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Rettungsdienst im Landkreis Celle zu langsam: Politik fordert Verbesserungen

Rettungswagen im Einsatz vor verschwommenem Hintergrund.
Der Rettungsdienst im Landkreis Celle ist nicht immer so schnell vor Ort, wie er sein sollte. (Symbolbild: Unsplash)

CELLE. Bei einem Herzinfarkt oder einem schweren Verkehrsunfall ist schnelle Hilfe gefragt. Tritt ein medizinischer Notfall ein, sollte der Rettungsdienst in 95 Prozent der Fälle spätestens nach 15 Minuten vor Ort sein. Dies regelt die niedersächsische Bedarfsverordnung für Rettungsdienste. In den meisten Kommunen im Landkreis Celle wird dieser sogenannte „p95-Wert“ aktuell nicht eingehalten. Aus den Zahlen für 2025 geht hervor, dass lediglich die Stadt Celle sowie die Gemeinde Hambühren im grünen Bereich sind. Die Politik fordert Verbesserungen. Die Kreistagsgruppe der Wählergemeinschaft (WG), der Christlich Demokratischen Wählergruppe (CDW) und die Partei hat die Gründung einer Arbeitsgruppe beantragt.


Nur Celle und Hambühren bei Hilfsfristen im grünen Bereich


Die Zahlen für die Hilfsfristen im Landkreis Celle im Jahr 2025 sind unterschiedlich. In der Stadt Celle wurde die 15-Minuten-Frist laut Kreisverwaltung in 95,86 Prozent der Fälle eingehalten. Im Schnitt habe es 14:33 Minuten gedauert, bis ein Rettungsdient vor Ort war. In der Gemeinde Hambühren waren es demnach 95,32 Prozent und 14:53 Minuten. Schlusslichter der Statistik sind Faßberg (18:25 Minuten) und Wietze (18:44 Minuten). Die Unterschiede haben laut Landkreis räumliche und strukturelle Gründe. „Insbesondere größere Entfernungen, längere Fahrzeiten sowie höhere sogenannte Duplizitätsanteile wirken sich auf die Eintreffzeiten aus“, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung. Bei Duplizitätsfällen sei das primär zuständige Rettungsmittel bereits im Einsatz, weswegen ein weiter entferntes Rettungsmittel alarmiert werden müsse.   


Kommune/ Gemeinde

Einsatzzahlen Notfallrettung gesamt

davon innerhalb von 15 Min. (= Hilfsfrist)

Hilfsfrist

zum Vergleich: Hilfsfrist 2023/2024

P95-Wert in Minuten

Stadt Celle

6.954

6.666

95,86%

97,03%

14:33

Gemeinde Hambühren

877

836

95,32%

96,77%

14:53

SamtgemeindeLachendorf

980

913

93,16%

91,17%

15:33

Gemeinde Eschede

494

453

91,70%

92,73%

16:38

SamtgemeindeFlotwedel

913

756

82,80%

82,59%

16:56

Stadt Bergen

1.334

1.211

90,78%

85,67%

17:27

Gemeinde Südheide

1.120

940

83,93%

80,02%

17:31

SamtgemeindeWathlingen

1.343

1.139

84,81%

84,08%

17:35

Gemeinde Winsen (Aller)

1.170

1.030

88,03%

87,46%

18:09

Gemeinde Faßberg

524

402

76,72%

81,03%

18:25

Gemeinde Wietze

756

653

86,38%

83,28%

18:44

Gesamt

16.465

14.999

91,10%

90,71%

16:30

So verteilen sich die aktuellen p95-Werte für das Jahr 2025 auf den Landkreis Celle. Quelle: Landkreis Celle


Georeferenzierte Alarmierung soll Zahlen verbessern


Kreisweit liegt der p95-Wert laut Statistik bei 91,1 Prozent und 16:30 Minuten. Im Vergleich zum Vorjahr (90,71) sei das eine leichte Verbesserung und werde als gut beurteilt, so der Landkreis. Dennoch werde an weiteren Optimierungen gearbeitet, darunter die georeferenzierte Alarmierung. „Hierdurch wird künftig dasjenige Rettungsmittel alarmiert, das – unabhängig von der zugeordneten Rettungswache – auf Grundlage digital berechneter Fahrzeiten voraussichtlich am schnellsten den Einsatzort erreicht“, so die Kreisverwaltung weiter. Denkbar seien auch eine Erhöhung der Vorhaltezeiten, zusätzliche Rettungsmittel oder alternative Standorte von Rettungswachen, was jedoch mit finanziellen Auswirkungen verbunden sei.


„Der Herzinfarkt in Bröckel verdient eine gleichermaßen schnelle und professionelle Behandlung wie der in Celle.“

Die Kreistagsgruppe aus WG, CWG und die Partei hat kürzlich beantragt, eine Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung und Leistungserbringern des Rettungsdienstes einzurichten, die den p95-Wert im Landkreis Celle mit unbürokratischen und kreativen Ideen verbessert. „Die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Celle verdienen es, dass sich jetzt schnellstmöglich (…) um ihre Sicherheit Gedanken gemacht werden“, heißt es in dem Antrag. Zusätzlich stellt Ulrich Kaiser, Fraktionsvorsitzender der Gruppe klar: „Der Herzinfarkt in Bröckel verdient eine gleichermaßen schnelle und professionelle Behandlung wie der in Celle.“


Wunsch nach sauberer Analyse und neuen Rettungswachen


Auch die SPD im Landkreis Celle fordert Verbesserungen, setzt allerdings eher auf ein Gutachten als auf eine Arbeitsgruppe. „Schnelle Hilfe erreicht man nicht durch schnelle Überschriften, sondern durch saubere Analyse“, betont Stefan Hauke für die SPD-Kreistagsfraktion. Um das 15-Minuten-Ziel zu erreichen, müssten Vorhaltung, Standorte, Versorgungsbereiche, Alarmierung und Einsatzaufkommen gemeinsam betrachtet werden. „Wenn wir die Hilfsfristen im gesamten Landkreis zuverlässig erreichen wollen, wird das auch bedeuten, dass wir neue Rettungswachen brauchen“, ergänzt Maximilian Schmidt, Vorsitzender der SPD im Landkreis Celle, und nennt die Gemeinden Lachendorf und Südheide als Beispiele.


Landkreis will Rettungsdienst begutachten lassen


Der Landkreis hat bereits angekündigt, dass im Rahmen der anstehenden gutachterlichen Betrachtung beispielsweise alternative Standorte von Rettungswachen im Nordkreis untersucht werden. Ziel sei eine medizinisch sinnvolle, langfristig belastbare und zugleich wirtschaftlich tragfähige Weiterentwicklung des Rettungsdienstes im Landkreis Celle.

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