Sternkopf & Hübel: Wo Empfehlungen wichtiger sind als Bestsellerlisten
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CELLE. An einer Pinnwand hängen Flyer für Konzerte und Lesungen, in einer Ecke sind Holzspielzeug von Grimm's und Kuscheltiere von Sigikid und neben Romanen verstecken sich immer wieder hochwertige Deko- und Geschenkartikel entdecken. Auf einer kleinen Tafel sammeln Kunden mal fast vergessene Wörter, ein anderes Mal literarische Helden oder Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte. Wer Sternkopf & Hübel in der Neuen Straße betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht darum, möglichst viele Bücher zu verkaufen, sondern die richtigen.
"Mit der Zeit sieht man die Bücher vor allem mit den Augen der Kunden."
„Mit der Zeit sieht man die Bücher vor allem mit den Augen der Kunden“, sagt Stefan Jakubik und lacht. Häufig hat der Buchhändler schon bei der Bestellung Kundinnen und Kunden im Kopf, denen das Buch gefallen könnte. Falls er doch mal ein Buch nicht vorrätig hat, ist es schon am nächsten Werktag ab 10 Uhr im Laden.
Ein bisschen „old school“ würde Stefan Jakubik seine Buchhandlung selbst beschreiben – und genau das ist für ihn eine Stärke. „Wir sind keine Buchhandlung, in der man die Bestsellerliste von oben bis unten findet.“ Stattdessen merkt man sofort die persönliche Handschrift des Teams. Jeder Mitarbeitende deckt einen anderen Bereich des Sortiments ab und stellt bei der „BücherLese“ zweimal im Jahr dem Team neue Titel vor. „Ein Buch kann man eigentlich nur gut empfehlen, wenn man es gelesen hat oder zumindest jemand aus dem Team davon erzählt hat“, weiß Stefan Jakubik, der am liebsten Belletristik und Romane französischer und deutscher Autoren liest. Sein eigenes Lieblingsbuch ist heute „Nelka“ von Svenja Leiber, das gerade auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht.

Vom Kunden zum Inhaber
Dass Stefan Jakubik heute selbst hinter dem Verkaufstresen steht, war ursprünglich gar nicht geplant. Eigentlich wollte er 2019 in der Weihnachtszeit nur Geschenke bei Sternkopf & Hübel kaufen. „Da habe ich gehört, dass meine Lieblingsbuchhandlung bald zumacht“, erinnert er sich. Die bisherigen Inhaberinnen Renate Sternkopf und Grit Hübel hatten bereits alle Verträge gekündigt, entsprechend schnell musste die Übergabe organisiert werden. Der Notarvertrag wurde noch zwischen den Jahren unterzeichnet. „Ich dachte: Diese Chance habe ich nie wieder. Wenn sie dicht ist, ist sie weg“, sagt Stefan Jakubik, der tatsächlich einst eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler bei Rowohlt gemacht hatte, ehe er über 20 Jahre im Marketing für Industrieunternehmen arbeitete.
"Die Bücher sind so gut kuratiert, ich könnte hier einfach blind ins Regal greifen und finde trotzdem das Richtige."
Kurz vor der Corona-Pandemie übernahm er das Geschäft – und das komplette Team sowie die Strukturen gleich mit. Eine Entscheidung, die bis heute den Charakter der Buchhandlung prägt. Fast 400 Viert- und Fünftklässler kommen im Rahmen der Aktion "Ich schenke dir ein Buch" pro Jahr zu Besuch, machen ein Quiz durch die Innenstadt und entdecken mit Stefan Jakubik, dass Lesen mehr ist als eine schulische Disziplin.
Literatur hat in Celle ein Zuhause
Über die Krise des Buchhandels werde viel gesprochen, so Stefan Jakubik. In Celle erlebe er aber etwas anderes. „In Celle gibt es eine größere literarische Community.“ Ein Großteil der Veranstaltungen, wie Lesungen in der Buchhandlung oder bei Kunst & Bühne, sind ausverkauft. Für genau diese Literaturfans ist "Sternkopf & Hübel" eine Heimat. Nicht zuletzt wegen der handverlesenen Auswahl. Eine Kundin verrät: "Die Bücher sind so gut kuratiert, ich könnte hier einfach blind ins Regal greifen und finde trotzdem das Richtige. Darum komme ich immer wieder."














