Celler Schützenmuseum erinnert an Wilhelm Kruke


CELLE. Anlässlich des Internationalen Museumstages am 15. Mai laden das Celler Schützenmuseum sowie der Betreiber des Löns-Breviers, Klaus Engling, zu einem besonderen Sonntagmorgen-Event ein. Zur Erinnerung an den 135. Geburtstag des Celler Malers Wilhelm Kruke (30.01.1887 – 09.02.1978) werden den BesucherInnen im Schützenmuseum von 10:00 – 12:30 Uhr die Gemälde Krukes und auch eine nach einem seiner Bilder gestaltete Briefmarke von Hermann Löns präsentiert. Auch Gitarrenklänge zu Löns und eigene Kompositionen von Klaus Engling werden zu hören sein.

Der Eintritt ist frei.


Über Wilhlem Kruke informiert das Schützenmuseum in einem Rückblick auf sein Leben: Wilhelm Kruke wurde am 30. Januar 1887 in einem kleinen Dorf im Westfälischen, in der Nähe von Lübbecke geboren. Sein Vater hatte dort eine kleine Landwirtschaft. Nach acht Jahren Dorfschule mussten die Schritte frühzeitig in ein Berufs- und Erwerbsleben gelenkt werden. Schon früh war sein Zeichentalent aufgefallen, hatte er doch schon „Aufträge“ ausgeführt: Für zehn Pfennig hatte er für seine Mitschüler Kaiserbilder gezeichnet. Der Beruf des Kunstmalers wurde jedoch für eine „Brotlose Kunst“ gehalten und so kam er zu einem Malermeister in die Lehre. Auch in der Fortbildungsschule, unserer heutigen Berufsschule, fiel er mit seinem Können auf, so dass er nach dem Ende seiner Lehre eine Volontärstelle bei einer hannoverschen Firma erhielt, die an verschiedenen Stellen im Reich öffentliche Aufträge ausführte, die über die allgemeinen Anstricharbeiten hinausführten.


In den Wintermonaten wurde die Kunstgewerbeschule besucht, und bald wechselte Wilhelm Kruke zum Kirchenmaler Ebeling in Hannover. Hier in Hannover erhielt er den entscheidenden Anstoß, der ihn als Zwanzigjährigen zu uns nach Celle führte. In der großen Frühjahrsausstellung 1907 hatte Wilhelm Kricheldorff aus Celle ein Porträt des Senators Hebbeler ausgestellt, von dem Kruke so begeistert war, dass er in Kricheldorffs Werkstatt eintrat. Nachdem er schon eine Reihe von Porträtaufträgen ausgeführt hatte, wobei er sich besonders gerne an die Aufträge aus dem Haus

v. Caron in Eldingen erinnerte – auch zu Studienzwecken nach den Besuchen von Sammlungen in Berlin, Hamburg und Hannover Kopien von Bildern alter Meisterausgeführt hatte – holte ihn der Ausbruch des Weltkriegs von der Staffelei und Leinwand fort. Nach der Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft, aus der sich viele Zeichnungen und Aquarelle erhalten haben, kehrte er 1919 nach Celle zurück. 1922 heiratete Wilhelm Kruke seine Frau Marie, geborene Lüßmann aus Wolthausen. Nun hatte er einen Hafen in der Fritzenwiese gefunden, wo seine Frau den ererbten „Alten Krug“ bewirtschaftete, der vielen als Hort der Gemütlichkeit galt. Hier lebte Wilhelm Kruke bis zu seinem letzten Krankenlager, von dem er am 09. Februar 1978 abberufen wurde.


Die Wirkung Wilhelm Krukes für Celle war eine doppelte. Er hat die Celler Köpfe seiner Epoche porträtiert. Da ist kaum jemand von Bedeutung, von Rang und Namen, der nicht von ihm gemalt wurde. Das Bomann-Museum, die Stadt Celle und auch der Landkreis haben Bilder malen lassen oder später erworben. Immer wieder trifft man auch in den Häusern der Stadt auf Bilder von seiner Hand.


