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Apothekerin beim Männerfrühstück: Keine Freude über Werbung von Günther Jauch


Vielfältiges Angebot weit über Pillen hinaus: Mit einem Protesttag am kommenden Montag fordern die Apotheken eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. (Fotos: Frieling)
Vielfältiges Angebot weit über Pillen hinaus: Mit einem Protesttag am kommenden Montag fordern die Apotheken eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. (Fotos: Frieling)

CELLE. Bleibt unsere Apotheke vor Ort? Beim Männerfrühstück der evangelischen Kirchengemeinde Garßen informierte die Celler Apothekerin Bianca Uekermann auf Einladung von Pastor Andreas Seelemeyer rund 20 interessierte Teilnehmer über die angespannte wirtschaftliche Situation der niedergelassenen Apotheken in Zeiten von Internet-Konkurrenz und Kostenexplosion. Nein, die Fernsehwerbung von TV-Star Günther Jauch („Wer wird Millionär?“) für eine Online-Apotheke fand hier nicht viel Zustimmung.


Apotheken-Versorgung: Deutschland nur im unteren Drittel der EU


Bianca Uekermann, Inhaberin der Mohren-Apotheke am Celler Heeseplatz, ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Niedersächsischen Apothekerkammer und Bezirksapothekerin für den Landkreis Celle und den Heidekreis, fordert dringlich eine Anpassung der Apothekenvergütung an die allgemein gestiegenen Kosten, um den Niedergang des Einzelhandels mit pharmazeutischen Produkten zu stoppen. „Allein im letzten Jahr haben in Celle zwei Apotheken geschlossen.“ Mit 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner liege Deutschland im EU-Vergleich im unteren Drittel – im europäischen Durchschnitt gibt es 31 Einrichtungen. „In 70 Prozent der EU-Staaten stehen den Menschen mehr Apotheken zur Verfügung als in Deutschland.“


„Nacht- und Notdienst macht keine Online-Apotheke.“

Die Konkurrenz der Internet-Apotheken leiste bei Weitem nicht das, was die Pharmazie vor Ort bereit stelle, betonte Uekermann: „Apotheker gewährleisten die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Nacht- und Notdienst macht keine Online-Apotheke.“ Auch individuelle Beratung im persönlichen Kontakt zeichne die Apotheke vor Ort aus. Sei ein Arzneimittel gerade nicht vorrätig, könne es innerhalb eines halben Tages bestellt und oft sogar per Botendienst nach Hause geliefert werden.


Apothekerin Bianca Uekermann informierte beim Männerfrühstück der Kirchengemeinde Garßen über die Situation niedergelassener Apotheken in Zeiten von Internet-Konkurrenz und Kostenexplosion.
Apothekerin Bianca Uekermann informierte beim Männerfrühstück der Kirchengemeinde Garßen über die Situation niedergelassener Apotheken in Zeiten von Internet-Konkurrenz und Kostenexplosion.

Auch die Herstellung von eigenen Rezepturen sei ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit, schilderte die Celler Apothekerin ihrem Publikum im Garßener Gemeindehaus. „Neben Fertig-Arzneimitteln geben Apotheken pro Jahr rund 12 Millionen Rezepturen ab, die sie für jeden Patienten individuell herstellen. Zudem messen wir Blutdruck- und -zuckerwerte und weisen unsere Kunden auch in die richtige Anwendung von Inhalationsgeräten ein."


Eine Apotheke auf dem Land oder in einer Stadtrandlage erziele gut 80 Prozent ihrer Einnahmen mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Doch die Facharztversorgung finde mittlerweile meist in Innenstadtlagen statt. Die daraus letztlich folgende sinkende Zahl der Apotheken auf dem Land bringe gerade für ältere Menschen Probleme mit sich.


Apotheken-Honorare steigen kaum - aber die Einnahmen der Krankenkassen


Die Hauptursache der zahlreichen Schließungen sind wirtschaftliche Gründe, betonte Bianca Uekermann. Um diese ungute Entwicklung zu stoppen, fordern die Apotheken eine bessere Finanzierung: „Das Apothekenhonorar ist von der Bundesregierung letztmalig im Jahr 2013 erhöht worden – auf 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Arzneimittel plus ein Zuschlag von drei Prozent des Apotheken-Einkaufspreises.“


Sach- und Personalkosten seien seit 2013 erheblich gestiegen, und natürlich auch die Inflationsrate.

Die Apotheken-Honorare entwickelten sich hingegen deutlich unterdurchschnittlich. Die Einnahmen der zahlreichen gesetzlichen Krankenversicherungen mit ihrem jeweiligen Verwaltungsapparat - in Deutschland gibt es 95 mit weitgehend gleichem Leistungsniveau - seien indes im Gegenzug sprunghaft in die Höhe geschossen, machte Uekermann deutlich.


Bundesweiter Protesttag der Apotheken am kommenden Montag


Mit einem Protesttag am kommenden Montag (23. März) wollen die Apotheken bundesweit für eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sorgen. Es gibt Kundgebungen unter anderem in Hannover und Berlin. Mit einer Petition im Internet wird die Bundesregierung aufgefordert, eine verlässliche Apothekenfinanzierung festzuschreiben. Unterschriften werden gesammelt unter www.openpetition.de/!fgpmn

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