Zwischen Schmalzkuchen und Autoscooter: So entsteht der Lageplan fürs Celler Schützenfest
- Audrey-Lynn Struck

- 16. Juni
- 2 Min. Lesezeit

CELLE. "Nein, da ist ein Baum", sagt Benjamin Kleber zu mir, während ich den Schmalzkuchenstand aka den pinken Magneten auf dem Lageplan hin und her schiebe. "Und hier?", frage ich und ziehe ihn auf eine andere freie Stelle zwischen den Magneten. Der Schütze schüttelt grinsend den Kopf: "Da ist schon der Grünstreifen." Gar nicht so einfach, das Ganze. An diesem Nachmittag bekomme ich einen seltenen Einblick in einen Bereich, der bisher vor der Celler Medienlandschaft verborgen geblieben ist: die Küche vom Platzmeister Robert Brettschneider. Kleiner Scherz. Ich darf live dabei sein, wie der Lageplan des diesjährigen Celler Schützenfestes entsteht.
Rund 200 Bewerbungen fürs Celler Schützenfest
Im Vorfeld wurde ordentlich aussortiert. Um die 200 Bewerbungen sind für das Celler Schützenfest eingegangen, etwas weniger als die Hälfte hat eine Zusage bekommen. "Wir hatten vorher manchmal Schwierigkeiten, Schausteller zu finden. Robert als Platzmeister ist es zu verdanken, dass es mehr geworden sind", erklärt mir Benjamin Kleber.

Suche nach Schaustellern in der "Kirmes Revue"
Während ich durch die prall gefüllten Ordner mit den Zu- und Absagen blättere, breitet sich vor mir eine ganz neue Welt aus. Ich sehe Anzeigen in den Branchenmagazinen "Kirmes Revue" und "Der Komet", in denen proaktiv Schausteller für das Celler Schützenfest gesucht wurden. Einige Bewerbungen sind auf klassischem Papier gedruckt, andere hingegen auf Hochglanzfolie und zum Aufklappen. Einige Schausteller lassen sogar bereits den Briefumschlag mit dem Fahrgeschäft oder der Bude bedrucken.
Auf Professionalität wird geachtet
Robert Brettschneider und Benjamin Kleber haben schon fast alles an Bewerbungen gesehen. Doch nicht nur die Optik ist entscheidend, sondern auch der Inhalt. Wie hoch ist der Stromverbrauch? Wie sind die Grundmaße des Standes? Und wie groß ist der Fuhrpark? Je mehr Angaben, desto professioneller. Wer keine Reisegewerbekarte oder eine Versicherungsbescheinigung mitschickt, wird hingegen schnell aussortiert.

Lageplan ist maßstabsgetreu
Auf dem großen Esszimmertisch kommt dann alles zusammen. Auf einem maßstabsgetreuen Plan vom Schützenplatz werden die einzelnen Stände platziert. Als Erstes werden die großen Fahrgeschäfte hingelegt. Bei der Auswahl des Standorts spielt nicht nur die Optik eine Rolle, sondern auch ob die Versorgung den Stromverbrauch stemmen kann.
Magnete in unterschiedlichen Farben
Jede Kategorie hat eine eigene Farbe: Rot für die großen Fahrgeschäfte, Blau für Ausschank und Essen, Pink für Süßes oder Grün für Attraktionen für Kinder. Hoch konzentriert lege ich ein Lineal auf einen gelben Magneten und zähle 2,8 Zentimeter ab. Wenn ich jetzt nicht ganz genau bin, könnte es später auf dem Schützenplatz eng werden.
Plan wird mehrfach umgeworfen
Schon seit mehreren Jahren wird der Schützenplan im Vorfeld ganz analog erstellt. "Eine eigene Software würde uns einmalig 3000 Euro kosten und jährliche Wartungsgebühren von 1500 Euro. So viel Geld wirft das Fest nicht ab", erklärt Robert Brettschneider. Nach geschlagenen fünf Minuten habe ich dann auch mal einen Platz für meinen Schmalzkuchenstand gefunden. Da kann er bleiben – vorerst. Denn bis zum Schützenfest im Juli wird der Plan wohl noch das ein oder andere Mal umgeworfen.
Anmerkung der Redaktion: Die Fotos vom Lageplan des Schützenfestes geben den Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Reportage wieder. Der Plan wurde mittlerweile weiter angepasst.














