Medikamente in den Apotheken im Kreis Celle günstiger und nicht teurer machen
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CELLE. Wenn das Kranksein demnächst aufs Portemonnaie drückt: „Wer im Landkreis Celle zum
Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Philipp Thom von der Gewerkschaft NahrungGenuss-Gaststätten (NGG). Der Geschäftsführer der NGG Hannover kritisiert das geplante
Sparpaket im Gesundheitsbereich, das die Bundesregierung „stark zu Lasten der Versicherten
verordnen“ wolle: „Für Medikamente sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro dazuzahlen,
mindestens aber 7,50 Euro. Das läppert sich und drückt auf die Haushaltskasse – neben hohen
Ausgaben für Sprit, Lebensmittel, Miete & Co.“ Heute dagegen liege die Zuzahlung bei 5 Euro
und sei bei 10 Euro gedeckelt.
Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Hannover für eine reduzierte
Mehrwertsteuer bei Medikamenten aus. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder
Infusionen: 7 statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken im Kreis Celle an Arzneimitteln über
den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt
Philipp Thom. Wenn Medikamente geringer besteuert würden, könnte dies vor allem auch die
gesetzlichen Krankenkassen entlasten. „Die geplanten Zuzahlungen könnten dann wieder nach
unten rutschen“, so der NGG-Geschäftsführer.
Heftige Kritik kommt von der Gewerkschaft an der Teilkrankschreibung, die die Bundesregierung
ebenfalls plant: „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in
Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet“, sagt Philipp Thom. Homeoffice und eine
Flexibilisierung der Arbeitszeiten sollen das möglich machen, wenn es nach dem Willen der
Bundesregierung geht. „Das sind aber blanke Schreibtischplanungen“, ärgert sich Philipp Thom.
Der NGG-Geschäftsführer verweist auf die Praxis: „Nehmen wir einen Bäcker oder eine Köchin
im Kreis Celle. Auch die sollen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig sein können, wenn
sie eigentlich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit“, so Philipp Thom. Aber in einer
Backstube gebe es genauso wie in einer Restaurantküche „zu jeder Minute Zeitdruck und
Stress“. Denn die Brote müssten morgens ab 2 Uhr in den Ofen und die Gerichte abends um
20 Uhr auf den Teller. „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf
Halb- oder Dreiviertel-Kranke“, sagt der NGG-Geschäftsführer. Das unterscheide die Arbeit in
Bäckereien und der Gastronomie vom „Schreibtisch-Job im Rathaus“
Unterm Strich sei die Gesundheitsreform in Sachen Teilkrankschreibung nichts anderes als eine
Verschärfung der Krankschreibung. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen.
„Aber gerade das ist heikel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger
krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß. Das kann mit
‚sanftem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knallhart-Ansage passieren“, befürchtet Philipp
Thom. Beides sei jedoch „wenig hilfreich“, wenn es darum gehe, gesund zu werden.
An die Adresse der CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Celle und der
Region gerichtet, appelliert der Geschäftsführer der NGG Hannover, „alles daranzusetzen, die
Gesundheitsreform in puncto Zuzahlung und Medikamenten-Mehrwertsteuer zu ändern sowie
von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.
Text: NGG














