Schlosstheater – Erhebliche Verluste und weitere Sorgen


Theaterverein Schlosstheater Celle Knoke Döring
Intendant Andreas Döring und der Vorstand des Theatervereins Foto: Peter Müller

CELLE. Um rund die Hälfte ist die Zahl der Besucher und Abonnenten in der Spielzeit 2020/21 im Vergleich zu 2018/19 zurückgegangen, entsprechend verringerten sich die Einnahmen.


Die Bilanz des Theatervereins als Träger des Schlosstheaters fiel in seiner gestrigen Mitgliederversammlung in der Halle 19 ernüchternd aus. „Für 2021/22 haben wir mit einem Defizit von 400.000 Euro geplant und dabei werden wir auch landen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Thomas Knoke. Der Grund sei auf die Pandemie zurückzuführen, man liege mit den Verlusten deutschlandweit im Trend, teilte Knoke in seinem Geschäftsbericht mit. Auch für die Spielzeiten 2022/23 sowie 2023/24 rechne man noch mit Defiziten von minus 30 bzw. minus 15 Prozent.


Auf der anderen Seite seien erhebliche Überschüsse zu verzeichnen. „Wenn wir die Theater schließen, erhöhen sich die Einnahmen“, erläuterte Knoke vor dem Hintergrund der Lockdowns, in denen Kurzarbeit angemeldet werden konnte und sich aufgrund dessen Einsparungen bei den Personalaufwendungen, die 80 Prozent der Kosten für den Betrieb der Kultureinrichtung insgesamt ausmachen, ergaben. Und diese Überschüsse werfen nun Fragen auf bei den drei öffentlichen Geldgebern - Stadt Celle, Landkreis Celle und Land Niedersachsen -, die drei Viertel der benötigten finanziellen Mittel tragen. „Wieso sollen Zuschüsse erhöht werden, wenn Überschüsse da sind“, zitierte der Vereinsvorsitzende die drei Institutionen. Die Ursache für einen erhöhten Bedarf liegt in der Erhöhung der Gagen, des Mindestlohns und den derzeit zu beobachtenden Kostensteigerungen für Energie und Materialien.


Der Deutsche Bühnenverein als Arbeitgeber des künstlerischen Personals hat die Mindestgage von 2.000 Euro auf 2.500 Euro monatlich erhöht. Zudem wird der Mindestlohn ab Oktober 2022 auf 12 Euro angehoben. Das Problem, das sich dem Trägerverein als Konsequenz stellt, ist die Frage, inwieweit Tariferhöhungen übernommen werden. „Bisher hat sich das Land nicht beteiligt“, sagte Knoke. Man führe Gespräche, mehr als Absichtserklärungen seien insbesondere vor dem Hintergrund der Landtagswahlen jedoch als Ergebnis nicht herausgekommen. Für alle kommunalen Theater stellt Niedersachsen eine einmalige Summe von 440.000 Euro zur Verfügung, was für die Celler Spielstätte knapp 40.000 Euro bedeutet. Stadt und Landkreis würden die Steigerungen indes mittragen.


Eine verlässliche Zusage von Seiten des Landes, dieses ebenfalls zu tun, ist für den Theaterverein der Residenzstadt mit 171 Mitgliedern von erheblicher Relevanz. „Sonst lässt sich das Theater nicht weiter betreiben, und schon gar nicht von einem ehrenamtlichen Verein. Wir sind ein Betrieb mit 100 Beschäftigten, und wir sind tarifgebunden“, betonte der Vorstandsvorsitzende.

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