Tradition beim Schützenfest: Das steckt hinter dem Kolkausfischen
- Audrey-Lynn Struck
- vor 16 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

CELLE. Kaum eine Tradition gehört so fest zum Celler Schützenfest wie das Kolkausfischen der Altstädter Schützengilde. Jahr für Jahr fahren die Fischer auf die Aller hinaus, während Besucher das Spektakel vom Ufer aus verfolgen können. In diesem Jahr blieben die Netze allerdings leer.
„Die Mär ist, dass die Fische früher fürs Königsmahl gefangen wurden.“
Doch woher kommt das Kolkausfischen? „Die Mär ist, dass die Fische früher fürs Königsmahl gefangen wurden“, erzählt Fischermeister Hans-Friedrich "Didi" Nölke. Mittlerweile werden gefangene Fische nicht mehr beim traditionellen Fischessen der Schützen gegessen, sondern zurück in die Aller geworfen. Doch die Tradition ist über die Jahrhunderte hinweg geblieben.

Nölke seit 7. Generation beim Kolkausfischen
Gemeinsam mit seinem Bruder Hermann fährt Didi Nölke jedes Jahr beim Kolkausfischen mit einem Boot über die Aller – mittlerweile in der siebten Generation. Ihr Großvater Hermann Nölke war 1954 Hauptkönig und als „Hermann der Kolgfischer“ bekannt. Ihm wird auch die Erfindung des „Fischermeisters“ zugeschrieben – einer Mischung aus Jägermeister und Ratzeputz.
Erfindung vom Schnaps "Fischermeister"
„Der Jägermeister war ihm zu süß, dann hat er ein Drittel Ratzeputz reingemischt“, erzählt Didi Nölke. In einigen Gaststätten kann man den Schnaps bestellen, das Mischverhältnis wird häufig unterschiedlich gehandhabt. Doch eine Regel gilt: „Es muss immer mehr Jägermeister sein“, betont Didi Nölke.
Kein Fisch geht beim Schützenfest ins Netz
Dass in diesem Jahr kein einziger Fisch ins Netz ging, hatte laut dem Fischermeister mehrere Gründe. „Wir haben aktuell einen niedrigen Wasserstand und der Fisch mag Fluchtwege, um in die Tiefe abzutauchen.“ Viele Fische hielten sich deshalb derzeit im tieferen Wasser an der Staustufe auf. Auch die Sandbänke erschwerten das Kolkausfischen. „Die sind immer unterschiedlich und verlagern sich durch Hochwasser.“ Im vergangenen Jahr wurden noch fünf Fische gefangen.
Zehn-Cent-Bier zum Anstoßen
Während unten auf der Aller gefischt wird, wird oben am Ufer gefeiert. Zur Eröffnung werden drei Kanonenschüsse abgefeuert, anschließend verliest Herold Andreas das Biergesetz vom 14. April 1688. Danach wird beim traditionellen Zehn-Cent-Bier angestoßen – früher hieß es noch „Groschenbier“, weil ein Bier damals tatsächlich einen Groschen kostete. Auch das gehört seit Generationen zum Kolkausfischen dazu.






















