„Mit Herz und Verstand“: Karin Abenhausen möchte Celles erste Rathauschefin werden
- Stefan Kübler
- vor 4 Stunden
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CELLE. Weinreben und Bienenstöcke sind die ersten Dinge, die einem im Garten von Karin Abenhausen ins Auge fallen. Die Ortsbürgermeisterin von Klein Hehlen, die bei den Kommunalwahlen am 13. September zur Celler Oberbürgermeisterin gewählt werden möchte, verarbeitet die Trauben selbst und stellt eigenen Honig her, erzählt sie. Daneben wird der Garten von gepflegtem Wildwuchs und blühenden Blumen dominiert, ganz so, wie man es vielleicht von einer Grünen-Politikerin erwartet.
„Ich brauche keine Bevorratung von weiteren Baugebieten.“
Interessanterweise sind es vorrangig nicht die Umweltthemen, die Karin Abenhausen nennt, wenn sie nach ihren Schwerpunkten für Celle gefragt wird. Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht explizit für ihre Partei, sondern als Einzelkandidatin mit Unterstützung von Grünen und SPD ins Rennen geht. Ihre drei Prioritäten seien Stadtentwicklung, öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) und das Krankenhaus. „Ich werde diese Stadt nicht umkrempeln“, sagt sie mit Blick auf die Stadtentwicklung. Einige Dinge würde sie dennoch grundlegend anders machen. Geld sparen würde sie beispielsweise bei der Ausweisung von neuen Baugebieten, sowohl für Wohnraum als auch für Gewerbe. „Ich brauche keine Bevorratung von weiteren Baugebieten“, so Karin Abenhausen. „Wir haben so viel Leerstand in Celle, den könnten wir erstmal ertüchtigen.“
Busverkehr: Zwei Ringlinien sollen Parkhäuser sowie Stadtteile verbinden
Beim Thema ÖPNV hält es die OB-Kandidatin für falsch, dass die Stadt aktuell plant, einen eigenen Verbund zu gründen, um die Bedarfe für den Busverkehr im Stadtgebiet besser umsetzen zu können. „Alles, was der Oberbürgermeister vorgeschlagen hat, das könnte er jetzt schon machen“, sagt Karin Abenhausen und meint damit beispielsweise kleinere Fahrzeuge mit engerer Taktung. Im bestehenden Verbund sei vorgesehen, dass Extrawünsche auf eigene Kosten stets umgesetzt werden können. Und mit einem eigenen Verbund müsste die Stadt die Wünsche sowieso selbst bezahlen.
Karin Abenhausen schlägt zwei Verbesserungen für den ÖPNV in Celle vor: Eine Ringlinie, die die Parkhäuser und -plätze mit der Innenstadt verbindet, sowie eine zweite Ringlinie, die die Stadtteile miteinander verknüpft. Dadurch soll es beispielsweise möglich werden, von Klein Hehlen zur Sparkasse nach Hehlentor zu kommen, ohne zuerst ins Zentrum fahren zu müssen. Eine autofreie Innenstadt wünscht sie sich dagegen nicht, eher eine autoarme. „Es wird immer Menschen geben, die aufs Auto in der Stadt angewiesen sind.“

Krankenhaus ist wichtiger als Veranstaltungen
Dass die Stadt Celle aus der Finanzierung des Allgemeinen Krankenhauses ausgestiegen ist, bezeichnet Karin Abenhausen als verantwortungslos und unsolidarisch. „Wir haben mit dafür zu sorgen, dass dieses Krankenhaus an diesem Standort erhalten bleibt. Das macht ein Oberzentrum aus. Und das macht auch die Daseinsvorsorge für die Menschen hier aus.“ Sie würde allgemein die Ausgaben der Stadt genauer unter die Lupe nehmen. „Was ist für diese Stadt wichtiger: Ein Krankenhaus zu haben oder im Sommer Wochenende für Wochenende Brot und Spiele?“ Vielleicht sei es besser, drei Veranstaltungen zu streichen, um dann andere Dinge wie das Krankenhaus unterstützen zu können.
