"Die mit dem Hund“ im AKH Celle


Begleithund
Foto: Tobias Mull


CELLE. Für manche Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten sind Hunde eine wichtige Hilfe im Alltag. So auch für Karolin Bartels aus Beedenbostel. Sie leidet an lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, ihr Assistenzhund „Ari“ ist eine große Unterstützung und begleitet sie beinahe rund um die Uhr. Zu den regelmäßigen Untersuchungen darf sie den Labrador sogar mit ins AKH Celle nehmen. Dafür wurde nach Angaben des AKH vom Team der Hygiene im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Celle extra eine Leitlinie ausgearbeitet, die den Umgang mit Assistenzhunden im Krankenhaus regelt. Im Jahre 2014 hatte Karolin Bartels einen schweren Autounfall, musste mehrfach reanimiert werden, erlitt starke Prellungen von Herz und Lunge. „Seitdem kämpfe ich mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen – wobei man zwar nicht die Ursache für den Unfall klären konnte, doch alle seltenen genetische Erkrankungen für Herzrhythmusstörungen ausgeschlossen wurden. An den Autounfall selbst habe ich keine Erinnerung“, sagt die 30-Jährige. Zur Unterstützung wurde ihr ein Defibrillator eingesetzt. Wenn das Herz anfängt zu stolpern, kann der Puls bei ihr von normalen 60 bis 80 Schlägen pro Minute auf auch schon mal über 400 Schläge steigen. Hier zittert das Herz nur noch - „Kammerflimmern“. Der Defibrillator sendet dann einen lebensrettenden elektrischen Impuls, um den Herzschlag zu normalisieren. Assistenzhund „Ari“ lernt, solche aufziehenden Attacken bei seinem Frauchen schon im Vorfeld zu spüren und macht Karolin Bartels darauf aufmerksam. „Und auch sonst ist er im Alltag eine Riesenhilfe – er erinnert mich beispielsweise daran, meine Medikamente zu nehmen“, erklärt sie.

Und deshalb ist „Ari“ fast immer an ihrer Seite – auch bei den regelmäßigen Routineuntersuchungen im AKH Celle. „Ein Assistenzhund bei Herzrhythmusstörungen war auch für unser Krankenhaus bisher keine alltägliche Situation, lediglich der Umgang mit Blindenhunden war in der Vergangenheit z.B. bei Besuchern des Krankenhauses schon mal ein Thema“, sagt Stefanie Wolff, Hygienefachkraft des AKH Celle. „Auf die Anfrage der Kardiologie hin, wie mit Assistenzhunden zu verfahren sei, haben wir dann eine entsprechende Regelung erarbeitet, um die Mitnahme des Hundes auch aus hygienischen Gesichtspunkten heraus sicherzustellen.“

Laut den Hygienevorschriften des Robert-Koch-Institutes (RKI) sind Tiere in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes dabei nicht prinzipiell verboten, es seien jedoch nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderliche Maßnahmen der Hygiene zu treffen. „Wir haben uns dabei an die Empfehlung zum hygienegerechten Umgang mit solchen Assistenz-, Begleit- und Therapiehunden in Krankenhäusern und vergleichbaren Einrichtungen von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene orientiert“, erklärt Wolff.

So dürfen aktuell nur speziell als Assistenz- oder Begleithund ausgebildete Hunde im Krankenhaus mitgeführt werden, das Tier muss dabei durch das Tragen einer entsprechenden Kennzeichnung (Kenndecke, Führgeschirr oder Halstuch) als Assistenzhund deutlich erkennbar sein. Außerdem muss der Hund absolut gesund sein. Aus hygienischer Sicht ist ein Assistenzhund unproblematisch, da Bodenbeläge in einem Krankenhaus alle desinfizierend gereinigt werden. Lediglich in OP- Bereichen oder auf Intensivstationen haben Assistenz- und Begleithunde keinen Zutritt. „Ich danke dem AKH, dass mich Ari von Anfang begleiten durfte. Ich bin hier mittlerweile auch schon als ,die mit dem Hund‘ bekannt“, sagt die 30-Jährige mit einem Lachen. Denn den Humor hat die junge Frau aus Beedenbostel auch trotz ihrer schweren Erkrankung nicht verloren. Auch bei der seelischen Verarbeitung ihrer Situation helfe ihr „Ari“, der seit etwas mehr als eineinhalb Jahren ihr Begleiter ist. „Er ist einfach immer da und bringt mich auch öfter mal zum Lachen.“ Immer da war aber auch die Angst vor der nächsten Attacke. 25-mal hat der Defibrillator bereits ausgelöst. 25-mal Ohnmacht und Todesangst. „Ich bekomme dann meist einen komischen Geschmack im Mund, der ganze Körper kribbelt – und mir wird schwarz vor Augen“, sagt die 30- Jährige. Oftmals kam sie dann in die Notaufnahme des AKH. „Da haben sich alle immer rührend um mich gekümmert“, sagt sie. Nach einer kürzlich erfolgten Operation, einer sogenannten Sympathektomie, hat der Defibrillator übrigens nicht mehr ausgelöst. Ins AKH geht Karolin Bartels jetzt nur noch für die routinemäßigen Blutuntersuchungen - dabei stehen vor allem die Blutsalze Kalium und Magnesium im Fokus, ein Mangel kann Herzrhythmusstörungen verstärken oder sogar auslösen. „Auch bei gesunden Menschen kann der Herzschlag kurz aus dem Takt geraten – das muss nicht immer etwas bedeuten. Ob es sich um eine gefährliche Herzrhythmusstörung handelt oder nicht, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt erkennen“, sagt Dr. med. Thomas Uher, Oberarzt der Kardiologie im AKH Celle und betreuender Arzt von Karolin Bartels. „Mittels eines EKG kann bestimmt werden, welche Art von Herzrhythmusstörung vorliegt und ob eine ernsthafte Erkrankung zugrunde liegt, die behandelt werden sollte.“ Die große Hoffnung von Karolin Bartels ist, dass der „Defi“ weiter ruhig bleibt und sie weiterhin das AKH nur für die regelmäßigen Routineuntersuchungen aufsuchen muss – natürlich immer mit „Ari“ an ihrer Seite. „Ich wünsche mir darüber hinaus, dass andere Institutionen und Bereiche der Thematik ,Assistenzhund‘ mit derselben Offenheit begegnen, wie ich es hier im AKH erfahren habe“, so die 30-Jährige abschließend.

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