Bibliotheksgesellschaft kürt über 600 Lese-Experten


Foto: Peter Müller

CELLE. Sie waren alle zusammengekommen um gemeinsam ein großes Abschlussfest zu feiern: Lese-Experten und Bibliotheksvertreter aus Stadt und Landkreis Celle gaben sich ein Stelldichein mit politischen Vertretern der Stadt und des Landkreises, den Sponsoren und Förderern des Projektes und Vertretern der Bibliotheksgesellschaft Celle inklusive des rührigen Arbeitskreises.


Schlagartig wichen leise gemurmelte Gespräche gespannter Erwartung, als der erste Auftritt der Magical Kids, einem Kinderchor- und Danceprojekt unter der Leitung von Niels Marquardt, den Startschuss in der voll besetzten Alten Exerzierhalle gab.


Petra Moderow, Leiterin der Stadtbibliothek Celle, führte die Gäste in die Welt der Zahlen ein, die ein solches Projekt immer mit sich bringt. Sie blickte zurück auf den zweiten Durchgang der Lese-Experten in modernisierter Form. Besonders erfreulich für alle Beteiligten, ist die deutliche landkreisweite Steigerung der Anmeldezahlen um fünfzig Prozent auf etwas über 1200 Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr. Zusätzlich erfreulich: Jede teilnehmende Bibliothek zeichnet Lese-Experten aus. Insgesamt werden gut doppelt so viele Lese-Experten ausgezeichnet, wie nach dem jüngsten Durchgang. Etwas mehr als 600 teilnehmende Kinder werden sich zukünftig Lese-Experte nennen dürfen.


Der Bürgermeister der Stadt Celle, Alexander Wille, begann sein Grußwort mit einem Lob der Magical Kids für ihren großartigen Auftritt zu Beginn ebenso wie anerkennender Worte für die Stick Connection, die die Alte Exerzierhalle bravourös akustisch fülle und begrüßte den Rest der Anwesenden, „die Lesen klasse finden.“. Für die frisch gebackenen Lese-Experten wünscht er sich, dass sie auch ohne Lesebelohnung weiterlesen und immer ein spannendes, fesselndes oder mitreißendes Buch auf dem Nachttisch liegen haben werden.


Der Schirmherr des Projektes, Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, griff diesen Schlusssatz sofort auf und knüpfte mit seinem Festvortrag nahtlos an das Grußwort des Bürgermeisters an. Er selbst habe in seinem Leben die Erfahrung gemacht, das es sogar noch viel besser sei, immer ein Buch dabei zu haben: „Du weißt nie, wann du einmal warten musst. Mit einem Buch ist es nie langweilig, es sei denn, das Buch ist langweilig", gab er den Kindern mit auf den Weg.


Prof. Reemtsma, unter anderem Gründer der „Arno-Schmidt-Stiftung“ in Bargfeld berichtete den Kindern aus seiner Kindheit, er habe immer vorgelesen bekommen, und als er selbst lesen konnte, habe er einfach weitergemacht. Denn: Lesen sei eine Kulturtechnik wie das Feuer oder die Erfindung des Rades oder die Digitalisierung – Lesen werde gebraucht, um sich in der Welt zurecht zu finden. Da niemand die ganze Welt bereisen könne, um jede mögliche Erfahrung selbst zu machen, stelle er sich Bücher gerne als Container für Lebenserfahrung vor, die den Leser in wahre oder erfundene Welten entführt. So sieht er sich als Figur inmitten des Wimmelbildes, das das Leben ist. Jedes zusätzlich gelesene Buch vergrößere den sichtbaren Ausschnitt diese Bildes endete er sehr anschaulich.


Erneut eingetrommelt von der Stick Connection, dem Percussionensemble der Kreismusikschule unter der Leitung von Jörg Roßmann, und moderiert von Petra Moderow hatten die ersten Lese-Experten ihren großen Auftritt. In jeder der teilnehmenden Bibliotheken hat mindestens ein frischgebackener Lese-Experte mehr als zehn der vorgeschlagenen Bücher gelesen und dazu auch das Quiz gelöst. Fünfunddreißig Schülerinnen und Schüler haben diese besondere, preiswürdige Leseleistung erbracht und sind vom Arbeitskreis der Bibliotheksgesellschaft mit einem Buchgutschein belohnt worden. Das eigene Losglück entschied, ob der Gewinn eines weiteren zusätzlichen Preises der Tombola diese Lese-Experten zum Minigolf, ins Kino oder in die Eisdiele führen würde.


