Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Winsen: Wird der Ort zu "Klein Marzahn"?
- Sheenara Wiebke
- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag

WINSEN/ALLER. Voll war es am Donnerstagabend in der Mensa der Grundschule Winsen (Aller). Der Sozialverband (SoVD) hat zur Bürgermeisterfragerunde geladen – und die Bürger waren gekommen. Die Stühle waren schnell besetzt. Auf Tischen und in den Gängen fanden die Besucherinnen und Besucher noch Platz und verfolgten die knapp zweistündige Diskussion zur Kommunalwahl am 13. September. Zu besprechen gab es einiges: Etwa fehlender Wohnraum und Ortsräte, über deren Beschlüsse hinweg entschieden worden sei.
Rede und Antwort standen Olav Mangels (SPD), Burkhard Hoppenstedt (CDU) und Bernd Hogreve (ehemals SPD, nun parteilos). SoVD-Gastgeberin Yvonne Trost freute sich über so viel Auswahl für Winsen. "Wir haben tatsächlich drei Bürgermeisterkandidaten. Das ist nicht selbstverständlich. Den Job will sonst keiner machen", sagt sie mit einem Augenzwinkern.
"Skandal" um Ortsräte
Nach kurzer Vorstellungsrunde folgte prompt das erste Streitthema: Der Umgang der Gemeinde Winsen mit den Ortsräten der Außendörfer. Bereits 2020 entschied der Winser Rat, die Ortsräte Meißendorf, Walle, Südwinsen, Thören/Bannetze sowie Wolthausen/Stedden auf jeweils fünf Mitglieder zu verkleinern. Die Entscheidung stieß auf Widerspruch aus den Dörfern – und damals auch bei der CDU-Fraktion.

Am Donnerstag zeigten die Winser Bürgermeisterkandidaten auf die Frage, ob die Ortsräte erhalten bleiben sollten, zunächst Einigkeit: Auch der amtierende stellvertretende Bürgermeister Olav Mangels sprach sich für den Erhalt der Ortsräte aus. Daraufhin kritisierte ihn Burkhard Hoppenstedt scharf.
Anlass war die Entscheidung über ein neues Baugebiet in Wolthausen im Jahr 2021. Burkhard Hoppenstedt, der selbst aus Wolthausen kommt und dort im Ortsrat sitzt, warf der Gemeinde vor, sich über den Beschluss des Ortsrats hinweggesetzt zu haben. Für Burkhard Hoppenstedt ein "Skandal". "An einer wirklich stark befahrenen Straße ein einzügiges Baugebiet zu erschließen, anstatt in ruhiger Wohnlage, das erschließt sich mir nicht", sagte Burkhard Hoppenstedt. Die Gemeinde habe ihm dabei "nicht ein einziges schlüssiges Argument" nennen können.
Olav Mangels begründete die Entscheidung damit, dass die Gemeinde den Ortskern von Wolthausen habe schließen wollen. Grundsätzlich, betonte Olav Mangels, folge die Gemeinde "zu 99 Prozent den Entscheidungen des Ortsrats".
Zuschauer konnten ihre Fragen direkt an die Kandidaten richten. (Foto: Sheenara Wiebke) CelleHeute-Geschäftsführerin Audrey-Lynn Struck (rechts) moderierte die Diskussion.
Winsen an der Aller – bald "Klein Marzahn"?
Ähnlich brisant ging es beim Thema Wohnen weiter. Als es um möglichen Neubau ging, sprach sich Olav Mangels gegen eine Erweiterung des Ortskerns aus. Winsen solle nicht zu "Klein Marzahn" werden, so der stellvertretende Bürgermeister.
Winser Unternehmerin Bettina Hornbostel meldete sich darauf aus dem Publikum zu Wort: Sie wünsche sich mehr kleinere Wohnungen für Winsen – und berichtete: "Ich habe zwei Mitarbeiter, die aus dieser Gemeinde weggezogen sind, weil sie keine bezahlbare Wohnung gefunden haben, in der Größenordnung von 48 bis 60 Quadratmetern."
Burkhard Hoppenstedt sah es ähnlich wie Bettina Hornbostel. Mit Blick auf den demografischen Wandel forderte er mehr günstige Wohnungen, die um die 50 Quadratmeter groß und im Dorfkern gelegen sind. "Menschen, die in der Gemeinde alt werden wollen, die wollen auch, wenn sie kein Auto mehr fahren können, zum Einkaufsladen gehen."
In Hinblick auf Olav Mangels Sorge, Winsen könne "Klein Marzahn" werden, verweist er außerdem auf eine Klausel im Landesraumordnungsprogramm. Demnach dürfen kleine Orte innerhalb von zehn Jahren nur um fünf Prozent wachsen. "Das sind 15 Wohneinheiten", so Burkhard Hoppenstedt.

Schlusswort und ein deutlicher Applaus
Zum Abschluss warben alle drei Kandidaten noch einmal um die Unterstützung der Anwesenden – mit unterschiedlichen Akzenten. Bernd Hogreve setzte auf Zusammenhalt: "Wir müssen näher zusammenrücken. Wir müssen menschlich zueinander sein. Gucken, wo wir jetzt sind und dieses Jetzt pflegen und ausarbeiten."
Olav Mangels stellte seine persönliche Verbundenheit mit Winsen in den Mittelpunkt: "Ich bin ein Winser Jung, ich bin hier aufgewachsen und liebe unsere Gemeinde. Ich möchte, dass meine Kinder ein gutes Leben hier haben – genauso wie ich es hier habe."
Burkhard Hoppenstedt gab sich kämpferisch und direkt: "Ich hab richtig Bock drauf, unsere Gemeinde mit euch weiterzuentwickeln. Ich bin kommunikativ, ich kann Verantwortung, ich kann mit Menschen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich unterstützen."
Dem Applaus nach zu urteilen, hatte der Abend in der Mensa der Grundschule Winsen einen deutlichen Gewinner. Ob die Stimmung in der restlichen Gemeinde ähnlich ausfällt, entscheidet sich am 13. September an den Wahlurnen.














