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“Schlechtester Skatepark Deutschlands”? Oppershausen erntet Kritik aus der Szene

Aktualisiert: vor 3 Tagen


Skateplatz Oppershausen mit Handy-Montage mit Screenshot aus Insta-Video
In Oppershausen wurde der vielleicht schlechteste Skatepark Deutschlands gebaut – zumindest wenn es nach der Meinung einiger Skateboarder geht. (Foto/Montage: Sheenara Wiebke, Screenshot: OG Pav/Christoph Radtke)

WIENHAUSEN. Er sollte ein Treffpunkt für Jugendliche werden – doch nur wenige Tage nach der Fertigstellung steht der Skatepark in Oppershausen massiv in der Kritik. In sozialen Medien geht die Anlage inzwischen als „schlechtester Skatepark Deutschlands“ viral. Während die Verantwortlichen von einem Missverständnis sprechen, werfen Teile der Skaterszene dem Projekt vor, nach außen Jugendförderung zu symbolisieren – an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer aber vorbeizugehen.


140.000 Euro Investitionskosten und fünf Jahre Planung


Es sei unvorstellbar, noch 2026 so einen Park zu bauen, sagt Lubomir Pavlov zu Beginn eines Instagram-Reels vom Sonntag. Unter dem Namen OG Pav folgen ihm über 30.000 Menschen. Die Skateboard-Szenengröße äußert in dem inzwischen mehr als 140.000-mal aufgerufenen Clip deutliche Kritik an der Bauweise der Anlage sowie an der Höhe der Investition. In das Projekt sind circa 140.000 Euro und fünf Jahre Planung geflossen. 


Skatepark Oppershausen
Auf der Anlage stehen neben zwei mobilen Rampen auch zwei Holzbänke.

Profi-Skateboarder Christoph Radtke übt Kritik


Der Profi-Skateboarder Christoph Radtke aus Hannover hat sich bereits am Montag selbst ein Bild von der neuen Anlage gemacht – und fällt ein hartes Urteil. Der Skatepark sei „architektonischer Durchfall“. Rampenhöhen, Ausrichtung, Treppenstufen an ungeeigneten Stellen: bei der Umsetzung hapere es gleich an mehreren Punkten, wie er gegenüber CelleHeute erklärt.


"Die Proportionen der Rampen sind grundsätzlich unbrauchbar."

Egal ob mit Skateboard, Scooter, BMX oder Rollerskates: „Die Proportionen der Rampen sind grundsätzlich unbrauchbar“, sagt Christoph Radtke, der 2015 den World Cup Skateboarding in Montreal gewonnen hat. Zudem fehlten in den Ecken der Anlage Rampen, auf denen Nutzer wenden könnten, um einen flüssigen Fahrablauf zu ermöglichen. Kritik übt der Profi-Skateboarder auch an der Verarbeitung der sogenannten Obstacles, also der Hindernisse im Skatepark. An den Kanten der Rampen sei Kunststoff verbaut worden – vermutlich zum Schutz der Anlage. „Gummi an die Kante von einer Skaterampe macht überhaupt keinen Sinn“, urteilt Christoph Radtke. Sein Eindruck: Hier wurde sich weder mit dem Sport noch mit der Szene auseinandergesetzt.



Bedürfnisse von Skateboardern sei nie Zielsetzung gewesen


Tatsächlich durften Bürgerinnen und Bürger aus Oppershausen sowie Kinder und Jugendliche ihre Ideen und Wünsche für den Park einbringen. Skateboarder wurden dabei jedoch nicht explizit einbezogen, wie Ulf Pohlmann (CDU), Ratsherr der Gemeinde Wienhausen und Beteiligter der Bürgerinitiative, gegenüber CelleHeute bestätigt.


„Die Anlage ist ein Bewegungsangebot für die Dorfgemeinschaft, kein spezialisierter Profi-Skatepark.“

Als Auslöser der Kritik vermutet Ulf Pohlmann ein Missverständnis und räumt ein: „Die Anlage ist ein Bewegungsangebot für die Dorfgemeinschaft, kein spezialisierter Profi-Skatepark.“ Die Bedürfnisse von erfahrenen Skateboardern zu erfüllen, sei „nie die Zielsetzung des Projekts“ gewesen.


Bürgerinitiative setzt Fokus auf Aufwertung des Dorfplatzes


Stattdessen verstehen die Initiatoren des Bauprojekts die Rampen vor allem als zusätzliches Angebot und als Aufwertung des bestehenden Dorfplatzes. Die Entscheidung für die mobilen Hindernisse, die in der Szene als veraltet gelten, sei bewusst getroffen worden: Die Rampen könnten bei Bedarf beiseitegeschafft werden, sodass der asphaltierte Platz weiterhin für Schützen- und Dorffeste genutzt werden könne. Zudem sorge die befestigte Fläche für mehr Barrierefreiheit bei Veranstaltungen.


Skateplatz Oppershausen
Rampen & Co. können extra für Veranstaltungen, wie das Schützenfest, abgebaut werden.

Die Anlage wurde größtenteils von LEADER-Mitteln getragen, die Gemeinde Wienhausen hat als Träger des Projekts rund 30.000 Euro finanziert. Mit dem Geld wurden nicht nur die Rampen finanziert, sondern auch verschiedene Gutachten, etwa zum Emissionsschutz, sowie für Baugrunduntersuchungen und Vermessungsarbeiten.


„Ein großer Teil der Kosten entfällt auf die neue befestigte Fläche.“

Klarer Fokus bei den Ausgaben habe jedoch auf der Versiegelung der Flächen gelegen, so Ulf Pohlmann. „Ein großer Teil der Kosten entfällt auf die neue befestigte Fläche, die nicht nur für den Skatepark, sondern auch für Veranstaltungen und die Barrierefreiheit beim Schützenfest genutzt wird“, erklärt er.


Ob der Skatepark hinter dem Oppershausener Feuerwehrhaus tatsächlich zum Treffpunkt für Jugendliche wird, bleibt abzuwarten. Der Streit um die Anlage zeigt jedoch: Nur weil Skatepark draufsteht, muss noch lange keiner drin sein – zumindest nicht nach den Maßstäben erfahrener Skater.

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