Mit Frau G. und Frau B.: So klingt Schule im Celler Podcast „Tafelrunde“
- Audrey-Lynn Struck

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

CELLE. Einmal im Monat bauen Nora und Julia ihr Podcast-Studio auf. Dann werden Jalousien heruntergelassen, drei Kameras und extra Studiolicht aufgebaut. Ein pinker Schriftzug an der Wand, verrät worum es geht: „Tafelrunde“. Wenn die Aufnahme läuft, werden aus Nora und Julia – wie ihre Schüler sie kennen – Frau G. und Frau B.. Gemeinsam sprechen die beiden Lehrerinnen an einer Oberschule im Landkreis Celle über Schule, Unterricht und den Lehreralltag.
„Nora hat kurz danach ihr Referendariat bei uns angefangen, wir haben miteinander gespielt und saßen auf der Bank zusammen.“
„Wir lieben unseren Job“, sagt Nora. Und das soll auch in den Folgen ihres Podcasts "Tafelrunde – Die Berufsoptimistinnen" rüberkommen. Julia ging den klassischen Berufsweg, studierte Lehramt und machte ihr Referendariat in Hannover, ehe sie in den Kreis Celle wechselte. Nora arbeitete anfangs in der Bank, entschloss sich dann mit 27 noch einmal umzusatteln und Lehramt zu studieren. Beim jährlichen Volleyballturnier der Lehrkräfte im Kreis Celle lernten sich die beiden vor zehn Jahren kennen. „Nora hat kurz danach ihr Referendariat bei uns angefangen, wir haben miteinander gespielt und saßen auf der Bank zusammen“, erinnert sich Julia. Seither sind sie nicht nur Kolleginnen, sondern vor allem Freundinnen – nun mit einem eigenen Podcast.
„Tafelrunde“ hat über 500 Abonnenten
Über 500 Abonnenten folgen „Tafelrunde“ bereits auf YouTube, hinzu kommen Hörer auf Spotify. Eine Folge dauert meist zwischen 20 und 40 Minuten. „Mittlerweile lassen wir Folgen bewusst länger, wenn sie spannend sind“, erzählt Lehrer Felix, der die Technik und den Schnitt übernimmt. Die Podcastfolgen nimmt das Trio meist in den Ferien oder am Wochenende auf mal zu zweit, mal mit Gästen.
Zu Besuch waren schon eine Lehrer-Influencerin oder eine Grundschullehrerin, die darüber sprach, wie schwer es ist, die Schulform zu wechseln, wenn man sich einmal festgelegt hat. „Inzwischen melden sich die Leute selbst bei uns“, freut sich Julia. „Wir wollen viel abdecken – ehemalige Schüler, Schulleiter, Schulpastoren, alle, die mit Bildung zu tun haben.“
Zu wenig Personal, zu viel Bürokratie
Trotz ihrer Begeisterung für den Beruf nehmen die beiden kein Blatt vor den Mund, wenn es um Probleme im Bildungssystem geht. Passend zu den Kommunalwahlen in diesem Jahr sollen künftig auch mal Politiker eingeladen werden. „Wir sind zwar positiv und lieben unseren Beruf, aber das System Schule ist problembelastet“, sagt Julia. Zu wenig Personal und zu viel Bürokratie, zählt Nora die Probleme auf. Besonders frustrierend: Nicht nur die Probleme, sondern auch mögliche Lösungen sind eigentlich längst bekannt. „Hausaufgaben sind oft sinnlos, weil sie selten individuell angepasst sind. Studien zeigen, dass ihr Nutzen für den Lernerfolg begrenzt ist“, sagt Julia. Doch ändern tut sich nichts. "Wenn man einen guten kollegialen Zusammenhalt hat, kann man andere große Themen besser ausblenden. Aber wenn man das nicht hat, wird es mit der Motivation schon dünn", sagt Nora.
Ihre Vorschläge für die Zukunft: zusätzliches Personal, kostenloses Frühstück für Schüler und mehr Raum für individualisiertes Lernen, das die unterschiedlichen Stärken und Lerntempi der Schüler berücksichtigt. Eine weitere Idee: ein Assessment Center für Lehrer. "Nicht jede Person eignet sich für den Lehrberuf. Deshalb wäre es sinnvoll, schon vor dem Studium stärker auf pädagogische Eignung zu schauen", sagt Nora. Außerdem wünschen sich die beiden grundsätzlich eine stärkere Anpassung der Lehrpläne, etwa durch die Einführung von Fächern wie Empathie oder Selbstliebe.
Der Podcast ist für Frau G. und Frau B. nicht nur ein Projekt, sondern auch ein Spiegel ihres Berufsalltags. In den Gesprächen mit Gästen reflektieren sie ihre Arbeit, diskutieren Ideen und zeigen, wie viel Engagement und Freude hinter dem Lehrerberuf steckt. Der größte Ansporn bleiben die Schüler. Nora sagt: „Mein größtes Ziel ist, dass Schüler sagen: Ich gehe gerne zur Schule.“














