Herbstmarkt Helmerkamp feiert 40 Jahre: Wie zwei Ziegen ihn einst bekannt machten
- Audrey-Lynn Struck

- vor 16 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
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HELMERKAMP. Direkt am Eingang strickt Günther Scheel bunte Wollsocken, ein paar Meter weiter verkauft Ruth Alpers vor einem großen Holzzaun ihre Marmeladen, während direkt neben ihr Hans Müller handgeflochtene Körbe anbietet, die so stabil sind, dass er sich sogar daraufstellen kann: Beim Herbstmarkt Helmerkamp sind viele Standbetreiber schon seit Jahrzehnten dabei – und genau das macht unter anderem den Charme des Marktes aus. „Es ist damals als Dorfaktion entstanden und das leben wir immer noch“, sagt Mitorganisatorin Kirsten Gerhardt. In diesem Jahr feiert der Herbstmarkt nun sein 40. Jubiläum.
„Herbstmarkt klingt häufig erst einmal nach einer Veranstaltung nur für Ältere (...). Bei uns findet jeder etwas.“
Zwei Drittel der Standbetreiber sind auch am 12. und 13. September alte Bekannte, während wieder an die 50 Stände neu hinzukommen. „Die Herausforderung ist, Altes zu bewahren und Neues einfließen zu lassen“, erklärt Nico Schanz, der vor zwei Jahren mit seiner Partnerin Kirsten Gerhardt die Leitung übernahm. Dabei wollen die beiden auch jüngere Besucher und Familien stärker ansprechen. „Herbstmarkt klingt häufig erst einmal nach einer Veranstaltung nur für Ältere, aber der Markt ist auch etwas für Jüngere oder für Familien. Bei uns findet jeder etwas“, sagt Kirsten Gerhardt.

Familienfreundliche Preise: 5 Euro Eintritt ab 14 Jahren
Auch die Aufteilung des Geländes ist darauf ausgerichtet. Essens- und Getränkestände umrahmen sich die rund 120 Bierzeltgarnituren, von denen Eltern die Kinderattraktionen und die Bühne im Blick haben. „Wir wollen möglichst vielen Familien eine Ausflugsmöglichkeit bieten“, sagt Nico Schanz. Dazu gehört auch der seit 2013 unveränderte Eintrittspreis von fünf Euro pro Person. Kinder unter 15 Jahren und Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 70 zahlen keinen Eintritt, auch das Parken ist grundsätzlich kostenlos.
Mit zwei Ziegen über den Celler Wochenmarkt
Angefangen hat alles in den 80er Jahren mit Lisa Mönke-Knoop. Nach einem schweren Verkehrsunfall konnte sie nicht mehr arbeiten und widmete sich stärker ihren Hobbys: Sie spann und webte, färbte Wolle, stickte und gab Kurse an der Volkshochschule. „Weil sie selbst viele Märkte besuchte, hatte sie schließlich die Idee für einen eigenen Verkaufsmarkt in Helmerkamp“, erzählt Kirsten Gerhardt.
Auch in Celle machten die Helmerkämper Frauen früher Werbung. Ein fester Bestandteil: Musik – gerne auch regional.
Die ersten Gehversuche machte der Markt 1985 und 1986 im Forsthaus. „Der ging schon so durch die Decke, dass man dann 1987 auf den Gemeindeplatz umzog.“ An der Langlinger Straße kamen 30 Stände zusammen, doch auch dort wurde es schnell zu eng. 1988 zog die Veranstaltung auf den Hof Knoop, wo der Herbstmarkt bis heute stattfindet.
Die Attraktionen für Kinder steigern sich jedes Jahr. Seit 2007 werden jedes Jahr historische Landmaschinen ausgestellt.
Für ihren Markt machten die Helmerkämper damals selbst Werbung in Celle, verteilten in eigens angefertigten Trachten Handzettel. Besonders auffällig dürfte eine Aktion im Jahr 1988 gewesen sein: Mit zwei weißen Ziegen liefen sie über den Celler Wochenmarkt. Laut Dorfchronik bedienten sich die beiden Vierbeiner dabei „großzügig von den Ständen und aus den Körben der Kunden“.
Herbstmarktfrauen backen über 200 Kuchen
Viele Dinge aus den Anfangsjahren gehören noch heute fest zum Herbstmarkt. Seit 1988 kümmern sich die Helmerkämper Herbstmarktfrauen um die Kaffeescheune und backen dafür mehr als 200 Kuchen. Die Einnahmen kommen dem 240-Seelen-Dorf Helmerkamp oder Vereinen zugute.
Musik und Landmaschinen: Viel Programm am Wochenende
Auch Musik und Bühnenprogramm sind beinahe von Anfang an dabei. Ortsansässige Bands, Jagdhornbläser, Akkordeonclubs aus Helmerkamp und Bergen oder die Volkstanzgruppe aus Langlingen betonten schon früh für den regionalen Charakter. Über die Jahre ist das Programm weitergewachsen, inzwischen stehen beispielsweise auch Singer-Songwriter auf der Bühne. Seit 2007 werden außerdem historische Landmaschinen ausgestellt, jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt. In diesem Jahr geht es ums Dreschen.
Kathi Thiliant war schon mit ihrem Baby auf dem Kinderkarussell. Kathi Thiliant sammelte schon als 8-Jährige Chips auf dem Kinderkarussell ein. Das Kinderkarussell ist eins von mehreren Kinderattraktionen.
Und auch einige Menschen begleiten den Markt schon fast ihr ganzes Leben. Kathi Thiliant war acht Jahre alt, als sie erstmals dabei war. Ihre Eltern kamen als Schausteller nach Helmerkamp, sie selbst sammelte damals die Chips am Kinderkarussell ein. Das Karussell ist bis heute dabei. „Die ist mehr dieser Markt als wir“, sagt Kirsten Gerhardt lachend.
Nico und Kirsten haben beim Herbstmarkt die Leitung
2012 übernahmen Sven und Nicole Knoop die Marktleitung. Kirsten Gerhardt und Nico Schanz waren früh als Helfer dabei, übernahmen dann 2024 komplett die Leitung. „Es war wichtig, am Anfang erst einmal anzukommen. Davor hatten wir auch viel Respekt“, sagt Nico Schanz. Umso mehr habe es die beiden gefreut, von vielen langjährigen Ausstellern herzlich aufgenommen zu werden.
„Der Herbstmarkt lebt von Menschen, Familie und Freunden, die mithelfen. Diese Idee ist geblieben.“
Von Anfang an steht hinter den beiden ein großes Team aus Freunden und Familie. Für Kirsten Gerhardt ist damit etwas geblieben, das schon vor 40 Jahren zum Herbstmarkt gehörte: „Unsere ganze Familie steht dahinter. Der Herbstmarkt lebt von Menschen, Familie und Freunden, die mithelfen. Diese Idee ist geblieben.“