Etwa die Hälfte aller Kinder hatte sich mit der gesamten Klasse für das Lese-Experten-Projekt angemeldet. Dabei stand es jeder Klasse frei, wie sie das Vorhaben umsetzen würde. Entweder mit einer Klassenlektüre und einem dazugehörigen Projekt – dafür haben sich zehn Klassen entschieden – oder als Einzel-Experten-Klasse – dafür haben sich sechs Klassen entschieden. Von den insgesamt vierunddreißig teilnehmenden Schulklassen aus acht unterschiedlichen Schulen hat die Hälfte einen Klassenpreis gewonnen, der bei der Abschlussveranstaltung in Celle ausgelost worden ist. Vertreter der anwesenden Klassen zogen ebenfalls Lose. Diesmal gab es Schreibwerkstätten, Theaterwerkstätten oder Geld für die Klassenkasse zu gewinnen.


Im Rahmen einer Ausstellung konnten die sehr gelungenen Klassenprojekte während der gesamten Veranstaltung betrachtet werden. Auch einen Überblick über das landkreisweit gespannte Netz der Zusammenarbeitenden wurde angeboten. Auf einer Landkarte des Landkreises Celle, markiert mit allen eingeladenen Schulen und den elf teilnehmenden Bibliotheken mit vierzehn Standorten und vielen Haltepunkten - sogar die Routen des Bücherbusses des Landkreises waren hervorgehoben - wurde deutlich, wer alles an diesem Erfolg beteiligt war.


Wie nebenbei bestimmen die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des Lese-Experten-Projektes über das Ausleihen der Lese-Experten-Bücher in den Bibliotheken ihre Lieblingsbücher. Insgesamt wurden alle Titel der Lese-Experten-Bücher landkreisweit 3800 mal ausgeliehen. Demgegenüber sind „nur“ 1900 Quiz bearbeitet worden. Aber: Die Lieblingsbücher der Kinder sind analog und digital die Gleichen! Auf den ersten fünf Plätzen finden sich sogar gleich sechs Bücher.


Mit deutlichem Abstand auf Platz 1 wurde „Chaos im Nether - Tagebuch eines Kriegers“ von Cube Kid am häufigsten ausgeliehen und ist damit das absolute Lieblingsbuch aller Lese-Experten. Es folgt auf Platz 2 „Club der Heldinnen - Entführung im Internat“ von Nina Weger. Platz 3 teilen sich „Messi“ von Simon Mugford und „Jeden Freitag die Welt bewegen – Gretas Geschichte“ von Viviana Mazza. Auf Platz 4 folgt „Nichts als Ärger – Planet Omar“ von Zanib Mian und „Peace Maker“ von Malorie Blackmann auf Platz 5.


Rainer Petzold, dem ersten Vorsitzenden der Bibliotheksgesellschaft Celle fiel das Schlusswort zu. Er wies darauf hin, dass es der Bibliotheksgesellschaft Celle nur dank finanzieller Unterstützung von Sponsoren möglich sei, das Projekt Lese-Experten durchzuführen und am Leben zu erhalten. Nur so können den Bibliotheken in Stadt und Landkreis Buchpakete geschenkt werden, die einen wichtigen Baustein der Lese-Experten bilden. Andere Förderer, wie die Stadtwerke Celle, stellen Sachpreise zur Verfügung, die den Lese-Experten Freude bereiten. Ein großer Dank gilt den musikalischen Unterstützern des Abschlussfestes: Die Kreismusikschule, vertreten durch die Stick Connection, und die Magical Kids haben nicht nur den Kindern einen unvergesslichen Vormittag beschert. Hoffnungsvoll blicke die Bibliotheksgesellschaft in die Zukunft und bleibe im besten Wortsinn Wiederholungstäter für die Sache des Lesens, schloss Rainer Petzold.


Nach einem fetzigen musikalischen Abschluss der Stick Connection waren die Lese-Experten endlich aufgerufen an den Ausgabestandorten ihre Urkunden und einen Gutschein für das Celler Badeland in Empfang zu nehmen und sich ein Buch von den Büchertischen als Geschenk mitzunehmen. Die Bibliotheken aus Stadt und Landkreis waren gewappnet für den Ansturm ihrer Lese-Experten, standen ihnen doch viele helfende Hände aus dem Arbeitskreis der Bibliotheksgesellschaft zur Seite.






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