Wilhelm Kruke setzte die Reihe der Schützenkönigsbilder fort, die Wilhelm Kricheldorff 1901 begonnen hatte. Sein erstes Bild entstand im Jahr 1924, also noch mitten in der „Kricheldorffschen Epoche“. Der Grund dafür war, dass Kricheldorff eine vorübergehende Pause eingelegt hatte. In den Jahren 1939-1957 fertigte Kruke 10 weitere Öl-Gemälde für die Galerie der Celler Hauptkönige.

Der ehemalige Direktor des Bomann-Museums Dr. Leister bezeichnete in einem Zeitungsbericht ihr Vorhandensein als einen erstaunlichen Fall. Gerade an ihnen könne die Kontinuität besonders deutlich gemacht werden. Wilhelm Kruke habe diese Aufgabe von Wilhelm Kricheldorff übernommen und sie inzwischen an einen jüngeren Künstler, Herbert Blasek, weitergegeben. Über dieses Gebiet habe es auch hier in jüngster Vergangenheit ironischen Zweifel gegeben, aber nicht jeder, der darüber lächeln zu sollen glaubte, ist sich wohl klar, welch achtungsgebietende Tradition ausgerechnet das „Schützenstück“ in der Geschichte der Malerei hat und wallfahrtet gar nach Hartem zu Meister Frans Hals oder nach Amsterdam zu Meister Rembrandts „Nachtwache“, also zu Schützenbildern.


Da seine Honorarwünsche bescheiden waren, ist auch manches Bild für Familien entstanden, in denen es von vornherein nicht ausgemachte Sache war, sich für die Nachwelt malen zu lassen. Zwischen den Arbeiten des Porträtierens entstanden immer wieder Landschaften, Stillleben und die Kopien der Werke der alten Meister, besonders der Holländer, deren gewissenhafte Malweise ihm immer Vorbild blieb. So spricht heute die Vielzahl seiner Werke in Stuben und öffentlichen Räumen eine beredte Sprache vom Fleiß und handwerklichen Können dieses Malers. Dies alles würde genügen Wilhelm Kruke ein dauerhaftes Gedächtnis zu sichern, als eines Mannes, der sich um Celle und um seine Menschen ein bleibendes kulturelles Verdienst erworben hat. Das würde aber nur einer Seite seines künstlerischen Könnens gerecht werde. Die andere Seite war die Tiefe des Blickes, mit dem der Dargestellte erfasst wurde. So hatte er einmal einen Bildauftrag auszuführen, bei deren Auslieferung Kritik geäußert wurde. Der Mann sei doch etwas Elend geraten, aber in Wirklichkeit ja ganz gesund. Wenige Monate später war der Porträtierte verstorben; inoperabel und unheilbar. Nun war auch das Bild recht. Wilhelm Kruke sah bei seinem Gegenüber mehr, als anderen Menschen zu sehen vergönnt war….

Und dieses Mehr, das malte er. Nicht jedem wurde es erkennbar. Er konnte leere Gesichter malen:

„Wenn da nichts ist, was soll man da malen?“ Und auch diese Bilder waren ehrlich und ähnlich im höheren Sinn. Sicher, die alten Meister waren sein Vorbild, ihre handwerkliche Gewissenhaftigkeit seine Devise. Doch tief im Inneren war er Impressionist. In ihm vermischten sich intensiv eine Art französischer Eleganz und Leichtigkeit mit westfälisch-niederdeutschem Tiefgang. Wilhelm Kruke war ein Glücksfall für Celle, was im zeitlichen Abstand immer deutlicher wurde. Er malte die Menschen ohne Maske. In seinem Nachlass fand sich ein Brief mit einem Gedicht. Darin wird etwas ausgesagt über das persönliche Berührtsein, in dem Künstlerisches allemal immer noch stärker reflektiert wird als in noch so klugen Betrachtungen:


Du hast, gemalt in schweren Zeiten,

Der Mutter Bildnis mir gesandt.

Nun Blick ich im Vorüberschreiten

Nur immer wieder nach der Wand.

Ich seh’ sie dort am Fenster stehen

Im alten Haus, in dem Idyll,

Und weiß, nun kann mir nichts geschehen

Du bist ja da. Ich bin ganz still.

(H.F., Berlin, 1942)


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