Hitze unterm Dach: Tödlichen Falle für Vögel und Fledermäuse


Mauersegler. Foto: Joachim Neumann; NABU

HANNOVER. In den kommenden Tagen erwartet Niedersachsen eine Hitzewelle. Die Thermometer werden voraussichtlich die 30 Grad-Marke erreichen. Für viele wildlebende Tiere stellen solch hochsommerliche Temperaturen eine ernste Gefahr dar: Vor allem unter Dächern entsteht eine enorme Hitze, oft sogar über 60 Grad. Weil auf Dachböden häufig Fledermäuse, Mauersegler oder Sperlinge ihre Quartiere haben, werden diese Standorte zur tödlichen Falle. „Beim verzweifelten Versuch der unerträglichen Hitze zu entkommen, fallen auch viele Jungtiere aus ihrem Nest“, erklärt Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums Leiferde.


Die Naturschützerin rät deswegen, jetzt vermehrt auf dem Dachboden oder rund ums Haus zu kontrollieren, ob möglicherweise Tiere aus dem Nest gesprungen sind. „Solche Situationen lassen sich leider gerade nicht vermeiden. Man kann nur vorsorglich tätig werden, indem zum Beispiel das Haus ausreichend durch Bäume beschattet wird oder die Fassade begrünt wird, damit sich das Haus nicht ganz so stark aufheizt“, so Rogoschik. Außerdem sei es jetzt unheimlich wichtig, dass Dachböden gut durchgelüftet und Dachluken am besten auch nachts offengelassen werden. Das Aufhängen von nassen Tüchern oder Laken auf dem Dachboden kann zusätzlich Abhilfe schaffen, da diese einen kühlenden Effekt haben.


Sollte doch einmal ein Jungvogel gefunden werden, kann dieser laut Bärbel Rogoschik grundsätzlich immer ins Nest zurückgesetzt werden. „Gerade Ästlinge sind in den meisten Fällen nicht vom Elterntier verlassen, sondern machen durch lautes Rufen auf sich aufmerksam und werden noch vom Muttertier gefüttert. Hier sollte die Situation erst einmal genau beobachtet werden, bevor das Tier voreilig eingesammelt wird“, appelliert die Naturschützerin. Nur wenn ein Tier augenscheinlich verletzt ist, sollte ihm geholfen werden, indem es beispielsweise in das Artenschutzzentrum nach Leiferde oder eine andere Auffangstation gebracht wird.


„Auch durch das Aufhängen von Nistkästen an der Hauswand, die längst nicht so heiß wird wie der Dachboden, kann Vögeln ein geeigneter Nistplatz angeboten werden“, erklärt die NABU-Mitarbeiterin und ruft dazu auf, selbst aktiv zu werden: „Vorsorge ist hier ganz klar das Stichwort! Durch die genannten Maßnahmen könnten viele Tiere vor dem Hitzetod bewahrt werden.“ Momentan würden sich laut Rogoschik auffallend viele Mehlschwalben-Nester von den Hauswänden lösen. „Durch die Trockenheit, und weil viele Schwalben keinen feuchten Lehm finden, sondern nur herkömmliche Gartenerde für den Nestbau nutzen, haben diese keinen Halt mehr und fallen mitsamt der Jungvögel herab.“ Aber auch in einem solchen Fall hat sie einen Tipp parat: „Ein spezieller Schwalben-Nistkasten kann an die exakt gleich Stelle angebracht und Jungvögel, die mit dem Nest heruntergefallen sind, in diesen Nistkasten wieder eingesetzt werden.“


Eine weitere wichtige Maßnahme ist zudem, im Garten Wasserstellen zu platzieren, am besten an einem schattigen Standort. Diese bieten sowohl Vögeln als auch Insekten an heißen Tagen eine Abkühlung und genügend zu trinken. Ein paar Steine und Moos in der Wasserschale sind ein sicherer Landeplatz für Biene, Käfer und Co. Um Krankheitserregern vorzubeugen, sollte das Wasser täglich ausgetauscht werden.

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