„Intensive Erfahrung mit der eigenen Existenz“


Foto: H. Schilbock

CELLE. Harald Schilbock, Fundraiser im Ev.-luth. Kirchenkreis Celle über den Workshop „Wunschbrief“ und die wichtige Frage „Was bleibt und was wichtig ist“


Harald Schilbock, was ist ein „Wunschbrief“?

Harald Schilbock: Die Idee dazu stammt aus Großbritannien. Es geht darum, dass Menschen abseits der testamentarischen Verfügungen die Möglichkeit haben, ihre Wünsche und Vorstellungen zu formulieren. Für die Zeit nach ihrem Tod, aber auch für die Zeit, die noch bleibt. Was ist mir wichtig? Was habe ich noch für Pläne? Was soll bleiben, wenn ich mal nicht mehr da bin? Um die Beantwortung solcher Fragen soll es in unserem Workshop gehen.

Der Workshop „Wunschbrief“, den Sie gemeinsam mit Dr. Katharina Rogge-Balke moderieren werden, findet im Rahmen der Ausstellung "…noch bist du da" statt. Welche Verbindung gibt es zwischen den Kunstwerken von Uwe Appold und dem Workshop?

Die Bilder spielen natürlich eine zentrale Rolle, unser Workshop dient auch dazu, die Idee der Ausstellung weiterzutragen. Zu Beginn werden wir die TeilnehmerInnen einladen, sich in Ruhe die Kunstwerke anzuschauen, um anschließend gemeinsam Gedanken dazu auszutauschen. Sensibilisiert durch die Bilder ist dann jede und jeder eingeladen, an seinem ganz persönlichen Wunschbrief zu arbeiten. Wer allerdings einfach nur zuhören, nachdenken und schreiben möchte, darf das natürlich auch tun.

Welche Erfahrungen haben Sie bei den bisherigen Workshops machen können?

Ganz unterschiedliche. Eine Dame fühlte sich dazu motiviert, spontan einen Liebesbrief zu verfassen. Andere haben gerade erst selbst eine/n nahe/n Angehörige*n verloren und verarbeiten in dem Wunschbrief ihre individuelle Trauer. Was ich bei allen Teilnehmer*innen beobachten durfte: Wie tief und intensiv diese besondere Erfahrung mit der eigenen Existenz und dem eigenen Abschied wahrgenommen wird.

Während sich ein Testament direkt an die Hinterbliebenen richtet, soll der Wunschbrief auch eine andere Funktion übernehmen. Inwiefern kann er dabei helfen, sich mit den eigenen Gedanken, Träumen und Plänen auseinanderzusetzen?

Der Titel der Ausstellung "…noch bist du da" beschreibt ja schon ganz gut diese spezielle Ambivalenz. Noch bist du hier, noch lebst du, noch hast du die Chance, dir Gedanken über dein Leben und deine Zukunft zu machen. Ich finde, dass das ein sehr kraftvoller Gedanke ist: Sich mit der Endlichkeit zu beschäftigen, um sich gleichzeitig auch des Weges dorthin bewusst zu werden. Das trifft den Kern des Workshops recht gut. Das Ergebnis dieser Gedanken kann ich in Form eines Wunschbriefes mit nach Hause nehmen. Allerdings ist das noch kein Endergebnis, sondern dient als Impuls, sich dauerhaft mit diesen Gedanken zu beschäftigen.


Der Workshop „Wunschbrief“ – für mich und für andere mit Dr. Katharina Rogge-Balke und Harald Schilbock findet am Donnerstag, 17. Februar 2022, von 16 bis 19 Uhr in der Stadtkirche St. Marien und im Johann-Arndt-Haus, An der Stadtkirche 8, statt. Der Eintritt ist frei, es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Anmeldungen für den Workshop im Gemeindebüro der Stadtkirche unter kg.stadtkirche.celle@evlka.de oder per Telefon unter 05141 7735


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