Brandmeister vom Dienst: 24/7 im Ehrenamt seit 50 Jahren


Fotos: Feuerwehr Celle

CELLE. Seit nunmehr 50 Jahren gibt es in Celle den Brandmeister vom Dienst, kurz BvD genannt. Führungskräfte der Ortsfeuerwehr Celle-Hauptwache stehen wöchentlich rund um die Uhr für Einsätze und Führungsaufgaben bereit, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag - ehrenamtlich!


Notwendig wurde diese Einrichtung 1972, da in der Feuerwehr Celle immer mehr Einsätze bewältigt werden mussten. Der damalige Ortsbrandmeister suchte nach einer Lösung und so entwickelte die Freiwillige Feuerwehr Celle dieses Konzept. Sie war damit eine der ersten Freiwilligen Feuerwehren mit einem eigenständigen Einsatzleiter und einem dazugehörigen Fahrzeug.


Bei Einführung des BvD 1972 rückte der dieser zu rund 100 Einsätzen im Jahr aus. Die Einsatzzahlen stiegen jedoch stetig, sodass es heute bis zu 500 Einsätze jährlich sind, die der BvD als Einsatzleiter leitet oder begleitet. So führt er auch außerhalb des Einsatzgebietes der Ortsfeuerwehr Celle-Hauptwache grundsätzlich die Kräfte dieser Ortsfeuerwehr. Der BvD übernimmt die Einsatzleitung im Stadtgebiet bei Einsätzen mit den anderen acht Ortsfeuerwehren der Stadt, wenn der zuständige Ortsbrandmeister oder Stellvertreter der zuständigen Ortsfeuerwehr nicht anwesend ist und sich die Ortsfeuerwehr Celle-Hauptwache mit im Einsatz befindet. In Absprache mit dem zuständigen Einsatzleiter kann der BvD bei größeren Einsätzen auch die Aufgabe eines Abschnittsleiters übernehmen oder den zuständigen Einsatzleiter fachlich beraten.


Das Einsatzgeschehen umfasst hierbei von der Auslösung einer Brandmeldeanlage bis zum Großfeuer, von der Türöffnung bis zum schweren Verkehrsunfall das tägliche Einsatzgeschehen einer städtischen Feuerwehr. Hervorheben muss man die ausschließlich ehrenamtliche Tätigkeit des Brandmeisters vom Dienst, die von Führungskräften mit einer sehr hohen Verantwortung für Leib und Leben, Umwelt und Sachwerten wahrgenommen wird.


Der diensthabende BvD führt hierbei ständig ein eigenes Einsatzfahrzeug mit sich und darf die Stadt Celle nicht verlassen. Dabei ist hervorzuheben, dass dieses Fahrzeug ausschließlich vom BvD besetzt wird, er fungiert also als "Einzelkämpfer", anders als bei Berufsfeuerwehren, deren Besetzung aus einem Fahrer/Führungsassistent und dem Einsatzleiter besteht. Bei größeren Einsätzen wird der BvD heute im Rendezvous-System an der Einsatzstelle durch Mitglieder der Führungsgruppe Einsatzleitung der Feuerwehr Celle unterstützt.


1972 teilten sich die vier Zugführer und der Ortsbrandmeister die BvD-Dienste und somit fünf Führungskräfte, die sich wöchentlich abwechselten. Als erstes Einsatzfahrzeug wurde von 1972 bis 1980 ein Opel Rekord Caravan genutzt, als wesentliche Ausstattung ein Funkgerät und ein paar Feuerlöscher sowie ein Erste Hilfe-Kasten. Bei Indienststellung 1972 war das Fahrzeug in leuchtendem Rot lackiert, die Farbe war jedoch so schlecht, dass das Fahrzeug nach zwei Jahren umlackiert wurde in rot/weiß. Der erste Funkrufname des BvD war Florian Celle 15.


