Bücherschreiben geht nur mit Herz – das kann KI nicht leisten
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- 19. Aug.
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LANGLINGEN. Für zwei Tage verwandelte sich das Allerhaus in Langlingen in ein Mekka für Bücherfreunde. Dreißig Autorinnen und Autoren aus dem Landkreis Celle, aus Braunschweig, Gifhorn und Hannover präsentierten ihre Romane und Erzählungen bei der ersten "Bücher(T)räume" quer durch alle Genres.
Auch wenn der Besucherstrom am Samstag noch etwas spärlich lief, war die Stimmung unter den Ausstellenden gut. "Zum einen hat man so mehr Zeit, sich mit den einzelnen Gästen ausgiebig zu unterhalten, und zum anderen ist es immer wieder eine Freude, Kontakte zu neuen Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen und sich auszutauschen", zog Krimiautorin Heike Wolpert, die für ihre "Kater Socke"-Romane bekannt ist, das Fazit. Sie reiste zusammen mit fünf weiteren "Mörderischen Schwestern" der Regionalgruppe Hannover extra aus der Landeshauptstadt an.
Im Nachbarraum tummelten sich die übrigen Genres, die von Kinderbuch bis Kurzgeschichte, von Romance bis Fantasy und Historienroman reichten. Viele der anwesenden Autorinnen und Autoren nutzten die Gelegenheit, ihre Werke in Kurzlesungen zu präsentieren. Dank des guten Wetters fanden diese draußen im Garten statt.

Am meisten Zulauf hatte dabei ohne Frage der erst zehnjährige Malik Ekinci, der in diesem Jahr das Kinder-Fantasybuch "Die 4c Ninjas: das Spiegelgeheimnis" als Selfpublisher herausgebracht hat, unterstützt von seinen Eltern – und einer KI. Damit geht die Familie sehr offen um. "Ich hatte die Idee und die Handlung zu der Geschichte im Kopf. Wir haben die KI mit den Infos gefüttert und sie hat ein Kapitel geschrieben. Das haben mein Vater und ich dann überarbeitet", erklärt der frischgebackene Schüler am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium die Arbeitsweise. Ideen für ein zweites und ein drittes Buch hat Malik auch schon.
Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Buchbranche war auch Thema der Diskussionsrunde "Kann KI besser schreiben". Sowohl die Celler Thriller-Autorin Dany Frost als auch die bekannte Podcasterin Marieke Bruns ("Puppies and Crime") aus Berlin hielten ein starkes Plädoyer für selbstgeschriebene Texte, gaben allerdings zu, Tools wie ChatGPT für Recherchezwecke und Rechtschreib- oder Grammatikfragen zu nutzen.
Der Celler Autor und Computerexperte Roland Balzer betonte, dass die Entwicklung unumkehrbar sei. Das Publikum befand, dass es nicht nur auf die Ideen eines Autors ankomme, sondern vor allem auf seinen unverwechselbaren Schreibstil.
"Der Tenor ging sehr stark dahin, dass Bücherschreiben nur mit Herz geht – das kann keine KI leisten", beschreibt Martina Hancke, die die Moderation führte, das Ergebnis. Sie ließ es sich nicht nehmen, die Probe aufs Exempel zu machen und stellte dem Publikum zwei Gedichte vor: eines von Goethe, eines von ChatGPT verfasst. Rund 40 Prozent der Zuhörenden hielt das KI-Gedicht für einen echten Goethe. "Vielleicht brauchen wir in Zukunft ein Gütesiegel für von Menschen geschriebene Texte", so die Celler Krimiautorin, "etwas in der Art von 'Human Intelligence - menschlich erdacht, menschlich erzählt'."
Menschlich wurde es auch am Samstagabend beim Poetry Slam. Sechs Wortkünstlerinnen und -künstler traten in zwei Gruppen gegeneinander an und präsentierten zum Teil sehr persönliche Texte.

Das Publikum honorierte am Ende die berührende Selbstdarstellung "Die Stille" von Andrea Lüchau, die ihre innere Gedankenwelt als Kind beschrieb, das von dem "Sicherheitsbeauftragten" in seinem Kopf immer wieder ausgebremst wurde. Als zweiter Sieger wurde Thomas Kremer mit seiner schwarzhumorigen Fantasystory "Der Auftrag" gekürt, in der ein Dschinn seinen Meister übers Ohr haut.
Initiiert wurde die "Buch(T)räume" von Ilena Grote vom Förderverein Langlinger Dorfleben, unterstützt von ihrem Mann Frank, der seit 2019 Vorsitzender des Vereins ist.
Ilena Grote schreibt selbst und gehört dem SchreibNetzwerk Celle an: "Die Idee einer Buchmesse fand ich so inspirierend, dass ich sie unbedingt umsetzen wollte." Von der Akquise über das Marketing bis zu einem Quiz für das originellste Buchcover hat die engagierte Langlingerin die komplette Organisation geleitet. Die gelungene Veranstaltung bestärkt sie in der Prognose: "In zwei Jahren wird es eine Wiederholung geben."
Für das Jahr 2027 arbeitet das SchreibNetzwerk Celle an der Umsetzung einer Buchmesse direkt in Celle.
Text: Martina Hancke














