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Gesprüht, um gesehen zu werden: So steht Künstler Daniel Wunn zur Graffiti-Debatte


Daniel Wunn, Graffiti Celle, CD-Kaserne, Die Vandals
Seit vier Jahren zurück in seiner Heimatstelle Celle: Graffiti-Künstler Daniel Wunn hat bereits mit Größen wie Tasek und Daim zusammengearbeitet. Heute ist er Teil des Kollektivs "Die Vandals". (Foto: Sheenara Wiebke)

CELLE. Es ist eine andauernde Debatte: Graffiti an öffentlichen Plätzen. Was für die einen zum urbanen Erscheinungsbild einer Stadt gehört, ist für die anderen ein optisches Ärgernis, eine Schmiererei. Insbesondere mit letzterem Begriff kann Daniel Wunn nichts anfangen. Der Celler Künstler bestreitet seinen Lebensunterhalt als Graffiti-Sprayer. Für ihn ist klar: "Graffiti ist Kommunikation" – und eine Form der Mitbestimmung, wie eine Stadt aussehen darf.


Dabei geht es für Daniel Wunn nicht nur um aufwendig gestaltete Murals (großflächige Wandgemälde). Auch Graffiti, das auf den ersten Blick nicht dem ästhetischen Anspruch der Allgemeinheit entspricht, hat für ihn seine Berechtigung. "Ich betrachte das aus typografischer Sicht", sagt Daniel Wunn. Mit 20 Jahren Erfahrung als Sprayer und abgeschlossenem Kunststudium achte er bei Tags vor allem auf handwerkliche Gesichtspunkte und die Schriftgestaltung – ein Zugang, den viele, die sich nie eingehender mit Graffiti beschäftigt haben, häufig nicht hätten.


Daniel Wunn, Graffiti Celle, CD-Kaserne, Die Vandals
Vor zwei Jahren hat Daniel Wunn sein Atelier auf dem Gelände der CD-Kaserne eingerichtet. (Foto: Sheenara Wiebke)

Von der Straße in den Mainstream


Gleichzeitig beobachtet Daniel Wunn, wie Graffiti in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter in den Mainstream gerückt ist. "Graffiti ist in den Museen und in der Werbung", sagt er und fügt hinzu: "Die Leute wollen ja auch schöne Graffiti. Wie entsteht denn das? Ein Tischler baut ja auch nicht im ersten Lehrjahr den perfekten Tisch."


"Das ist Farbe an der Wand und keine Körperverletzung."

Die Motivation, illegal an öffentlichen Plätzen zu sprayen, sei vielfältig, wie Daniel Wunn berichtet. Er spricht von Anwälten, die darin eine Ausflucht aus ihrem Alltag sähen und von Menschen, die sonst nur wenig Gehör in der Öffentlichkeit fänden. "Den Kindern auf dem Gymnasium hört man vielleicht zu, aber den Kids aus dem Block – die haben ja nichts", so der Künstler. Er versteht Graffiti in erster Linie als gewaltfreie Ausdrucksform und fordert eine andere Grundhaltung von der Öffentlichkeit: "Das ist Farbe an der Wand und keine Körperverletzung."


  • Foto: Sheenara Wiebke
  • Foto: Sheenara Wiebke

Sechsstelliger Betrag für Entfernung


Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die die gesprühten Werke wieder entfernen – sowie die, die dafür aufkommen. Die Stadt Celle spricht von einem sechsstelligen Betrag, den sie jährlich für die Entfernung illegaler Graffiti im Stadtgebiet aufbringe. Auch der Geschäftsführer der Reinigungsfirma Ice-Tec-Celle, Florian Radtke, äußerte sich gegenüber CelleHeute zuletzt frustriert über die Graffiti im Stadtgebiet: "Wir verdienen damit zwar Geld, aber wir könnten auf das Wegmachen der Schmierereien auch verzichten, wenn dafür die Oberflächen sauber bleiben würden."


Über Graffiti-Workshops, die von verschiedenen Trägern in der Stadt angeboten werden, äußerte Florian Radtke Unverständnis. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, wie man Jugendlichen das Sprayen beibringen und dann erwarten könne, dass sie das Gelernte nicht anwenden würden.


Banksy ist damit reich geworden


Genau solche Workshops bietet auch Daniel Wunn in seinem Atelier in der CD-Kaserne an. Aktuell erarbeitet er mit Schulklassen Kunstwerke, die historische Themen mit heutigen Lebensrealitäten verbinden – ein gemeinsames Projekt des Residenzmuseums und des Street-&-Art-Teams des Vereins Kultur allerorts. Auch im Bereich Graffiti können sich die Jugendlichen dabei ausprobieren. Dabei betone er bei allen seinen Workshops: Vorher fragen, bevor man eine Wand besprüht. "Ich erzähle aber auch von Banksy, der damit reich geworden ist", fügt er mit einem Grinsen hinzu.


  • Foto: Sheenara Wiebke
  • Foto: Sheenara Wiebke
  • Foto: Sheenara Wiebke

Braucht Celle mehr Raum für Graffiti?


Für den Graffiti-Künstler ist dennoch klar: "Wir haben in Celle unsere Altstadt, die wir pflegen und erhalten wollen. Die soll auch nicht vollgesprüht werden." Einen anderen Lösungsansatz als die Stadt sieht er allerdings bei der Frage, wie sich illegales Graffiti eindämmen ließe: "Wenn es noch eine große Wand in der Innenstadt gäbe, an der man legal sprayen dürfte, dann hätte das auch einen Impact auf illegales Graffiti." Den öffentlichen Umgang mit dem Thema hält er jedoch für übertrieben: "Die Suppe wird ziemlich heiß gekocht, meiner Meinung nach."

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