Wahlkampf oder echte Idee? Diskussion über Comeback der Straßenbahn in Celle
- Stefan Kübler
- vor 6 Minuten
- 2 Min. Lesezeit

CELLE. Es sind nur zwei kurze Sätze im Wahlkampfprospekt von Oberbürgermeister Jörg Nigge: „Warum nicht unsere Straßenbahn reaktivieren?“ fragt er in Bezug auf die Zukunft des ÖPNV in Celle. Später schreibt er: „Ich möchte (…) die Entwicklung einer Straßenbahn prüfen.“ Ist das nur Getöse vor der anstehenden Oberbürgermeisterwahl oder eine handfeste Idee? In Celle wird jedenfalls heiß diskutiert, ob die Wiederbelebung der Straßenbahn nach 70 Jahren sinnvoll ist und was es sonst noch für zeitgemäße Konzepte geben könnte.
„Der Straßenbahn gehört die Zukunft – aber erstmal nicht in Celle.“
Die Celler Linken reagieren mit gemischten Gefühlen auf den Vorstoß. „Der Straßenbahn gehört die Zukunft – aber erstmal nicht in Celle“, heißt es in einem Statement der Partei. Es helfe nichts, eine Straßenbahn in den Raum zu stellen, ohne zu sagen, welches Problem sie lösen soll, findet Linken-Ratsherr Stephan Ohl. „Bevor wir in Celle über Schienen in der Innenstadt diskutieren, sollten wir erstmal dafür sorgen, dass abends und am Wochenende überhaupt ein Bus fährt“, sagt er. „Wer den ÖPNV für den Berufsverkehr attraktiv machen will, muss zuerst die Randzeiten in den Griff bekommen.“
Autonom fahrende Busse statt neuer Straßenbahnen
Auch Reinhard Rohde, Kreistagsabgeordneter der Linken, hält die Debatte über die langfristige Zukunft des ÖPNV für richtig. „Auch wenn es sich heute viele noch nicht vorstellen können: Im Jahr 2050 wird der ÖPNV eine wesentlich größere Rolle für unsere Mobilität spielen“, sagt er. „Für eine Stadt wie Celle sehe ich dabei allerdings eher flexible und perspektivisch autonom fahrende Busse als ein neues Straßenbahnnetz.“

Weitere Idee: Moderne City Trains ohne Gleisbett
Bei der Celler Initiative „parCelle“, die sich für mehr Teilhabe und Partizipation einsetzt, stößt die Andeutung des Oberbürgermeisters auf Begeisterung. „Nicht ohne Stolz“ habe man die Gedanken gehört, denn seit mehreren Jahren sei diese Idee mit Parteien und Stadtratsfraktionen geteilt worden. „parCelle“ bringt kleine City Trains, auch „people mover“ genannt, ins Spiel, die ganz ohne die Verlegung eines Gleisbetts und autonom fahrend Menschen und Waren durch die Stadt transportieren können.
Flexible Fahrzeuge auch für Warentransport nutzbar
„Schon viele Menschen konnte ich von dem Gedanken begeistern, mit einem deutlich kompakteren Fahrzeug als einem Gelenkbus bis zu 60 Personen befördern zu können“, sagt Andreas Lechner, einer der Projektverantwortlichen. „Nach Personenstoßzeiten zu Schul- und Arbeitsbeginn lassen sich die Zugfahrzeuge mit Modulen für Warentransport bestücken.“ Vorstellbar seien Warendepots in der Innenstadt, über die Waren verteilt werden können. Die kleinen Züge seien ähnlich flexibel wie der Müller City Express und wären auch für Fahrradstraßen und ähnliches geeignet.
Celler Straßenbahn fast 50 Jahre lang in Betrieb
Die Straßenbahn in Celle war zwischen 1907 und 1956 in Betrieb. Auf ihrem Höhepunkt 1928 verkehrten mehrere Linien zwischen Neustädter Holz, Bahnhof und Lüneburger Heerstraße sowie Richtung Blumläger Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Betrieb eingeschränkt weiter. 1956 wurde die Straßenbahn komplett eingestellt, weil immer mehr Omnibusse unterwegs waren. Wie handfest die Überlegungen einer Reaktivierung der Celler Straßenbahn sind, zeigt sich wahrscheinlich nach der Kommunalwahl am 13. September.














