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Die Zeitebenen künstlerisch einfangen – BBK-Ausstellung "No past funny future"


Portraits von Menschen, die es gar nicht gibt, Roman Thomas hat die Fotos mittels KI generiert Fotos: Peter Müller

CELLE. Als wollten sie den Augenblick einfangen, laufen Besucher und Protagonisten der neuen #Sommerausstellung des Bundes Bildender Künstler (#BBK) Celle mit ihren Handys durch die Gotische Halle, knipsen, was das Zeug hält. Dabei bietet die Vernissage am Wochenende im Schloss über die musikalische Untermalung von Sarah und Volker Mertins hinaus Zuhörenswertes.


Die Laudatorin war verhindert und daher treten einige Künstler selbst an, um ihre Interpretation bzw. Auslegung des unglücklich gewählten Titels „No Past Funny Future“ vor zahlreich erschienenen Gästen darzulegen. „Den kann ich mir bis heute nicht merken“, kommentiert Joachim Weigt, der mit interessanten Skulpturen vertreten ist. „Es geht um die Zeit, um die Gegenwart“, sagt der Verfechter einer handgemachten Kunst, für die alle Sinne zum Einsatz kommen, die Computertechnik jedoch draußen bleibt. Der Fotograf Roman Thomas, der 18 fotografische Portraits beigesteuert hat, vertritt den Gegenpart: „Das sind Abbilder von Menschen, die es gar nicht gibt. Sie sind künstlich generiert.“ Täuschend echt wirken die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugten Werke. Der Prozess sei schwierig gewesen, berichtet Thomas, auch weil er dem Programm mit Worten mitteilen musste, was er sich vorstellt, er allerdings eher an andere Formen des Ausdrucks gewöhnt sei. Dennoch lautet sein Fazit zu KI: „Man muss sich dem annehmen, sie nutzen.“ Als Steilvorlage bezeichnet Horst G. Brune das Motto der Sommerschau. Er arbeitet von jeher satirisch, und der Stoff, sich auszumalen, was KI so alles anrichten kann, ist unerschöpflich, ein Chor, der keine menschlichen Gesangsfreudigen mehr benötigt beispielsweise. Wie so etwas aussehen kann, hat er auf Leinwand gebannt.


Unabhängig von dem aktuell die Medien beherrschenden Thema KI haben sich die Mitglieder des BBK dem Motto in überwiegender Zahl klassisch und in sehr vielfältiger Weise gewidmet. Serpil Neuhaus hat das Älterwerden der Gesellschaft in filigranen Bleistiftzeichnungen festgehalten. Natascha Engst-Wrede ist mit „Zukunftsträume“ wieder ein gefälliger Hingucker gelungen. Fernab aller düsteren Szenarien, die ein Blick voraus bergen kann, speziell von denjenigen, denen die rosarote Brille lange abhanden gekommen ist, wählt sie die Perspektive der Jugendlichen: „Heute will ich leben und in bunten Farben von der Zukunft träumen.“ Friederike Witt-Schiedung kommentiert die Gegenwart des Krieges in „Wunde“. Der Krieg schlägt sie, heilen werden sie nie. An diesem Zeitpunkt angelangt, ist der Krieg längst Geschichte.


Die Verwobenheit von Vergangenem, Gegenwart und Zukunft einzufangen, ist die Herausforderung des gewählten Themas, denn sie gehören untrennbar zusammen. Dieses hält Tokpéou Gbaguidi wie Witt-Schiedung in Mischtechnik auf Leinwand fest und schreibt dazu: „Manchmal kennt man den Wert eines Menschen, einer Sache oder eines Moments nicht – bis diese zu Erinnerung werden. Die Zukunft kreist in unserem Kopf, die Vergangenheit hält uns zurück, weshalb uns die Gegenwart entrinnt.“

„No past funny future“, Gotische Halle im Celler Schloss, bis 9. Juli 2023, geöffnet: Di-So 13-17 Uhr, an den Feiertagen geschlossen.





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