Karstadt: Abriss verhindern und Ankermieter suchen
Beim Thema Karstadt ist Karin Abenhausen ganz klar gegen den Abriss des ehemaligen Kaufhauses. Zum einen befürchtet sie wirtschaftlichen Schaden für die umliegenden Geschäfte, wenn diese viele Jahre lang eine Großbaustelle vor der Nase hätten. Allein, weil Karstadt nicht mehr da sei, hätten viele Läden Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Außerdem möchte sie sich an anderen Städten orientieren, die ihre alten Karstadt-Häuser wiederbelebt hätten. In Hannover werde beispielsweise eine Berufsschule einziehen, in Oldenburg seien Markthalle, Auditorium und Coworking-Spaces eingerichtet worden. Was es für das Celler Karstadt-Haus bräuchte, wäre ein Ankermieter, beispielsweise eine Pflegeschule oder eine Jugendherberge. „Den Posthof könnte man dadurch wiederbeleben, indem man dort eine Gastronomie unterbringt, die vom Ankermieter und den Menschen hier gleichermaßen genutzt wird.“
„Es gibt kein Gutachten. Das ist gelogen.“
Das Argument der Stadt, dass die Bausubstanz des ehemaligen Kaufhauses mangelhaft sei, lässt Karin Abenhausen nicht gelten. „Es gibt kein Gutachten. Das ist gelogen. Das muss ich ganz deutlich sagen.“ Aus ihrer Sicht sei es immer der Wille der Stadt gewesen, das Grundstück gewinnbringend an Investoren zu verkaufen. „Dieses Gebäude würden wir heute noch tagtäglich betreten, wenn Herr Benko nicht so viel Mist gebaut hätte“, sagt sie und meint damit den Immobilieninvestor, unter dem Karstadt letztendlich zugrunde ging.

Rathaus offener gestalten, Mitarbeitende anders führen
Für die Cellerinnen und Celler möchte Karin Abenhausen das Neue Rathaus wieder offener gestalten. Statt noch mehr Digitalisierung bei der Kommunikation würde sie gerne eine persönliche Bürgersprechstunde einführen. „Ich möchte sehr dicht an den Menschen sein“, sagt die OB-Kandidatin, die auch die Arbeitsatmosphäre innerhalb der Stadtverwaltung besorgt. „Es geht mir um eine andere Form des Führens.“ Personal würde abwandern oder sich hinter Paragraphen verschanzen, um nichts falsch zu machen. „Das deutet auf ein Klima der Angst hin“, findet Karin Abenhausen. „Ich möchte den Menschen, die im Rathaus arbeiten, ein Stück Eigenverantwortung zurückgeben.“ Deswegen stehe auf ihren Wahlplakaten auch „Mit Herz und Verstand“.
Celler Bier, Honig und Co. besser vermarkten
Karin Abenhausen möchte als Oberbürgermeisterin wieder mehr Leben in die Celler Altstadt bringen. Aus ihrer Sicht müsste ungenutzter Wohnraum in den Fachwerkhäusern wieder flottgemacht werden. Auch die Jugend und junge Familien dürften dabei nicht vergessen werden. Außerdem möchte sie Innovationen wie Geothermie fördern, den Tourismus und den Wochenmarkt stärken und Celles regionale Produkte wie Heidehonig, Kaffee, Alpakawolle und Bier besser vermarkten. „Warum nicht aus Celle eine Bienenstadt machen?“, ist eine ihrer Ideen. Am 13. September möchte sie Celle zu einer Stadt machen, an deren Spitze zum ersten Mal eine Oberbürgermeisterin steht.
Zur Person Karin Abenhausen
Karin Abenhausen wurde 1961 in Celle geboren. Nach dem Abitur am Hermann-Billung-Gymnasium und einem Volontariat bei der Celleschen Zeitung studierte sie Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft. Beruflich war sie beim Norddeutschen Rundfunk, Hessischen Rundfunk und evangelischen Kirchenfunk tätig, gelebt hat sie unter anderem in Eschede und Darmstadt. Seit 2013 wohnt sie wieder in Celle, ist 2021 den Grünen beigetreten und seit den Kommunalwahlen im selben Jahr Ortsbürgermeisterin von Klein Hehlen. 2026 tritt sie als Einzelkandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin an und wird gleichermaßen von den Grünen und der SPD unterstützt. Wichtig sind ihr Verlässlichkeit, Transparenz und Begegnung auf Augenhöhe. Auf die Palme bringen sie Unwahrheiten und wenn Menschen schlecht behandelt werden. In ihrer Freizeit ist sie viel mit dem Fahrrad unterwegs, genießt kulturelle Angebote und hat einen Lesekreis.














