28 Jahre nach Zugunglück in Eschede: Bewegende Gedenkfeier mit Bahnchefin Palla
- Stefan Kübler
- vor 4 Stunden
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ESCHEDE. An der Gedenkstätte in Eschede ist zum 28. Jahrestag des Zugunglücks der Opfer und Getöteten gedacht worden. Neben Überlebenden, Hinterbliebenen und Bahnmitarbeitenden nahmen in diesem Jahr nicht nur der ehemalige Bahnchef Richard Lutz, sondern auch die neue Konzernchefin Evelyn Palla an der Gedenkstunde teil. Die berührende Feier machte deutlich, dass das Unglück in den Köpfen vieler Menschen und auch bei der Deutschen Bahn immer noch präsent ist.
„Die Zeit heilt alle Wunden, aber Narben bleiben.“
Heinrich Löwen, Opfervertreter und Sprecher der Selbsthilfe Eschede, bezeichnete das Zugunglück von Eschede als einen Tag, der das Leben vieler Menschen von einer Sekunde auf die andere verändert habe. Er selbst verlor Ehefrau und Tochter bei dem Unfall. „Es war eine unvorstellbare Situation, die niemand so erwarten konnte“, sagte er. Vor Ort habe Chaos geherrscht, es habe ein Gewirr von Trümmern gegeben. Unvergesslich, grauenhaft, nicht wieder gut zu machen. „Die Zeit heilt alle Wunden, aber Narben bleiben.“
Dankbarkeit für gute Entwicklung des Gedenkens
Erfreut zeigte sich der Opfervertreter über die Entwicklung des Gedenkens der vergangenen Jahre. Die Gedenkstätte mit allen Namen der Getöteten sei wichtig. Viele Kinder seien darunter gewesen. Auch für das heute gute Verhältnis zur Deutschen Bahn sei er dankbar. Der Konzern habe sich erst 15 Jahre nach dem Unglück offiziell entschuldigt, das habe aber viel bewegt. „Die Bahn heute ist nicht mehr die Bahn von 1998“, sagte Heinrich Löwen. „Von den Zugbegleitern bis zur Bahnspitze hat sich Frieden eingestellt und dafür bin ich dankbar.“

„Für uns gibt es ein davor und ein danach.“
Für die Belegschaft der Deutschen Bahn sprach Zugchefin Angelique Koch, denn zu den 101 Getöteten des Unglücks gehören auch sieben Mitarbeitende der Bahn. Angelique Koch erzählte vorab, dass sie wenige Stunden vor dem Unfall einige der Kolleginnen und Kollegen in Fulda verabschiedet hatte und später von deren Tod hören musste. „Für uns gibt es ein davor und ein danach“, sagte sie in ihrer Ansprache. Etwas sicher Geglaubtes sei plötzlich nicht mehr sicher gewesen. Umso dankbarer sei sie für den Gedenkort in Eschede. „Hier spürt man die unsichtbare Hand im Rücken, die Halt gibt.“
Fester Termin für ehemaligen Bahnchef Lutz
Zum Abschluss gedachte Eschedes Pastorin Fransiska Baden mit einem Gebet und dem Vaterunser der Opfer des Zugunglücks. Zur Gedenkfeier angereist war auch der ehemalige Bahnchef Richard Lutz. Er machte am Rande der Veranstaltung deutlich, dass sich über die Jahre eine feste Verbundenheit zu den Betroffenen des Unfalls entwickelt habe. „Die Menschen sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe den Termin fest im Kalender“, sagte er.
Erstes Eschede-Gedenken für neue Bahnchefin Palla
Tief berührt zeigte sich die aktuelle Chefin der Deutschen Bahn Evelyn Palla bei ihrem Besuch der Gedenkveranstaltung. Einen offiziellen Redebeitrag hatte sie nicht, doch nach den Ansprachen stand sie minutenlang allein vor der Gedenktafel mit den Namen der Getöteten und sprach im Anschluss mit Opfervertretern, Hinterbliebenen und Bahnmitarbeitenden. „Ich habe das als sehr ergreifend empfunden“, sagte sie. „Ich bin dankbar für diesen würdigen Ort des Gedenkens. Es ist wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen und innehalten.“ Auf die Frage, ob dieser Termin nun auch fest in ihrem Terminplan stehen wird, antwortete sie: „Davon können Sie ausgehen.“
Das Zugunglück von Eschede
Am 3. Juni 1998 um 10.59 Uhr prallte der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ gegen die Pfeiler der Bahnbrücke in Eschede, nachdem ihm zuvor bei Tempo 200 ein Radreifen gebrochen war. Die Brücke stürzte zusammen, die Waggons schoben sich ineinander. 101 Menschen kamen ums Leben, 105 wurden verletzt. Zum 15. Jahrestag des Unglücks entschuldigte sich der damalige Bahnchef Rüdiger Grube offiziell bei Opfern und Angehörigen. Sein Nachfolger Richard Lutz bat später noch einmal um Verzeihung.














