Stadt Celle macht’s jetzt selbst: Kauf des Karstadt-Hauses für einen Euro geplant
- Stefan Kübler
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CELLE. Seit fast drei Jahren steht das ehemalige Karstadt-Kaufhaus in der Celler Altstadt leer und seitdem ist unklar, was damit passieren soll – bis jetzt. Nachdem auch der letzte Investor für ein mögliches Projekt abgesprungen ist, nimmt die Stadt die Sache nun selbst in die Hand und will das ehemalige Haupthaus sowie das Lagergebäude in der Bergstraße für einen symbolischen Preis von einem Euro kaufen. Was genau an dem Standort entstehen soll, ist weiterhin unklar. Dem Rat der Stadt Celle ist dieser Plan bereits vorgestellt worden, er soll im Oktober darüber entscheiden. Ein großer Knackpunkt bei der Entwicklung des ehemaligen Karstadt-Areals sind beispielsweise die bestehenden Erbbaurechte.
Wirtschaftliches Risiko für Investoren bisher zu hoch
Im Kern besteht das aktuelle Karstadt-Areal aus dem Haupthaus, dem Posthof und dem Lagergebäude. Das ehemalige Karstadt-Parkhaus ist mittlerweile verkauft und wieder in Betrieb genommen worden. „In den vergangenen Jahren ist das Interesse von Investoren an dem Areal groß gewesen“, erzählt Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge. Architekten und Statiker hätten das Gebäude besichtigt und auch erste mögliche Mieter hätten Interesse bekundet. Am Ende seien alle wieder abgesprungen, der letzte vor zwei Wochen mit der Begründung „lohnt sich nicht“.
Größter Knackpunkt: Die Erbbaurechte
Die voraussichtlichen Sanierungskosten von 40 bis 45 Millionen hätten die Interessenten dabei weniger abgeschreckt als die bestehenden Erbbaurechte, die auf dem Grundstück liegen. Dieses befinde sich nach wie vor im Besitz einer Erbengemeinschaft, die regelmäßig Pacht kassiere. Und diese finanzielle Belastung, möglicherweise über Jahrzehnte, wollte sich offenbar kein Investor antun. Um wieder neuen Schwung in die Sache zu bringen, sah die Stadt sich gezwungen, selbst aktiv zu werden. „Ich habe immer gesagt: Wenn wir das selbst entwickeln, machen wir ein Riesending daraus“, so Jörg Nigge.
„Wir sind jetzt wirklich einen großen Schritt gegangen, besser als vorher gedacht.“
Die Lösung aus Sicht der Stadt ist nun folgende: Sie übernimmt Haupthaus und Lager für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro vom derzeitigen Eigentümer, der Demire AG. Der benachbarte Posthof bleibt zunächst außen vor. Für die weitere Entwicklung soll zunächst eine offizielle Bürgerbeteiligung gestartet werden, um Ideen und Wünsche der Cellerinnen und Celler zu sammeln und Kriterien für die weitere architektonische Planung aufzustellen. Anschließend wird entweder ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben oder es werden wieder gezielt Investoren angesprochen, die sich dann allerdings nicht mehr mit den Erbbaurechten beschäftigen müssen. „Wir sind jetzt wirklich einen großen Schritt gegangen, besser als vorher gedacht“, sagt Jörg Nigge.

Rat soll im Herbst über Pläne entscheiden
Um die Herausforderung mit den Erbbaurechten zu lösen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Hoffnung ist, dass sich das bis zum Herbst geklärt hat und der Rat dann über das weitere Vorgehen entscheiden kann. „Das ist eine superkomplexe Situation. Wir brauchen Zeit, um darüber zu verhandeln“, so Jörg Nigge. Ob das alte Karstadt-Gebäude abgerissen oder saniert wird, steht auch noch nicht fest. Das soll von der Bürgerbeteiligung und den Umsetzungsmöglichkeiten späterer Investoren abhängig gemacht werden.














