Erinnern an die Reichspogromnacht: Putz- und Gedenkveranstaltung
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- 14. Nov. 2025
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CELLE. Am 09. November, dem Tag, an dem historisch so viel passiert ist (Ausrufung der Republik 1918, der nicht geglückte Hitlerputsch, die Reichspogromnacht und Bücherverbrennung in Nazideutschland sowie der DDR–Anschluss) hat die Kreisvereinigung VVN BdA Celle in diesem Jahr als Aktion gegen das Vergessen drei Stolpersteine in Celle geputzt, Blumen niedergelegt und der dort Geehrten gedacht.

Vor dem Hauseingang der Birkenstraße 19 wurde an Paul Hartmann, geboren 1907, erinnert. Er war Leiter der politischen Abteilung des KPD-Unterbezirks Celle und u. a. Herausgeber der Zeitung "Das Rote Sprachrohr". Im Februar 1933 wurde er wegen Hochverrats verhaftet, saß von März bis Juni im Celler Gerichtsgefängnis und anschließend bis zum 6. September 1933 in Hannover ein. Am 9. November 1939 wurde Paul Hartmann im Zusammenhang mit dem Attentat von Georg Elser auf Hitler erneut verhaftet, in das Gefängnis Hamburg–Fuhlsbüttel überstellt und 1942 von dort in das Bewährungsbataillon 999 einberufen. Paul Hartmann ist am 22. Oktober 1944 in Griechenland umgekommen. Im Anschluss an das Erinnern und Reinigen des Steines wurde das Lied der Spanienkämpfer, "Spaniens Himmel…“ gesungen.

Danach wurde in Wietzenbruch, in Höhe des Hauses Schäferweg 94, an Heinz Taxweiler erinnert. Dieser Stolperstein war von der VVN-BdA KV Celle selbst gespendet worden. Heinz Taxweiler war der Sohn eines Schuhmachers und ist über viele Umwege im Emslandlager und anderen Gefangenenlager sowie auch im 555er Bewährungsbataillon gelandet. Er konnte fliehen, schloss sich einer Propagandaabteilung der Roten Armee an und kam ins Baltikum. Die deutsche Naziwehrmacht lag dort gegenüber. "Kameraden, schießt nicht auf Deutsche!" hat er gerufen. Sie haben doch geschossen und am nächsten Tag ist er gestorben. An dem geputzten Stolperstein wurde "Das Lied der Soja" gesungen, ein Partisanenlied.
Sodann wurde der Gedenkstein von Otto Elsner, geb. 1888, in der Hattendorfstr. 22 besucht. Während der Weimarer Republik saß Otto Elsner als Stadtverordneter für die KPD im Rat der Stadt Celle. Er wurde von den Nazis mehrfach inhaftiert. Nach einem Hochverratsprozess saß er im Zuchthaus in Celle ein. Statt nach Verbüßen der Strafe entlassen zu werden, wurde er erst im Emslandlager Esterwegen und danach im KZ Sachsenhausen eingekerkert. Otto Elsner hat den Krieg überlebt und wurde als Senator für Flüchtlingswesen berufen, aber nach kurzer Zeit - mit dem Einsetzen des kalten Krieges - wieder entlassen. Er starb eines natürlichen Todes am 1. Dezember 1975 - in wenigen Wochen begehen wir den 50. Todestag von Otto Elsner. An dem ihm gewidmeten Stolperstein hat die Gruppe das Einheitsfrontlied von Bertolt Brecht und Hanns Eisler: "Und weil der Mensch ein Mensch ist ... ", gesungen.
Text: VVN BdA














