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Ein buntes Zeichen für den Naturschutz: Interdisziplinäre Allianz diskutiert in Celle über Werte und Verantwortung

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  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Eröffnungsrede der Tagung – von links nach rechts: Dr. David Reinicke (SnG), Johanna Thomsen (stellvertr. Landrätin LK Celle), Anka Dobslaw (Staatssekretärin Niedersächsisches Umweltministerium), Dr. Achim Rohde (SnG), Dr. Eick von Ruschkowski (NNA)
Eröffnungsrede der Tagung – von links nach rechts: Dr. David Reinicke (SnG), Johanna Thomsen (stellvertr. Landrätin LK Celle), Anka Dobslaw (Staatssekretärin Niedersächsisches Umweltministerium), Dr. Achim Rohde (SnG), Dr. Eick von Ruschkowski (NNA)

 

CELLE. Naturschutz als trojanisches Pferd gegen die Demokratie: Ökologische Themen geraten zunehmend in das Visier rechtspopulistischer und rechtsextremer Akteure. Um dieser gezielten Vereinnahmung entgegenzuwirken und ihre Strategien und Mechanismen aufzuzeigen, luden die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten (SnG) und die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) am 17. und 18. April zur Fachtagung „Naturschutz und die Neue Rechte“ nach Celle ein.

 

Mehr als 100 Teilnehmende und 15 Referierende aus Wissenschaft, Verwaltung und Naturschutzpraxis diskutierten über Sensibilisierungs-, Präventions- und Interventionsansätze. Ziel der Tagung war es, die oft subtilen Strategien der „Neuen Rechten“ aufzudecken und den Akteuren im Naturschutz das nötige Rüstzeug für eine klare Abgrenzung an die Hand zu geben. Einen Schwerpunkt stellte dabei auch die Beschäftigung mit historischen Vorläufern dar, deren Analyse Handlungsorientierung bieten soll.

 

Die politische Einordnung: Demokratie als Fundament

Nach den Grußworten von Anka Dobslaw (Staatssekretärin im Niedersächsischen Umweltministerium) und Johanna Thomsen (Landrätin des Landkreises Celle) verdeutlichte Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel) in seinem Eröffnungsvortrag, dass die Interventionen von rechts kein Randphänomen mehr sind, sondern die organisierte Zivilgesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Er plädierte dafür, den Naturschutz als wertgebundenes Feld zu begreifen: „Der Battleground Natur ist der klassische Battleground zwischen Links und Rechts. Das müssen wir überwinden, indem wir deutlich machen: Es geht um Demokratie und Nicht-Demokratie. Wir haben etwas zu verteidigen und das ist die demokratische Naturschutzpolitik.“

 

Die historische Dimension: Aus der Geschichte lernen

Dass diese Herausforderung tiefe Wurzeln hat, zeigte Dr. Stefan Rindlisbacher (Universität Freiburg, CH). Er spannte den Bogen von der Lebensreform-Bewegung um 1900, die teilweise eng mit völkischem Denken verwoben war, über die Debatten der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart.

 

Dabei verdeutlichte er die historische Belastung an dem beklemmenden Beispiel der „Plantage“ im KZ Dachau: „Auf Initiative von Heinrich Himmler entstand dort ein Kräuter- und Gemüsegarten nach biologisch-dynamischen Prinzipien – eine erschütternde Paradoxie inmitten eines Ortes der systematischen Entmenschlichung und Gewalt.“

„Auch ein Blick zurück in die 1970er-Jahre zeigt die Parallele: Die frühe Anti-AKW-Bewegung musste erst lernen, sich aktiv von NS-belasteten Akteurinnen und Akteuren in den eigenen Reihen abzugrenzen und ein demokratisches Fundament zu definieren. Heute ist es genau dasselbe im Naturschutz; politische Neutralität ist ein Vorwand, den wir uns nicht leisten können“, erklärt Rindlisbacher.

 

Er warnt davor, „sich hinter dem Deckmantel der vermeintlichen Neutralität zu verstecken. Diese politische Neutralität des Naturschutzes ist das gefährlichste Einfallstor für rechtsextreme Ideologien und das Wissen um diese Geschichte ist der beste Schutz vor den Fallstricken der Gegenwart.“

 

Aktuelle Herausforderungen: Die Strategien der Vereinnahmung

Die Journalistin Andrea Röpke zeigt auf, wie rechtsextreme Gruppen ökologische Konflikte im ländlichen Raum – etwa um den Windkraftausbau oder die Rückkehr des Wolfes – für ihre Zwecke instrumentalisieren: „Rechtsextreme missbrauchen den Naturschutz. Statt den Planeten zu retten, geht es ihnen allein um den Schutz des eigenen Volkes. Wir müssen hellhörig sein, wenn nationalistische Ideologien mit dem Umweltschutz verknüpft werden, um diese Mechanismen zu durchschauen und die dahinterstehende Agenda zu enttarnen.“

 

Von der Analyse zur Praxis: Handlungsfähigkeit stärken

In fünf Fachworkshops am zweiten Veranstaltungstag übersetzten die Teilnehmenden diese Analysen in konkrete Handlungsempfehlungen. Diese reichten von Argumentationshilfen für die Verwaltung bis hin zu neuen Impulsen für die Umweltbildung (BNE).

 

„Die Strategien der Neuen Rechten sind vielen Akteurinnen und Akteuren im Naturschutz noch zu unbekannt“, resümierte Dr. Eick von Ruschkowski, Direktor der NNA. Die Tagung bilde daher den Auftakt für ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Vorhaben, in dessen Rahmen praxisnahe Schulungsmaterialien entwickelt werden, um die demokratische Widerstandsfähigkeit im Naturschutz nachhaltig zu stärken.

 

Über die Veranstalter:

Die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) ist die zentrale Fortbildungseinrichtung für den Naturschutz in Niedersachsen. Die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten fördert die Auseinandersetzung mit der Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer Verbrechen sowie mit deren Folgen.


Text: Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

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