Wer steckt hinter dem roten Knopf? Die Menschen beim DRK-Hausnotruf Celle
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CELLE. Ein Knopfdruck – und Hilfe ist auf dem Weg. So einfach stellen sich viele den Hausnotruf vor. Doch bis im entscheidenden Moment tatsächlich jemand vor der Tür steht, greifen beim DRK-Hausnotruf Celle viele Hände ineinander. Ralf Welschhoff leitet den Bereich und weiß aus eigener Erfahrung, was hinter dem roten Knopf steckt. Rund 15 Mitarbeiter kümmern sich um etwa 1.400 Teilnehmer im Landkreis Celle – am Telefon, bei ihnen zu Hause und im Hintergrunddienst.
Viel mehr als nur ein roter Knopf
Seit 2022 gehört Ralf Welschhoff zum Team des Hausnotrufs, zuvor war er seit 2018 im Rettungsdienst tätig. Als er zum Hausnotruf wechselte, hatte auch er zunächst eine recht einfache Vorstellung davon, was ihn erwartet. „Als ich angefangen habe, dachte ich: Da ist ein roter Knopf, dann fährt jemand los und erledigt das. Das kann ja nicht so schwer sein“, erinnert sich der Leiter des Hausnotrufs. Schnell habe er gemerkt: „Es hängt viel Verwaltungsarbeit daran, damit das alles so funktioniert.“
Heute gehören insgesamt 15 Mitarbeiter zum Team. Zwei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft kümmern sich im Büro um die organisatorischen Abläufe. Drei weitere Teilzeitkräfte sind unter anderem für die Termine bei den Teilnehmern zuständig. Sie beraten zu Hause, erklären die Verträge, richten die Technik ein und testen sie gemeinsam mit den Menschen. Gerade dabei geht es schnell um mehr als den Hausnotruf selbst. Die Mitarbeiter erfahren viel über die persönliche Situation und bekommen so manche Lebensgeschichte erzählt.
Sie sind zur Stelle, wenn Hilfe vor Ort gebraucht wird: Marc Strampe (links), Alyssa Hoffmann und Ya Damit im Hintergrund alles funktioniert: Hausnotruf-Leiter Ralf Welschhoff, Nina Ehrhardt, Alyssa Ho
Und dann gibt es den Hintergrunddienst. Jeweils ein Mitarbeiter übernimmt für 24 Stunden den Hintergrunddienst für den gesamten Landkreis Celle. Bei parallelen Einsätzen können weitere Kollegen hinzukommen. Auch Ralf Welschhoff hat solche Dienste bereits selbst übernommen und springt bei Ausfällen ein. Was er an der Arbeit mag? „Abwechslungsreich. – Absolut abwechslungsreich. Man hat mit vielen Menschen zu tun und weiß nie, was passiert.“
„Ziel ist, dass die Menschen etwas länger zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können“ – Ralf Welschhoff, Leitung Hausnotruf
Wenn Aufstehen plötzlich nicht mehr allein geht
Ein typischer Einsatz kann ganz unspektakulär beginnen: Ein Mensch stürzt zu Hause, ist augenscheinlich nicht verletzt, schafft es aber nicht mehr aus eigener Kraft aufzustehen. Genau für solche nicht medizinischen Hilfeleistungen ist der Hintergrunddienst da. Pflegerische Tätigkeiten übernimmt das Team nicht.
Ein Knopfdruck genügt: Die Hausnotrufstation mit dem dazugehörigen Funkhandsender ermöglicht es Teil Hilfe direkt am Handgelenk: Alyssa Hoffmann zeigt eine Hausnotrufstation mit passendem Notrufarmband
Wird der "rote Knopf" gedrückt, läuft der Ruf zunächst bei einer rund um die Uhr besetzten Hausnotrufzentrale auf. Handelt es sich um einen medizinischen Notfall, kann von dort direkt der Rettungsdienst verständigt werden. Wird der Celler Hintergrunddienst benötigt, macht sich ein Mitarbeiter auf den Weg.
Eine falsche Vorstellung begegnet Ralf Welschhoff dabei immer wieder: dass nach dem Knopfdruck innerhalb weniger Minuten jemand vor der Tür steht – womöglich wie beim Rettungsdienst mit Blaulicht. Der Hintergrunddienst besitzt jedoch keine Sonderrechte, hält an roten Ampeln und bewegt sich ganz normal durch den Straßenverkehr. Er soll in angemessener Zeit vor Ort sein, ersetzt aber keinen Rettungswagen.

