Women-on-Board-Index: Fortschritte im Top-Management

CELLE/Hannover. Der neue Women-on-Board-Index (WoB-Index) Niedersachsen dokumentiert Fortschritte bei der Beteiligung von Frauen in den Führungsetagen niedersächsischer Unternehmen. Die vierte Studie der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR), die im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung erstellt wurde, zeigt insbesondere einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils im Top-Management. Dieser stieg gegenüber 2024 von 19,6 auf 23,7 Prozent. In den Aufsichtsgremien fiel die Entwicklung dagegen deutlich verhaltener aus: Hier erhöhte sich der Frauenanteil lediglich von 30,6 auf 31,8 Prozent. Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmensgruppen weiterhin groß sind und insbesondere die Privatwirtschaft bei der Besetzung von Führungspositionen mit Frauen zurückbleibt.
Untersucht wurden insgesamt 102 Unternehmen, darunter 44 Landesbeteiligungen, 25 kommunale Unternehmen sowie 33 privatwirtschaftliche Unternehmen in Niedersachsen. Die ausführlichen Studienergebnisse wurden heute zusammen mit der FidAR im Gästehaus der Landesregierung Hannover präsentiert.
Olaf Lies, Niedersächsischer Ministerpräsident, macht deutlich: „Niedersachsens Wirtschaft braucht mehr Frauen in Führungspositionen. Denn wer im internationalen Wettbewerb bestehen und die großen Herausforderungen der Transformation meistern will, muss auf die besten Köpfe und auf vielfältige Perspektiven setzen. Die heute ausgezeichneten Unternehmen zeigen, dass moderne Führung und die gezielte Förderung von Frauen längst Teil einer erfolgreichen Unternehmensstrategie sind. Wer auf Frauen an der Spitze verzichtet, verschenkt wertvolles Potenzial und vor allem auch Innovationskraft und wirtschaftliche Chancen. Das können wir uns als Wirtschaftsstandort Niedersachsen nicht leisten.“
Deutlicher Fortschritt im Top-Management
Besonders positiv entwickelte sich der Frauenanteil im Top-Management. Er stieg insgesamt von 19,6 Prozent im Jahr 2024 auf 23,7 Prozent im Jahr 2026. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die kommunalen Unternehmen mit einem Anstieg von 22,0 auf 28,6 Prozent. Bei den Landesbeteiligungen erhöhte sich der Anteil von 26,3 auf 30,4 Prozent. Die Privatwirtschaft erreichte dagegen lediglich einen Anstieg von 15,1 auf 17,1 Prozent.
Trotz der positiven Entwicklung ist die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen weiterhin deutlich sichtbar. In 16 der 33 untersuchten privatwirtschaftlichen Unternehmen besteht das Top-Management weiterhin ausschließlich aus Männern und zudem wird keines der 33 Unternehmen von einer Frau geführt.
Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung betont: „Die Ergebnisse des Women-on-Board-Index Niedersachsen zeigen, dass wir Fortschritte erzielen können, wenn wir Gleichstellung konsequent verfolgen. Besonders der Anstieg des Frauenanteils im Top-Management ist ein ermutigendes Signal. Gleichzeitig dürfen wir uns darauf nicht ausruhen. Frauen müssen in allen Unternehmensbereichen die gleichen Chancen erhalten, Führungsverantwortung zu übernehmen. Gerade in der Privatwirtschaft besteht weiterhin großer Handlungsbedarf.“
Aufsichtsgremien entwickeln sich nur langsam
Deutlich geringer fällt die Entwicklung in den Aufsichtsgremien aus. Der durchschnittliche Frauenanteil stieg lediglich um 1,2 Prozentpunkte von 30,6 auf 31,8 Prozent. Während die Landesbeteiligungen einen Anstieg von 30,6 auf 32,8 Prozent verzeichnen konnten und die Privatwirtschaft von 28,5 auf 29,9 Prozent zulegte, sank der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien kommunaler Unternehmen leicht von 32,8 auf 32,6 Prozent.
