Landesschülerrat fordert Abschaffung der Kopfnoten
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- 16. Apr.
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CELLE. Der Landesschülerrat Niedersachsen übt deutliche Kritik an der aktuellen Praxis der Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens („Kopfnoten“) an niedersächsischen Schulen. Insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sieht der Landesschülerrat erhebliche pädagogische und strukturelle Probleme.
Nach Auffassung des Niedersächsisches Kultusministerium wird an einer formalen Vergleichbarkeit der Bewertungen festgehalten – auch dann, wenn das zu bewertende Verhalten selbst Teil einer diagnostizierten Beeinträchtigung ist. Für den Landesschülerrat stellt sich hier eine grundlegende Gerechtigkeitsfrage: Eine formal gleiche Bewertung kann unter ungleichen Voraussetzungen nicht als fair gelten.
„Wenn genau das Verhalten bewertet wird, das Ausdruck eines Förderbedarfs ist, entsteht eine systematische Benachteiligung. Das hat mit Chancengerechtigkeit nichts zu tun“, erklärt Otto Ellerbrock, stellvertretender Vorsitzender des Landesschülerrates Niedersachsen.
Zudem wird der sonderpädagogische Unterstützungsbedarf aus Gründen der Stigmatisierungsvermeidung nicht im Zeugnis ausgewiesen. Gleichzeitig bleiben schwächere Bewertungen im Arbeits- und Sozialverhalten ohne erklärenden Kontext bestehen. Dies kann zu Fehlinterpretationen führen und so eine faktische Stigmatisierung begünstigen.
Auch aus pädagogischer Perspektive sieht der Landesschülerrat erheblichen Handlungsbedarf. Gerade im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung betreffen die diagnostizierten Unterstützungsbedarfe häufig genau jene Kompetenzen, die im Rahmen der Kopfnoten bewertet werden. Damit entsteht ein strukturelles Spannungsverhältnis zwischen individueller Förderung und standardisierter Bewertung.
„Ein inklusives Schulsystem darf Unterschiede nicht nur anerkennen, sondern muss sie auch in der Bewertung ernsthaft berücksichtigen. Eine einheitliche Skala für alle wird dieser Realität nicht gerecht und kann im schlimmsten Fall demotivierend wirken“, betont Matteo Feind Vorsitzender des Landesschülerrates Niedersachsen.
Die Argumentation, negative Bewertungen seien für die persönliche Entwicklung notwendig, greift aus Sicht der Schülervertretung zu kurz. Schülerinnen und Schüler mit emotional-sozialem Unterstützungsbedarf erleben bereits im Schulalltag besondere Herausforderungen. Wiederkehrend negative Bewertungen im Verhalten können diese Belastung verstärken, anstatt Entwicklung konstruktiv zu begleiten.
Der Landesschülerrat Niedersachsen fordert daher:
die vollständige Abschaffung der Kopfnoten für Arbeits- und Sozialverhalten,
eine stärkere Fokussierung auf individuelle Entwicklungsberichte statt standardisierter Bewertungsskalen,
sowie eine inklusive Leistungsrückmeldung, die unterschiedliche Ausgangsbedingungen tatsächlich berücksichtigt.
Darüber hinaus fordert der Landesschülerrat eine klare Positionierung von Kultusministerin Julia Willie Hamburg zu der Frage, wie Gerechtigkeit im inklusiven Schulsystem konkret umgesetzt werden soll.
„Ein modernes Bildungssystem muss individuelle Entwicklung fördern – nicht standardisiert bewerten, wo Vergleichbarkeit pädagogisch an ihre Grenzen stößt.“
Text: Landesschüler*innenrat