Ab 1980 wurden dann andere Fahrzeuge und mehr Personal eingesetzt. Zunächst wurden VW T 3 als BvD Fahrzeuge beschafft, die dann in einer Rotation von 3-4 Jahren als Mannschaftstransportwagen in die neun Ortsfeuerwehren der Stadt übergingen. So hatte der Brandmeister vom Dienst immer ein relativ neues Fahrzeug zur Verfügung. Auch die stellvertretenden Zugführer und der Stadtbrandmeister kamen als BvD hinzu, so erhöhte sich die Anzahl der Führungskräfte auf 13, die im wöchentlichen Wechsel den Dienst versehen. Nunmehr lautete der Funkrufname Florian Celle 10-62.


Rund 50 Führungskräfte bewältigten mehr als 13.000 Einsätze in den vergangenen 50 Jahren. Durch diese Routine wurde die Leitung eines Einsatzes durch die Führungskraft immer professioneller. "Zu jedem Problem hat der BvD die passende Lösung", so die Feuerwehr Celle. Nachdem allerdings immer mehr Ausrüstung auf dem Einsatzleitwagen (ELW) untergebracht werden musste, entschied sich die Feuerwehr Celle 2005 ein fest eingeplantes Fahrzeug für den BvD zu beschaffen. Hierbei handelte es sich um einen Mercedes Vito, des als ELW 1 ausgebaut wurde.


Ende 2021 übernahm die Freiwillige Feuerwehr Celle einen neuen Einsatzleitwagen 1 (ELW 1). Das neue Fahrzeug konnte im Februar 2022 in den Einsatzdienst gehen. Das Fahrzeug trägt den Funkrufnamen "Florian Celle 10/11/1". Als Fahrgestell dient ein Mercedes Benz Vito Tourer mit einer Leistung von 110 KW. Der feuerwehrtechnische Ausbau erfolgte durch die Firma compoint Fahrzeugbau aus Forchheim. Die Länge des ELW 1 beträgt 5140 mm, die Breite 1928 mm und die Höhe 2180 mm.


Das Fahrzeug wurde speziell für die Belange der Celler Feuerwehr konzipiert. So dient er als Zubringerfahrzeug des BvD zur Einsatzstelle und ist hierzu mit moderner Technik zur Unterstützung des BvD bereits während der Anfahrt ausgestattet, so befinden sich im Sichtbereich des Fahrers mehrere Monitore, die ihn über einsatzspezifische Daten informieren. Eine Digitalfunk-Statusauswertung der städtischen Fahrzeuge informiert den BvD z.B. über die ausgerückten Einsatzfahrzeuge. Außerdem verfügt das Fahrzeug über eine Einsatznavigation Navi Lardis One, über die auch die Funktechnik gesteuert werden kann.


An der Einsatzstelle kann der neue Einsatzleitwagen 1 zur Unterstützung des Einsatzleiters genutzt werden und verfügt daher über moderne Einsatzleittechnik, einen Besprechungsraum und zwei PC-Arbeitsplätze und ein Tablet-PC. Des Weiteren kann ein gemeinsames Netzwerk zwischen dem "großen Bruder" dem Einsatzleitwagen 2 der Feuerwehr Celle und dem Stabsraum der Celler Feuerwehr erfolgen. Ebenfalls führt das Fahrzeug drei MRT (fest im Fahrzeug verbaute Funkgeräte) mit Antennenkoppler und sechs HRT (Handsprechfunkgeräte) mit. Eine Motorlaufweiterschaltung ermöglicht das Weiterlaufen des Motors nach Abziehen des Zündschlüssels.


Ergänzt wird die Ausstattung des neuen Fahrzeuges durch eine VoIP Telefonanlage, Internetzugang über Mobilfunk, einen Multifunktionsdrucker (Drucker & Scanner), einen Suchscheinwerfer und Umfeldbeleuchtung, Innenraumbeleuchtung mit Umschaltung Weiß/Grün und eine Durchsagemöglichkeit über den Blaulichtbalken. Zur weiteren Ausrüstung zählen zwei Adalit Leuchten, diverses Handwerkzeug und Feuerlöscher, Desinfektionsbehälter und ein Megafon.






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