„Übersteigerte Wokeness führt letztlich zum Ende der Kunst“

CELLE. Wenn „Emmi & Herr Willnowsky“ am kommenden Samstag, 17. Oktober, um 20 Uhr auf ihrer 30-Jahre-Jubiläumstour in der Celler CD-Kaserne auftreten (die Veranstaltung ist fast ausgebucht, es gibt nur wenige Restkarten), so ist das für „Emmi“ eine Rückkehr in die alte Heimat. „Emmi“ heißt im richtigen Leben Christoph Dompke und wuchs in Celle auf. In der hiesigen Stadtbibliothek begann er mit 16 Jahren seine Ausbildung als Assistent an Öffentlichen Bibliotheken, übernahm eine Kleinstrolle am Schlosstheater, gründete eine freie Theatergruppe – und startete so sein Bühnenleben.
Der Zivildienst führte Dompke schließlich nach Hamburg. Dort brachte er es anschließend – neben der Arbeit in einer Bibliothek – auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur und danach zum Studium von Musikwissenschaft und Germanistik (mit Schwerpunkt Theaterwissenschaften) und dem Doktortitel. Im Duo „Emmi und Bertie“ (mit Hans Peter Reutte) absolvierte er erste Auftritte in den Kleinkunsttheatern der Hansestadt und war auch damals schon in Celles „Kunst & Bühne“ zu erleben.
Kiez-Kult-Duo seit 30 Jahren auf deutschen Bühnen aktiv
Seit 1996 ist Christoph Dompke mit Bühnenpartner Christian Willner und mit Unterstützung von Komiker Thomas Hermanns („Quatsch Comedy Club“) deutschlandweit als „Emmi & Herr Willnowsky“ unterwegs. Bekannt wurden die beiden im Hamburger Reeperbahn-Theater Schmidts Tivoli. Als steinalte Opernsängerin und klavierspielender Spätaussiedler traten die beiden auch immer wieder in Dompkes alter Heimat Celle auf.
Die Ehe und der Ehekrieg sind zentrale Themen des Bühnenprogramms von „Emmi & Herrn Willnowsky“. Dass es dabei auch schlüpfrige Gags gibt, versteht sich für das Kiez-Kult-Duo von selbst. Das findet nicht jeder gut - das „Grundrauschen“ habe sich in den 30 Jahren der Bühnenpräsenz von Emmi und Herrn Willnowski verändert, meint Dompke. „Die Idee hinter der Wokeness verstehe ich ja“, sagt der Damenimitator und Kulturwissenschaftler. „Wir sollten und wollen alle gut miteinander auskommen.“ Doch in ihrer Übersteigerung führe diese Idee zum Ende der Kunst, denn „ein Witz beruht oft darauf, dass man sich über bestimmte Gruppen lustig macht“.

Überhaupt sind die Zeiten härter als zu Beginn seiner Bühnenkarriere, meint Dompke. Für Neulinge sei der Einstieg ins Unterhaltungsgeschäft schwieriger geworden. „Als wir vor 30 Jahren in Hamburg angefangen haben, gab es da ganz viele kleine Bühnen, jetzt sind es weit weniger.“ Den Leuten sitze das Geld auch nicht mehr so locker in der Tasche; „sie kaufen kurzfristiger Karten“.
Neben seinen Comedy-Auftritten rezensiert Christoph Dompke Filmbücher für die Zeitschrift „epd-Film“. Und als Bewunderer der Filmdiven früherer Zeiten schrieb er das Buch „Alte Frauen in schlechten Filmen“: Große Schauspielerinnen wie Pola Negri oder Joan Crawford waren zum Ende ihrer Karriere nur noch in eher mittelmäßigen Filmen zu sehen, weil ihnen andere Rollen nicht mehr angeboten wurden. In einer überarbeiteten Neuausgabe seines Buches kann Dompke immerhin einen Zeitenwandel feststellen: Heutzutage sehen „alte“ Diven immer noch blendend aus, und auch für Schauspielerinnen jenseits der 60 gibt es anspruchsvolle Rollen. Gute Aussichten also, dass auch „Emmi & Herr Willnowsky“ nach 30 turbulenten „Ehejahren“ weiterhin auf den deutschen Comedybühnen gefeiert werden.