Rund 1.400 Menschen nutzen den Hausnotruf derzeit. Viele von ihnen sind Senioren, eine feste Altersgrenze gibt es allerdings nicht. Auch Erkrankungen und die persönliche Lebenssituation spielen eine Rolle. Einige Teilnehmer sind sogar älter als 100 Jahre. Im Durchschnitt bleiben Menschen etwa drei Jahre beim Hausnotruf. „Ziel ist, dass die Menschen etwas länger zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können“, sagt Ralf Welschhoff.
Dabei erlebt das Team mitunter auch, wie sich die Situation eines Menschen über die Jahre verändert. Häufen sich Auslösungen, wird beispielsweise das Gespräch mit Angehörigen gesucht und geschaut, welche Unterstützung noch möglich ist. Einmal im Monat bespricht das Team solche Fälle gemeinsam. Manchmal geht es dabei um große Veränderungen, manchmal um vermeintliche Kleinigkeiten – etwa einen Teppich, der zur Stolperfalle geworden ist. Besonders herausfordernd wird es, wenn ein Teilnehmer keine Angehörigen, Freunde oder andere Bezugspersonen mehr hat.

„Lieber zu früh als zu spät“
Dass ein Hausnotruf vorhanden ist, bedeutet noch lange nicht, dass der Knopf im entscheidenden Moment auch gedrückt wird. Ralf Welschhoff kennt Fälle, in denen Menschen bereits seit 1 Uhr nachts am Boden lagen und erst gegen 7 Uhr Hilfe riefen – weil sie niemanden stören wollten. Andere denken in einer solchen Situation schlicht nicht daran, dass sie den Hausnotruf bei sich tragen.
Auch deshalb gehört einmal im Monat ein Testruf dazu. Der Umgang mit dem Knopf soll vertraut werden, damit der Griff danach irgendwann selbstverständlich ist. „Lieber zu früh als zu spät – auch, weil man sich frühzeitig an die Benutzung gewöhnen kann“, sagt Ralf Welschhoff. Für ihn kann der richtige Zeitpunkt schon gekommen sein, bevor tatsächlich etwas passiert: „Wenn ich merke, dass ich anfange zu stolpern und hin und wieder allgemein unsicher beim Laufen bin, dann sollte ich anfangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen.“

Neben Lösungen für die eigenen vier Wände gibt es inzwischen auch mobile Varianten, die unterwegs genutzt werden können. Bei einem Pflegegrad kann der Basis-Hausnotruf unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflegekasse übernommen werden.
In diesem Jahr blickt der DRK Kreisverband Celle auf sein 160-jähriges Bestehen zurück. Beim Hausnotruf zeigt sich die regionale Verbindung auch im Alltag: Das Angebot ist über eine Celler Vorwahl erreichbar, die Mitarbeiter sitzen vor Ort und kennen die Gegebenheiten.. Gleichzeitig bekommt der Hausnotruf eigene Kanäle auf Instagram und Facebook.
Dort sollen künftig weitere Einblicke in den Arbeitsalltag folgen – und noch mehr von den Menschen zu sehen sein, die hinter dem roten Knopf stehen. Begleitet werden sie dabei von einem Erdmännchen als neuem Maskottchen.

Kontakt
DRK-Kreisverband Celle e.V. – Hausnotruf
77er Str. 45 A, 29221 Celle
Telefon: 05141 903223
E–Mail: hausnotruf@drkcelle.de
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