„Wir wollen da sein“ – Stadt bereitet Ukrainehilfe vor


Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge Celle
Foto: Peter Müller

CELLE. „Waffen, gebt uns Waffen“, lautet die Antwort des Leiters der Territorialverteidigung der Celler Partnerstadt Sumy auf die Frage, wie man helfen könne. Sichtlich bewegt berichtet Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge in einer Pressekonferenz über die Kontakte mit dem im Osten der Ukraine, nahe der russischen Grenze gelegenen Ort: „Er liegt unter sehr schwerem Beschuss, ist eingekesselt von russischen Truppen, das Rathaus ist nicht mehr besetzt, die Familien sind beieinander.“ Es ist nicht möglich, Hilfsgüter dorthin zu bringen. Die Verwaltung verfügt über einen Pool von 5 bis 8 Kontakten, alle 2 bis 3 Stunden bekommt der Oberbürgermeister einen Sachstandsbericht. Geplant war, Videos und Fotos zu zeigen, der OB hat jedoch entschieden, davon abgesehen: „Zu verstörend und zu emotional die festgehaltenen Momente.“


„Unter diesen Eindrücken agieren wir“, sagt der Verwaltungschef. Von Plänen, das Schloss in gelb-blau anzustrahlen und einen Gruß in dieser Form in die Ukraine zu senden, hat das Neue Rathaus ebenfalls Abstand genommen. „Das würde surreal anmuten, die Menschen dort sind in Todesangst.“

Vom ersten Tag des russischen Einmarsches an hat die Verwaltung mit der Vorbereitung von Hilfsleistungen begonnen, eine Arbeitsgruppe „Geflüchtete“ unter Leitung von Matthias Peters wurde eingerichtet, Sozialarbeiter wurden rekrutiert. „Unser Credo lautet ‚wir wollen da sein‘“, betont der Oberbürgermeister. Zurzeit werden Unterkünfte identifiziert, 35 Wohnungen aus eigenem Bestand, die zum Teil schon möbliert sind, stehen derzeit zur Verfügung. Eine Abfrage für Ferienwohnungen läuft. Aktuell könnte man 500 Menschen unterbringen, innerhalb von 2 Wochen ließe sich die Zahl auf 1000 erhöhen. „Und wir sprechen hier nicht von Notunterkünften, sondern von Wohnungen“, hebt Nigge hervor. Laut Angaben der Ausländerstelle sind bis jetzt 50 bis 75 Personen aus der Ukraine in Celle angekommen und haben bei Verwandten und Freunden Zuflucht gefunden.


Die Stadträtin für Soziales und Kultur Susanne McDowell merkt an: „Wir sind vorbereitet, so gut man in solchen Situationen vorbereitet sein kann. Wir haben ja keine Zahlen, wir können im Moment noch keine Aufrufe starten für die Anwerbung von Ehrenamtlichen und Dolmetschern. Im Moment ist das eine Gratwanderung zwischen vorbereitet sein und spontanem Reagieren.“ Sie bittet: Wenn Celler Wohnraum anzubieten haben, dann eine Mail zu schreiben, eine eigene Adresse für sämtliche Ukraine-Belange wurde eingerichtet: ukraine-hilfe@celle.de, sowie eine Hotline: 05141-12 12 12.

Überwältigt zeigt sich das Rathaus von der Hilfsbereitschaft. „Wir sind superdankbar“, sagt Nigge, bittet jedoch, dass keine Aktionen auf privater Basis gestartet werden, man habe sich auch mit den Hilfsorganisationen kurzgeschlossen und sei in der Einschätzung bestätigt worden. „Wir haben die Infrastruktur aufgebaut, wenn Sie helfen wollen, dann wenden Sie sich bitte an uns.“ Mittlerweile werde bereits davor gewarnt, nach Polen zu fahren. Wer spenden wolle, solle bitte Geld spenden. Die Stadt hat ein eigenes Konto eingerichtet:


Stadt Celle

Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg

IBAN DE15 26 95 13 11 00 91 54 30 82

BIC: NOLADE21GFW

Verwendungszweck „Hilfe für Sumy“


Die offiziellen Aufnahmemodalitäten sehen vor, dass Personen mit biometrischem Reisepass direkt einreisen dürfen, alle anderen müssen zunächst ins Aufnahmezentrum Bad Fallingbostel. Sollten Menschen aus der Ukraine in Celle ankommen ohne biometrischen Reisepass, werden sie mit einem von der Stadt organisierten Fahrdienst nach Bad Fallingbostel gefahren, um dort die Formalitäten abzuwickeln, um anschließend wieder nach Celle gebracht zu werden. Darüber hinaus bezeichnet Nigge die Vorgaben des Landes, so z.B. hinsichtlich der Auszahlung von Geld, als unübersichtlich.

Den Abschluss der Pressekonferenz bildet ein perspektivischer Ausblick: „Wir werden unserer Partnerstadt Sumy beim Wiederaufbau eng zur Seite stehen.“

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