Auch Frauen an der Spitze von Unternehmen bleiben die Ausnahme. Nur 23 der 102 untersuchten Unternehmen verfügen über eine weibliche Vorsitzende des Aufsichtsgremiums. Lediglich zwölf Unternehmen werden von einer Frau im Top-Management geführt.
„Der politische Anspruch muss sich in der Praxis beweisen. Das Ziel, die Gremien in Unternehmen mit Landesbeteiligung paritätisch zu besetzen, ist ehrgeizig. Um es zu erreichen, ist mehr Transparenz und öffentlicher Druck notwendig. Bisher sind die meisten öffentlichen Unternehmen von Parität noch weit entfernt. Für die Unternehmen heißt es, eine gleichstellungsorientierte Unternehmenskultur zu fördern, entsprechende Strukturen und Prozesse zu verankern und dies anhand von ambitionierteren Zielen zu dokumentieren, um mehr Frauen Führungsverantwortung zu übertragen“, so FidAR-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow, die die Studie federführend betreut hat.
Transparenz und Zielgrößen weiter ausbaufähig
Die Studie zeigt Fortschritte bei der Veröffentlichung von Zielgrößen für den Frauenanteil in Führungsgremien. Dennoch bestehen weiterhin Transparenzdefizite. Zwar sind 62 der untersuchten Unternehmen verpflichtet, entsprechende Zielgrößen festzulegen, doch veröffentlichen bislang lediglich 34 Unternehmen Zielgrößen für ihre Aufsichtsgremien und 33 Unternehmen Zielgrößen für ihr Top-Management. Häufig bleibt zudem unklar, wie ambitioniert diese Ziele tatsächlich sind und ob die Unternehmen ihre selbst gesetzten Ziele erreichen.
Positiv entwickelt hat sich außerdem die Möglichkeit von Führung in Teilzeit. Insbesondere kommunale Unternehmen und privatwirtschaftliche Unternehmen haben hier seit 2024 aufgeholt. Flexible Führungsmodelle leisten einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Fach- und Führungskräfte.
„Die niedersächsische Landesregierung hat mit der NGG-Novelle die Weichen dafür gestellt, in den Landesbeteiligungen den Druck für mehr Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Auf der kommunalen Ebene sind die Städte und Kommunen in der Verantwortung, in ihren Beteiligungen mehr Frauen in die Führungsgremien zu holen. In der Privatwirtschaft entfalten die Führungspositionengesetze mit der Geschlechterquote für Aufsichtsräte, dem Mindestbeteiligungsgebot für Vorstände und der Zielgrößenpflicht ihre Wirkung. Doch da diese Regelungen nur für sehr wenige Unternehmen gelten, fordern wir, dass das Führungspositionengesetz auf Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten ausgeweitet wird und Verstöße gegen die Zielgrößenpflicht konsequent sanktioniert werden. Von mehr Frauen in den Führungsebenen der Unternehmen profitieren Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen“, ergänzt FidAR-Präsidentin Prof. Dr. Anja Seng.
Unternehmen für ihr Engagement ausgezeichnet
Im Rahmen der Vorstellung des WoB-Index Niedersachsen wurden zudem sechs Unternehmen für ihr besonderes Engagement gewürdigt: das Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, die Salzgitter AG, die enercity AG, die Neuland Wohnungsgesellschaft mbH, die Hannover Rück SE und die CEWE Stiftung & Co. KGaA. Sie haben Gleichstellung als strategisches Thema verankert und schaffen gezielt Rahmenbedingungen, um mehr Frauen Führungsverantwortung zu ermöglichen. Damit stärken sie nicht nur ihre eigene Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit, sondern leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zu einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts der weiterhin bestehenden Unterschiede zwischen den Unternehmensgruppen zeigen sie beispielhaft, wie Gleichstellung in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann, und setzen wichtige Impulse für andere Unternehmen und Organisationen.
Text: Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung














