„Gruselig, da oben zu stehen“: 17-jährige Cellerin im Finale von „Jugend debattiert“
- Stefan Kübler
- vor 7 Tagen
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CELLE. Die Reise für Charlotte Gethöffer bei „Jugend debattiert“ geht weiter. Die 17-jährige Schülerin vom Celler Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV) hat kürzlich den zweiten Platz beim Niedersächsischen Landesfinale des bundesweiten Debattierwettbewerbs belegt und darf im Juni zum Bundesentscheid nach Berlin fahren. Die Cellerin freut sich darauf, die Hauptstadt unsicher zu machen und Niedersachsen auf Bundesebene vertreten zu dürfen.
Ein langer Tag in Hannover
Bis zur Auszeichnung im Niedersachsen-Finale von „Jugend debattiert“ war es ein langer Weg. Nachdem Charlotte in den vergangenen Monaten zunächst das KAV-Schulfinale und wenig später auch das Kreisfinale für sich entscheiden konnte, durfte sie mit drei weiteren Kreisbesten am Landesentscheid in Hannover teilnehmen. „Das war ein langer Tag, den habe ich am Anfang nicht so genossen“, erzählt sie. Kopfschmerzen hätten sie geplagt und sie habe nicht viel gegessen. Der Druck und die Aufregung seien groß gewesen. „Das wird schon“, habe sie sich gesagt. „Ich wollte beweisen, dass ich es verdient habe, hier zu sein.“
Der Landesentscheid in Hannover war von 10 bis 19 Uhr eng durchgetaktet. Nach der Begrüßung im Niedersächsischen Landtag begannen die Qualifikationsrunden für die insgesamt 70 Teilnehmenden aus ganz Niedersachsen. In mehreren kleineren Räumen wurde gleichzeitig debattiert. Sollte es für Kinder ab drei Jahren in Deutschland eine Kindergartenpflicht geben? Sollten Strafgefangene für ihre Arbeit in Vollzugsanstalten den gesetzlichen Mindestlohn bekommen? So lauteten die Themen der ersten beiden Runden.
„Ich hatte noch nie so wenig mit etwas gerechnet.“
Die Fragen waren den Teilnehmenden zehn Tage zuvor bekannt gegeben worden. Bei der Vorbereitung sei sie journalistisch vorgegangen, erzählt Charlotte. Beim Debattierwettbewerb sei es darum gegangen, unterschiedliche Positionen zu vertreten und zu verteidigen. Dabei sei nicht nur gute Argumentation gefragt. Die Teilnehmenden mussten den aktuellen Kontext des Themas berücksichtigen und schildern, wie es beispielsweise in anderen Ländern gehandhabt und beurteilt wird, um bei der Jury zu punkten. Nach den angeregten Debatten der Qualifikationsrunden stand fest: Charlotte steht mit drei weiteren Teilnehmenden ihrer Altersklasse im Finale: „Ich hatte noch nie so wenig mit etwas gerechnet“, sagt sie.
Der Tag in Hannover endete für Charlotte mit großer Freude über den zweiten Platz, der Einladung nach Berlin sowie einem Erinnerungsfoto mit Landtagspräsidentin Hanna Naber (mittleres Foto, rechts).
Entspannt und selbstbewusst im Finale
Für das Finale ging es wieder in den großen Saal des Niedersächsischen Landtags. Die Finalistinnen und Finalisten mussten die letzte Debatte zum Thema „Soll es eine Höchstgrenze für Mandatszeiten von niedersächsischen Abgeordneten im Landtag geben?“ vor großem Publikum halten. „Das war gruselig, da oben zu stehen“, erzählt Charlotte. Doch im Finale sei sie entspannter und selbstbewusster gewesen. Am Ende urteilte die Jury: Charlotte wurde Zweite in der Altersgruppe der Klassen 11 bis 13 und darf nach Berlin reisen.
„So richtig realisiert habe ich das noch nicht“, sagt die 17-Jährige. „Aber ich bin schon stolz und habe auch Lust drauf.“ Am meisten freue sie sich auf die Reise nach Berlin und darauf, die anderen Teilnehmenden kennenzulernen. Schon vor dem Landesentscheid sei unter den Schülerinnen und Schülern ein gewisses Gemeinschaftsgefühl entstanden. Einige hätten mehr Konkurrenzdenken mitgebracht als andere, manche hätten sich den Finaltermin in Berlin schon rot im Kalender angestrichen, aber überwiegend sei die Stimmung positiv gewesen.
Bundesentscheid von „Jugend debattiert“ am 12. und 13. Juni in Berlin
Als Vorbereitung auf das Bundesfinale reisen alle Landesbesten im Mai zunächst zu einem fünftätigen Workshop nach Rotenfels am Main in Bayern. Der Bundesentscheid findet am 12. und 13. Juni 2026 in Berlin statt. Charlotte möchte Celle in der Hauptstadt möglichst gut repräsentieren, will sich aber weniger Druck machen als in Hannover. „Ich habe Bock, Berlin zu erleben“, sagt sie.




















