschuldigung und die Anerkennung auf Augenhöhe – symbolisiert dadurch, dass die Assistentin endlich bei ihrem richtigen Namen genannt wird: Gaby.
Gelebte Inklusion auf und hinter der Bühne
„Märchen, Märchen“ ist weit mehr als nur Unterhaltung. Das Projekt führt vor Augen, wie gut Inklusion funktioniert, wenn Menschen sich unvoreingenommen aufeinander einlassen, Vorurteile abbauen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Die Kooperation der verschiedenen Institutionen zeigt, wie durch die Verbindung von sozialem Engagement und künstlerischer Professionalität Barrieren im Kopf spielerisch abgebaut werden können.
Das Stück wurde im Rahmen einer kleinen Tournee an verschiedenen Orten im Landkreis Celle aufgeführt. Die Aufführungen dauerten jeweils etwa eine Stunde und richteten sich an alle, die Theater mit Herz, Witz und einer klaren Botschaft erleben wollten.
Fortsetzung noch offen
Ob und wie das Projekt fortgeführt werden kann, hängt zum jetzigen Zeitpunkt von beantragten Fördermitteln ab, deren Zusage bisher noch aussteht. Interessierte Fördergeber, die das inklusive Theaterprojekt einmalig oder dauerhaft weiter bezuschussen möchten, sind dem Ensemble herzlich willkommen.
Text: Lebenshilfe Celle














