*Update* Nie um eine Antwort verlegen – Wahlkampfprofi Stephan Weil in Celle *VIDEO*


Ministerpräsident Stephan Weil auf dem Großen Plan Fotos: Peter Müller

CELLE. Das Format heißt „Auf ein Wort“, doch ein echter Dialog entspann sich am Samstagmittag nicht zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und den durchschnittlich 100 Gästen auf dem Großen Plan. Die Zahl schwankte, regnerisches Wetter vertrieb schon während der Veranstaltung einige Interessierte, andere kamen zwischenzeitlich hinzu.


Die Besucher konnten ihre Fragen aufschreiben, sie werden eingesammelt und von einer Moderatorin an den Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahl am 9. Oktober gestellt. Echte Zwiesprache entsteht auf diese Weise nicht, die versierten Antworten des Politikprofis bleiben stehen, können nicht weiter hinterfragt werden.





Und so nahm Stephan Weil u.a. Stellung zu den Themenblöcken Pflege, Straßenausbaugebühren, Verkehrsanschluss Celle-Hannover, Lehrkräfte- sowie Mangel an weiterem pädagogischen Personal, Bildung und Digitalisierung sowie Ehrenamt. In Letzterem ist Celle laut Christoph Engelen vorbildlich. Der Bewerber um das Direktmandat der SPD für den Wahlkreis Celle Hambühren Wietze engagiert sich selber im DRK und kann daher auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. „Wir brauchen mehr Ehrenamt“, sagte Weil, er erwägt die Preise für die Nutzer des ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) für Ehrenamtliche zu senken.

Sein Ziel im regionalen Nahverkehr lautet: „Ein Ticket für alles.“ Celle sei verkehrstechnisch nicht an die Region Hannover angeschlossen, weil die Städte unterschiedlichen Verkehrsverbünden angehörten und ein von den Cellern gestarteter Versuch, dieses zu ändern, daran scheiterte, dass „Hannover mehr Geld haben wollte, als Celle bereit war zu zahlen.“

Beim Thema Straßenausbaubeiträge (Strabs) plädierte er klar für die kommunale Selbstverwaltung: „Ob Straßenausbaubeiträge von den Anliegern erhoben werden oder nicht soll eine Entscheidung sein, die in den Rathäusern gefällt wird, und nicht auf Landesebene.“ Im Bereich Pflege sieht er das Problem nicht nur in der zu geringen Bezahlung, wo sich ja bereits etwas geändert habe, sondern auch in dem zu hohen Faktor Dokumentation. 40 Prozent der Arbeitszeit säßen die Pflegekräfte am Schreibtisch, weil die Krankenkassen verlangten, in großem Maße zu dokumentieren. „Man kann sich auch zu Tode dokumentieren“, sagte er und fügte hinzu: „Wir brauchen eine Pflegereform aus Berlin.“


Nicht zuständig ist der Bund für das Thema Bildung. Hier wurde der Ministerpräsident mit konkreten Fragen konfrontiert und positionierte sich eindeutig. Gymnasiallehrer würden besser bezahlt, das sei ein spürbares Problem für Haupt-, Real-, Ober- und Gesamtschulen, legte er dar. „Das ist ein alter Zopf, der muss weg!“, betonte der amtierende Landesvater, der zum Auftakt auf seine Regierungszeit von mittlerweile mehr als 9 Jahren in unterschiedlichen Koalitionen hingewiesen hatte.


Angesichts der aktuellen angespannten Situation in der Folge des Ukraine-Krieges und des Energiemangels sowie der vorangegangenen Pandemie traf er darüber hinaus eine markante Aussage, manchmal wünsche er sich: „Gebt mir meine Probleme von 2019 zurück!“



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