Warum am 8. April die Roma-Flagge vor dem Rathaus weht
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- 1. Apr.
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BERGEN. Am 8. April hisst die Stadt Bergen vor dem Rathaus die Roma-Flagge. Anlass ist der Internationale Roma-Tag. Die Aktion findet im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie in Bergen in Kooperation mit der Kompetenzstelle gegen Antiziganismus (KogA) der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten statt.
„Das Hissen der Roma-Flagge ist ein Zeichen der Sichtbarkeit und Anerkennung für die Geschichte und Gegenwart von Sinti* und Roma* in unserer Gesellschaft. Sie erinnert uns auch daran Diskriminierung dauerhaft entgegenzuwirken“, sagt Lukas Engelmeier von der Kompetenzstelle gegen Antiziganismus (KogA) der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Für Bergen hat der Internationale Roma-Tag auch mit Blick auf Bergen-Belsen eine besondere Bedeutung. Die Gedenkstätte erinnert an die nationalsozialistischen Verbrechen – auch an die Verfolgung und Ermordung von Sinti* und Roma*. Lange fand dieses Unrecht in Deutschland kaum öffentliche Beachtung. Umso bedeutender war die Gedenk- und Protestkundgebung 1979 in Bergen-Belsen, bei der an den Völkermord erinnert und mehr Anerkennung und Rechte für Sinti* und Roma* gefordert wurden. Der Internationale Roma-Tag selbst geht auf den ersten Internationalen Roma-Kongress 1971 in London zurück. Dort verständigten sich Bürgerrechtsorganisationen aus 14 Ländern unter anderem auf die Selbstbezeichnung Roma, auf eine gemeinsame Flagge und eine Hymne. Der 8. April erinnert seitdem an den langen Einsatz für Anerkennung, gleiche Rechte und gesellschaftliche Sichtbarkeit.
Warum ist das auch heute wichtig? Weil Antiziganismus nicht nur ein historisches Thema ist. Viele Sinti* und Roma* erleben bis heute Vorurteile, Ausgrenzung und Benachteiligung. Die Flagge vor dem Rathaus erinnert deshalb nicht nur an die Vergangenheit, sondern setzt auch in der Gegenwart ein Zeichen für Respekt, Anerkennung und demokratische Teilhabe. Dabei geht der Blick auch auf Bergen heute. Auch hier leben Sinti* und Roma*. Nicht immer sind ihre Perspektiven vor Ort sichtbar oder organisiert. Die Partnerschaft für Demokratie in Bergen möchte deshalb ansprechbar sein für Themen, Ideen und Bedarfe, die aus der Stadtgesellschaft selbst kommen. „Uns ist wichtig, dass die Perspektiven und Anliegen von Sinti* und Roma* in Bergen Platz haben. Dafür möchten wir ansprechbar sein und Austausch sowie neue Impulse vor Ort ermöglichen“, sagt Isabell Leverenz von der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in Bergen. Auch der Integrationstreffpunkt Bergen kann dafür ein Ort der Begegnung sein. „Der Integrationstreffpunkt soll ein offener Ort sein, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen können“, sagt Anna Shevchuk, Integrationsbeauftragte der Stadt Bergen. Ende April zieht er in die Seymourstraße 4 in Bergen.
Im April greift auch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten das Thema weiter auf: Bei einer von der KogA moderierten Veranstaltung am 19. April geht es um das fortgesetzte Unrecht gegen Sinti* und Roma* nach 1945 und um die Frage, wie dieses bis heute aufgearbeitet wird. Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen veröffentlicht die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.
Die Partnerschaft für Demokratie in Bergen ist eine Kooperation der Stadt Bergen und der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Sie wird im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Text: Stadt Bergen














