„Der letzte Mohikaner“: Schuhgeschäft Nothnagel schließt nach 20 Jahren
- Audrey-Lynn Struck
- vor 20 Minuten
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CELLE. Nach fast 20 Jahren in der Celler Innenstadt ist Schluss: Nothnagel – Gut zu Fuß schließt Ende April. „Normalerweise hat man in der Wirtschaft Wellen, aber seit 20 Jahren geht es nur bergab. Mein Umsatz hat sich gefünftelt, zeitgleich ist die Miete gestiegen“, sagt Holger Nothnagel. Der gebürtige Celler steht mittlerweile allein im Laden – „der letzte Mohikaner“, wie er selbst sagt. Noch vor wenigen Monaten musste er seine letzte Mitarbeiterin kündigen, die ihn seit dem ersten Tag begleitet hatte.
Koch, Betriebswirt, Selbstständiger
Eine Kochausbildung im Hamburger Hotel Atlantic, eine Managementausbildung in Berlin und landete später bei dem Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und anschließend 1989 für einige ostfriesische Reedereien für die Kapitalbeschaffung deren Handelsflotte tätig: Holger Nothnagel hat gelernt, sich immer wieder neu zu erfinden. „Ursprünglich wollte ich mal Polizist oder Masseur werden – ich bin halt flexibel“, erzählt der Celler lachend.
Die Finanzkrise 2008 traf Holger Nothnagel hart: „Ich habe das Handelsblatt morgens aufgeschlagen und gesagt: Es ist alles vorbei.“ Und so war es auch. Er gab seine Arbeit beim Verband auf. Sein Glück: Schon zuvor hatte er durch einen Bekannten einen kleinen Schuhladen eröffnet. So stieg er nach der Pleitewelle ganz in den Handel ein.
„Die Industrie, die früher dein Partner war, ist heute dein schärfster Konkurrent.“
„Man kann aus eigenem Verschulden seinen Beruf niederlegen, wenn man selbstständig ist. Aber es waren immer die äußeren Umstände“, resümiert Holger Nothnagel heute. Erst Lehman Brothers, jetzt das Internet. Junge Kunden blieben zunehmend aus, viele kaufen lieber online. „Das hat nichts mit Celle zu tun. Auch in Hannover gibt es Leerstand.“ Dazu kommt der Preisdruck: Immer mehr Hersteller verkaufen direkt über das Netz. „Die Industrie, die früher dein Partner war, ist heute dein schärfster Konkurrent“, sagt er.
Kuriose Momente im Schuhgeschäft
Zwischen all den Herausforderungen blieb auch Raum für skurrile Momente: Ein Dieb, der nach einem Diebstahl bei Karstadt bis in Nothnagels Laden verfolgt wurde – und dort direkt ein zweites Mal zuschlagen wollte. Ein Kunde, der vom Mittagssalat seiner Verkäuferin aß. Oder ein Besucher, der mit offenem Regenschirm durchs Geschäft lief. „Wenn man jeden Tag mit Menschen zu tun hat, hat man auch jeden Tag seine Erlebnisse“, sagt Holger Nothnagel.
„Wenn man jeden Tag mit Menschen zu tun hat, hat man auch jeden Tag seine Erlebnisse.“
Seinen Abschied nimmt er mit Gelassenheit. Zum Schlussverkauf sind alle Schuhe um 30 bis 50 Prozent reduziert, geöffnet ist dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, samstags bis 15 Uhr. Wie es für ihn weitergeht, ist offen. „Vielleicht mache ich auch einen Pizza-Partyservice auf“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Ich mag Pizza.“





















