CelleDigital: Stadt und Landkreis setzen verstärkt auf KI – „Otto“ und „Leo“ helfen
- Stefan Kübler
- vor 1 Stunde
- 3 Min. Lesezeit

CELLE. Der Landkreis Celle sieht sich bei der Digitalisierung auf einem guten, aber ausbaufähigen Weg. Laut Selbsteinschätzung seien in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden. Dazu gehörten beispielsweise die elektronische Akte, der Chatbot „Leo“ sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA). „Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass wir unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben“, so die Kreisverwaltung auf CelleHeute-Anfrage. Derzeit liefen verschiedene Testphasen für weitere digitale Verbesserungen.
Chatbot „Leo“ hat mehr als 11.000 Gespräche geführt
Jüngstes Aushängeschild der Digitalisierung beim Landkreis Celle ist Chatbot „Leo“. Der neue digitale Mitarbeiter ist seit November 2025 auf der Landkreis-Homepage im Einsatz und hat laut Verwaltung seitdem mehr als 11.000 Gespräche geführt. „Leo“ soll rund um die Uhr bei Fragen und Anliegen unterstützen. Die negative Rückmeldequote liege bei 0,5 Prozent. Eine Erweiterung zum Voicebot sei in Planung. Im Bereich der digitalen Bürgerservices stünden derzeit rund 125 Online-Dienstleistungen zur Verfügung, wobei beispielsweise die Kfz-Zulassung oder die Online-Infektionsschutzbelehrung über einen hohen Automatisierungsgrad verfügten. In der Testphase befindet sich demnach eine KI-Plattform mit verschiedenen Sprachmodellen sowie eine spezielle Rechts-KI.
Landkreis will effizienter und bürgerfreundlicher werden
Auch intern kommen beim Landkreis Celle digitale Technologien zum Einsatz, um den Beschäftigten den Arbeitsalltag zu erleichtern. Dazu gehören die elektronische Akte, ein digitaler Genehmigungsworkflow und die Robotic Process Automation (RPA), um sich wiederholende Arbeitsschritte zu automatisieren. Bei kreativen Aufgaben wie Bilderstellung, Recherche sowie Unterstützung bei der Texterstellung kommt ebenfalls KI zum Einsatz. Der Landkreis möchte durch die Digitalisierung die Beschäftigten von sich wiederholenden Tätigkeiten entlasten, die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger steigern sowie Verwaltungsprozesse effizienter und schneller gestalten.
„Es ist nicht zielführend, wenn alle Kommunen hier eigene Lösungen entwickeln müssen.“
„Wir sehen die bisherigen Maßnahmen als wichtige Grundlage, auf der wir konsequent weiter aufbauen möchten“, so der Landkreis. Die größten Hemmnisse zur Umsetzung weiterer Projekte seien rechtliche Anforderungen sowie der Bedarf an Investitionen und Fachpersonal. Hilfreich seien außerdem einheitliche Schnittstellen auf Landes- und Bundesebene. „Es ist nicht zielführend, wenn alle Kommunen hier eigene Lösungen entwickeln müssen.“
Chatbot „Otto“ unterstützt Stadtverwaltung
Die Stadtverwaltung in Celle hat ebenfalls digitalen Zuwachs bekommen. Mitte Februar ist Chatbot „Otto“ gelauncht worden, der mit einem Lächeln im Gesicht bei Fragen zur Verfügung steht, Infos gibt und den Zugang zu städtischen Angeboten erleichtern soll. Nutzende können ihn beispielsweise zu Dienstleistungen, Unterlagen oder touristischen Angeboten befragen. Neben diesem Chatbot hat die Stadtverwaltung zuletzt immer mehr Verwaltungsdienstleistungen digitalisiert. Bürgerinnen und Bürger würden von Services wie „ElterngeldDigital“ oder der elektronischen Wohnsitzanmeldung profitieren, heißt es aus dem Neuen Rathaus auf CelleHeute-Anfrage.
„Die Stadtverwaltung hat das Maximum, was rechtlich möglich ist, umgesetzt.“
Um interne Arbeitsabläufe zu verbessern, ist beispielsweise ein stadtweites Dokumentenmanagementsystem eingeführt worden, bei dem die klassische Papierakte durch eine digitale Akte ersetzt wird. Statt analoger Umlaufmappen wird der Workflow digitalisiert. In einem nächsten Schritt soll die Papiereingangspost digital umgewandelt werden. „Die Digitalisierung der Verwaltung entwickelt sich laufend weiter“, so die Stadt. „Die Stadtverwaltung hat das Maximum, was rechtlich möglich ist, umgesetzt.“
Stadt will Attraktivität als Arbeitgeber steigern
Die Vorteile der Digitalisierung für die Stadtverwaltung liegen auf der Hand. Erhöhter Bürgerservice, Einsparung von Kosten, beispielweise für weniger Papier, sowie die Entlastung von Mitarbeitenden gehören nach eigenen Angaben zu den Zielen der digitalen Verwaltung. Weil Chatbot „Otto“ beispielsweise die Beantwortung von Standardfragen übernimmt, hätten die Mitarbeitenden mehr Zeit für komplexe Anliegen. Durch dieses moderne Arbeitsumfeld möchte das Neue Rathaus außerdem seine Attraktivität als Arbeitgeber steigern und vor allem junge Fachkräfte ansprechen, die digitale Arbeitsweisen erwarteten.
Kritik: Schnelle Lösungen nur eingeschränkt möglich
Die größten Hemmnisse für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten seien laut Stadt die komplexe Rechtslage, hohe Anforderungen an den Datenschutz sowie unterschiedliche Normen. Bestehende Rechtsnormen seien oft noch auf Papierprozesse ausgerichtet, was hybride Lösungen und Mehraufwand erzeuge. Weil Kommunen häufig landesweite Standards einhalten müssten, seien eigene, schnelle Lösungen nur eingeschränkt möglich. Was möglich sei, werde umgesetzt. „Dabei versuchen wir immer Lösungen mit einem Mehrwert zu finden und haben stets den Blick auf aktuelle Entwicklungen“, heißt es aus der Stadtverwaltung.
Wie digital ist Celle?
Dieser Beitrag soll der Start einer Reihe über den Fortschritt der Digitalisierung in Stadt und Landkreis sein. Werden in Ihrem Unternehmen, Ihrer Behörde, Arztpraxis, Bildungseinrichtung oder Institution digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Virtual Reality oder Robotik eingesetzt? Schreiben Sie uns gerne an redaktion@celleheute.de. Wir freuen uns auf Ihren Input!














